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Allgemeinmedizin

Präventivmedizin in der Praxis

Wechseljahre – ein holistischer Blick auf Hormone

Yasmin Niederstenschee, Dr. rer. nat. Reinhard Merz

12.10.2026

Mit dem Rückgang der ovariellen Hormonproduktion verändert sich auch die Stoffwechselsituation der Frau. Ein holistischer Ansatz richtet den Blick deshalb nicht allein auf klimakterische Beschwerden, sondern auf die Frage, welche Bedeutung die Lebensmitte für die Gesundheit der folgenden Jahrzehnte hat.

Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer, verbringen jedoch einen erheblichen Teil dieser zusätzlichen Lebensjahre mit chronischen Erkrankungen oder funktionellen Einschränkungen. Zu den relevanten altersassoziierten Erkrankungen zählen unter anderem Osteoporose, kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankungen, Demenz und Sarkopenie. Viele dieser Erkrankungen entstehen über Jahre oder Jahrzehnte. Bluthochdruck, Dyslipidämie, Prädiabetes oder Osteopenie verursachen zunächst häufig keine Beschwerden, können langfristig jedoch strukturelle Organschäden begünstigen.

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Die Perimenopause als präventives Zeitfenster

Eine Besonderheit der weiblichen Biologie ist der vergleichsweise abrupte Verlust der ovariellen Funktion in der Lebensmitte. Während die Androgenspiegel beim Mann meist graduell abnehmen, verändert sich die hormonelle Situation der Frau rund um die Menopause innerhalb weniger Jahre erheblich. Gleichzeitig können Knochenabbau und Veränderungen des kardiometabolischen Risikoprofils an Bedeutung gewinnen.

Gerade die etwa 15 Jahre umfassende Phase rund um die Menopause könnte daher als präventives Zeitfenster verstanden werden. Entscheidend ist dabei eine individuelle Bestandsaufnahme: Wie steht es um Knochengesundheit, Blutdruck, Lipid- sowie Glucosestoffwechsel? Bestehen genetische Risikofaktoren, etwa eine familiäre Belastung oder ein erhöhtes Lipoprotein(a)? Welche Rolle spielen Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress und weitere Lebensstilfaktoren?

Ein gesunder Lebensstil bleibt die Basis jeder Prävention. Ausreichende körperliche Aktivität einschließlich Krafttraining, eine bedarfsgerechte Ernährung, guter Schlaf sowie der Verzicht auf Nikotin tragen wesentlich dazu bei, gesund zu altern. Dennoch lassen sich individuelle genetische und hormonelle Risiken nicht immer allein durch Lebensstilmaßnahmen kompensieren.

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Hormone im Gesamtkonzept betrachten

Auch eine menopausale Hormontherapie sollte in diesem Gesamtzusammenhang diskutiert werden. Ihre Entscheidung erfordert eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung unter Berücksichtigung von Beschwerden, Alter, Zeitpunkt seit der Menopause sowie persönlicher und familiärer Risikokonstellation. Der holistische Blick auf die Wechseljahre verbindet somit Gynäkologie mit Innerer Medizin, Kardiologie, Osteologie und Präventionsmedizin. Ziel ist es, die Voraussetzungen für möglichst viele gesunde, selbstbestimmte Lebensjahre zu schaffen. Die Perimenopause bietet hierfür einen geeigneten Anlass: für eine Standortbestimmung, eine individuelle Beratung und ggf. eine gezielte therapeutische Intervention.

Vortrag Dr. med. Helena Orfanos-Boeckel (Berlin)

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