Altern ist kein einheitlicher Prozess. Chronologisches und biologisches Alter können voneinander abweichen. Clocks und Telomere bilden unterschiedliche Facetten des biologischen Alterns ab. Interessant ist ihre longitudinale Beobachtung in Verbindung mit weiteren klinischen, metabolischen und molekularen Parametern.
Chronologisches und biologisches Alter können voneinander abweichen. Moderne „Aging Clocks“ versuchen, diese Differenz messbar zu machen. Besonders etabliert sind epigenetische Uhren, die charakteristische DNA-Methylierungsmuster auswerten. Die Horvath Clock schätzt auf dieser Basis das epigenetische Alter. PhenoAge kombiniert Methylierungsdaten mit klinischen Biomarkern und soll stärker abbilden, wie gesund ein Mensch altert. GrimAge wurde auf die Vorhersage von Mortalität sowie altersassoziierten Erkrankungen optimiert. DunedinPACE beschreibt dagegen die Geschwindigkeit des Alterungsprozesses.
Von diesen epigenetischen Clocks zu unterscheiden ist die zirkadiane „innere Uhr“. Gene wie CLOCK beeinflussen Chronotyp, Schlaf-Wach-Verhalten und Stoffwechsel. Eine dauerhafte Desynchronisation, etwa durch Schichtarbeit, Jetlag, unregelmäßige Schlafzeiten oder künstliches Licht am Abend, kann gesundheitliche Belastungen begünstigen.
Ein zusätzlicher wichtiger Marker des biologischen Alterns sind die Telomere. Diese aus repetitiven DNA-Sequenzen bestehenden Strukturen bilden Schutzkappen an den Enden der Chromosomen. Im Verlauf des Lebens verkürzen sie sich zunehmend. Im Vortrag werden chronischer psychischer oder körperlicher Stress, entzündliche Prozesse, Rauchen, Schlafmangel, Adipositas und Bewegungsmangel als Faktoren genannt, die mit einer stärkeren Telomerverkürzung in Zusammenhang stehen können. Umgekehrt werden regelmäßige körperliche Aktivität, mediterrane Ernährung, Rauchverzicht, ausreichender Schlaf und Stressreduktion als potenziell günstige Einflussfaktoren beschrieben.
Einzelmessungen sagen wenig
Für die praktische Interpretation ist allerdings entscheidend, die Telomerlänge nicht mit einer individuellen Restlebenszeit gleichzusetzen. Die Messergebnisse unterliegen biologischer und methodischer Variabilität. Sollen Veränderungen im zeitlichen Verlauf beurteilt werden, sollten deshalb Präanalytik, Untersuchungsmethode und möglichst auch das analysierende Labor konstant bleiben. Eine Einzelmessung liefert keinen umfassenden Gesundheitswert. Interessanter erscheint vielmehr die longitudinale Beobachtung vieler Parameter.
Clocks und Telomere bilden somit unterschiedliche Facetten des biologischen Alterns ab: Epigenetische Uhren erfassen altersassoziierte molekulare Muster, DunedinPACE das Alterungstempo, zirkadiane Systeme die zeitliche Organisation physiologischer Prozesse und Telomere einen weiteren Aspekt zellulärer Alterung. Ihr derzeitiger Nutzen liegt weniger darin, die individuelle Lebensdauer exakt vorauszusagen, als biologische Alterungsprozesse unter präventiven Interventionen zu verfolgen. Entscheidend bleibt dabei der multimodale Blick auf den Menschen – nicht die Interpretation eines einzelnen „Longevity“-Werts.
Vortrag Prof. Dr. med. Jörg Kriegsmann (Trier)