Ein hochspezifisch gynäkologischer DMEA-Punkt war die Diskussion zu zyklusbedingter Gesundheit. Expertinnen diskutierten, wie relevante Daten systematischer erfasst und in die klinische Praxis überführt werden können. Prof. Dr. med. Mandy Mangler (Berlin) berichtete über eine aktuelle Studie, in der gezeigt wurde, dass eine Chemotherapie abhängig von der Phase des weiblichen Zyklus unterschiedlich wirkt.
Und das ist nur ein Beispiel, die hormonellen Veränderungen im Lauf des Zyklus haben erhebliche Konsequenzen für den weiblichen Körper. Nicht nur immunologische Prozesse werden dadurch maßgeblich gesteuert, auch die psychische Gesundheit scheint durch den Zyklus beeinflusst zu werden. „Suizide bei jungen Frauen passieren fast immer in der zweiten Zyklushälfte“, so Mangler. Um eine evidenzbasierte geschlechtersensible Medizin zu etablieren, fehlt es an routinemäßig erhobenen Daten. „Wir müssen die Zyklusanamnese mit aufnehmen und auch dokumentieren, genauso wie den BMI“, forderte Mangler. Für die gynäkologische Praxis heißt das: Die digitale Transformation sollte nicht nur Befunde transportieren, sondern auch gynäkologisch relevante Kontextvariablen strukturiert abbilden – Menstruationsstatus, Zyklusphase, Schwangerschaft/Stillzeit, hormonelle Kontrazeption, Menopause, HRT, Blutungsanamnese, Endometriose- und Schmerzverläufe. Daten aus Zyklus-Apps und Wearables etwa.
Dr. med. Carina Vorisek (Berlin) berichtete von nationalen und internationalen Initiativen. Diese setzen sich für digitale Infrastrukturen ein, die mehr Chancengleichheit im Gesundheitssystem ermöglichen sollen. „Das Thema ist leider nicht cool“, hielt sie fest und forderte, den Gender Gap möglichst schnell zu verkleinern.
Session „Inklusive Medizin neu denken: Zyklusbedingte Gesundheit und Frauengesundheit im Fokus“