Die verbreitete Annahme, diabetische Fußulzera (DFU) seien vor allem ein Problem bei Typ-2-Diabetes (T2D), wird in einer aktuellen Übersichtsarbeit relativiert. Das Lebenszeitrisiko für ein DFU liegt bei allen Diabetesformen bei 19 –34 %, wobei Bevölkerungsstudien sogar eine höhere Lebenszeitprävalenz bei Typ-1-Diabetes (T1D) zeigen, aufgrund der längeren Erkrankungsdauer. Register- und Datenbankstudien wiederum berichten häufiger über eine höhere jährliche Neuerkrankungsrate bei T2D, was eher mit höherem Alter und Gefäßkomorbiditäten zusammenhängt.
Die Prognose ist in beiden Gruppen ernst: Nur 50 – 60 % der Betroffenen überleben die ersten 5 Jahre nach Auftreten eines DFU, 5 –24 % der Ulzera führen innerhalb von 6 –18 Monaten zu einer Amputation. Die Heilungsdauer unterscheidet sich kaum zwischen Typ 1 und Typ 2 und hängt vor allem von der lokalen Wundsituation und der Gefäßversorgung ab. Auffällig: Mehreren Berichten zufolge ist das Risiko für Osteomyelitis bei T1D besonders ausgeprägt. Unterschiede im DFU-Verlauf hängen weniger vom Diabetestyp selbst als vom individuellen Risikoprofil ab. Regelmäßige Fußuntersuchungen und eine niedrige Schwelle für die Verdachtsdiagnose Osteomyelitis sollten demnach bei beiden Diabetestypen zur Routine gehören.
Kyriazis D et al., Sci Prog 2026; 109(3): 1–14