Exosomen gehören zu den derzeit meistdiskutierten Ansätzen in der ästhetischen Medizin. Die winzigen Vesikel transportieren biologische Signale zwischen Zellen und sollen die Hautregeneration von innen anstoßen. Was hinter dem Konzept steckt, welche Evidenz bislang vorliegt und wo die rechtlichen Grenzen für die Praxis liegen.
„Der Trend geht weg vom Volumen und hin zur Aktivierung körpereigener Regenerationsprozesse“, brachte es Dr. med. Dorothea Hierner (Hannover) auf den Punkt. Immer häufiger wird in der Praxis nach Biostimulation und nicht mehr nach Filler-Volumen gefragt. Dabei rückt ein Wirkprinzip besonders in den Vordergrund: die Exosomen.
Bereits in den 1960er-Jahren beobachteten Forschende elektronenmikroskopisch kleine Bläschen außerhalb von Zellen, hielten sie jedoch zunächst für Zellabfall. Erst 1983 zeigten unabhängige Arbeitsgruppen um Philipp Stahl und Rose Johnstone, dass solche Vesikel bei der Reifung roter Blutkörperchen gezielt Rezeptoren wie den Transferrinrezeptor aus der Zelle schleusen; 1987 prägte Johnstone dafür den Begriff Exosom, 1996 wurde ihre Rolle im Immunsystem entdeckt, 2007 der Nachweis erbracht, dass die Vesikel mRNA transportieren. Seither gelten Exosomen nicht mehr als Abfallprodukt, sondern als aktive Kommunikationsmittel zwischen Zellen. James Rothman, Randy Schekman sowie Thomas Südhof erhielten 2013 den Nobelpreis für die Aufklärung des zellulären Vesikeltransports.
Biologische Post
Exosomen sind extrazelluläre Vesikel mit einem Durchmesser von 30 –150 nm, die praktisch jeder Zelltyp absondert. Ihre Lipid-Doppelmembran verpackt eine biologisch aktive Fracht: mikro-RNA (miRNA), Proteine und Wachstumsfaktoren wie TGF-β, VEGF und FGF. Docken Exosomen an Rezeptoren einer Zielzelle an, geben sie diese Information über intrazelluläre Signalketten weiter, etwa an Fibroblasten in der Dermis. In der Folge steigt die Kollagen-I- und -III-Synthese und Entzündungsmediatoren sinken. Gleichzeitig wird die Bildung neuer Blutgefäße und damit die Sauerstoffversorgung des Gewebes angeregt. „Exosomen sind biologische Informationspakete“, so Hierner. Für die Haut bedeutet das Regeneration und beschleunigte Wundheilung.
In der Praxis kommen vor allem 3 Exosomarten zum Einsatz. Humane, meist aus mesenchymalen Stammzellen gewonnene Exosomen bieten die höchste biologische Kompatibilität, sind aber teuer in der Herstellung. Bovine Exosomen aus Kolostrum lassen sich deutlich skalierbarer produzieren und enthalten weiterhin zahlreiche biologisch aktive Wachstumsfaktoren. Pflanzliche Exosomen punkten durch Sicherheit und Nachhaltigkeit, wirken jedoch überwiegend antioxidativ statt regenerativ. Die Wahl der Exosomenquelle sei immer ein Kompromiss aus biologischer Nähe zum Menschen, Herstellbarkeit, Kosten und regulatorischen Anforderungen.
Symposium „Regenerative und ästhetische Dermatologie“