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Kongress-Ticker

ELTVILLE AM RHEIN - AUGUST 2020

Allergologie im Kloster

17.5.2022

Allergologie und Präzisionsmedizin

In der Allergologie kommt die Präzisionsmedizin schon seit vielen Jahren in der Diagnostik zum Einsatz. Anhand der einzelnen Allergene einer Allergenquelle lässt sich eine Prognose erstellen, ob die zur Verfügung stehenden Immuntherapeutika wirken werden. Aus Studien ist bekannt, dass diejenigen Patienten, die auf die wichtigsten Allergene einer Allergenquelle sensibilisiert sind, auch am meisten von einer Immun­therapie profitieren. So macht es Sinn, gerade unter Patienten, die mehrere Allergien haben und bei denen sich die Ursachen nicht klar bestimmen lassen, mittels molekularer Allergiediagnostik die vielversprechendsten Therapiekandidaten zu ermitteln. Andererseits kann die Präzisionsmedizin auch Erklärungen dafür liefern, warum eine Immuntherapie nicht wirkt. Dies passiert insbesondere bei Patienten mit komplexen Allergien und langer Vorgeschichte. Hier liegt das Problem oft darin, dass ganzjährige Allergieauslöser eine unterschwellige Entzündungsreaktion hervorrufen, die sich nicht mit einer Heuschnupfensymptomatik äußert. Fliegen dann die Pollen, auf die ein Patient allergisch reagiert, treten verstärkt Symptome auf. Das Entzündungsgeschehen wird dann meist nicht berücksichtigt. Die molekulare Allergiediagnostik kann allerdings sehr genau differenzieren, welche Allergien vordringlich ­behandelt werden müssen. Die Präzisionsmedizin führte in den vergangenen Jahren zu einem besseren Verständnis der immunologischen Zusammenhänge. Allerdings ist es derzeit noch nicht möglich, auf Basis der Präzisionsmedizin ein zielgerichtetes Präparat ­herzustellen. „Patienten reagieren auf Pollen in der ­Mischung, wie sie die Luft draußen aufweist, und nicht auf rekombinante Allergene“, begründete Dr. med. ­Petra Ziegelmayer (Wien). schlo

Vortrag „Präzisionsmedizin in der Pollenexposition: Auswirkungen auf Diagnostik und Therapie“

Gute Diagnostik ist Entscheidend

„Die Allergie ist eine krankmachende Unverträglichkeitsreaktion mit einer Wirkung auf harmlose Umweltsubstanzen“, leitete Prof. Dr. med. Dr. h. c. Torsten ­Zuberbier (Berlin) seinen Vortrag über Intoleranzen ein. Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit und die allgemeine Pseudoallergie sind generell die drei großen Gruppen der Intoleranz auf Nahrungs­mittel. Unabhängig ­davon ist es wichtig, vor allem bei der Differenzialdiagnose auch die ­echte IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie beim ­Aller­go­logen mit zu untersuchen, denn Betroffene können die ­allgemeine Pseudoallergie und die IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie nicht voneinander unterscheiden. In beiden Fällen können Quaddeln, Angioödeme, aber auch gastrointestinale Beschwerden auftreten. „In den Städten haben wir mehr Allergiker. Das liegt daran, dass das Immun­system schmutzige Pollen weniger gut toleriert und dadurch ein Gefahrensignal vermittelt wird“, so Zuberbier. Ein epidemiologischer Anstieg ist aktuell nur im Bereich der echten Nahrungsmittelallergie zu beobachten, denn die Zahl der anaphylaktischen Reaktionen ist laut Studien in den vergangenen 20 Jahren um einen Faktor 2 bis 4 angestiegen. Für pseudoallergene Intoleranzen gebe es keine Tests, daher sei ein gutes Symptomtagebuch für die Diagnostik entscheidend, so der Experte. Problematisch ist, dass sich bei 30 % die Effekte erst nach 14 Tagen zeigen. Das bedeutet in der Praxis: Die Pseudoallergie kann erst später festgestellt werden und es ist schwierig, den Zusammenhang zwischen Pseudo­allergen und Symptom(en) herzustellen. Hilfreich kann dann eine pseudoallergenarme Diät sein, die unter einem Symptomtagebuch durchgeführt wird. „Die pseudo­allergenarme Diät geht pragmatisch vor. Diese meidet alle pseudoallergenen Nahrungsmittel und zusätzlich auch Hista­minintoleranzen. Mit dem Symptomtagebuch bekommen wir ein Werkzeug für die Diagnostik an die Hand“, so Zuberbier. ­ „Menschen, die Pseudoallergien haben, reagieren ganz oft auf reife, frische Gemüse, z. B. sonnen­gereifte Tomaten aus dem Garten, und/oder auf aromatische Substanzen wie Wein und Kräuter. Denn aromastoffreiche Nahrungsmittel sind unverträglicher als aromastoffarme ­Lebensmittel.“, so der Experte. Jedoch klärte Zuberbier auch über die Risiken einer solchen Diät auf: Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) warnt davor, nicht jeden Patienten sofort auf Diät zu setzen, denn beispielsweise glutenfreie ­Ernährung bringt Risiken wie ein verändertes Darmmikrobiom mit sich. Aus allergologischer Sicht ist ­keine Massenhysterie ausgebrochen, aber mehr Menschen führen mögliche gesund­heitliche Beschwerden auf Nahrungs­mittel zurück. Entscheidend ist daher eine gute Diagnostik, die allergologische Testungen und Provokations­testungen umfassen. map

Vortrag „Die Welt wird intolerant (… nicht nur beim Essen …): Massenhysterie oder echte Erkrankungen?“

Allergietherapie bei Jungen Patienten

Die jüngsten Prävalenzraten einer allergischen/atopischen Erkrankung bei Kindern in den ersten beiden Lebensjahrzehnten betragen laut der Querschnittsstudie KIGG des Robert Koch-Instituts 40 %. Sowohl die primäre Prävention wie u. a. gesunde Ernährung als auch die zielgerichtete, frühe Diagnostik sind die ersten Schritte zur Therapieeinleitung. Um eine entsprechende zielgerichtete Therapie einleiten zu können, sollte zudem eine molekulare Allergiediagnostik durchgeführt werden, um Nahrungsmittelallergien und Kreuzreaktivitäten abzuklären. Außerdem sollte überprüft werden, ob eine Indikation zu einer Allergen-Immuntherapie (AIT) bei allergischer Rhinitis oder allergischem Asthma bronchiale vorliegt. In dieser Altersklasse besitzt die AIT einen besonderen Stellenwert, da klinische Studien zeigen, dass die erfolgreiche Durchführung einer AIT bei sensibilisierten Patienten mit Symptomen der oberen Atemwege zu einem verminderten Risiko der Asthmaentstehung führt. Die Symptom- und Medikamentenreduktion sowie der präventive Ansatz spricht für die AIT. Zu beachten ist, dass die Zulassung für die entsprechende Altersklasse vorliegt sowie die Evidenz für die Wirksamkeit und Sicherheit gegeben ist. Inzwischen stehen auch Biologika für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung; drei Biologikapräparate gegen schweres Asthma und ein Biologikum gegen schwere atopische Dermatitis.map

Vortrag „Allergien bei Kindern: Patienten- und kindgerechte Diagnostik und Therapie“ (Veranstalter: Stallergenes Greer)

Bildnachweis: cmfotoworks (iStockphoto)

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