Frauen, die zur Behandlung ihres Hormonrezeptor-positiven (HR+) Mammakarzinoms eine endokrine Therapie erhalten, profitieren von dieser vor allem auf der langen Strecke. Ein früher Abbruch erhöht die Rezidivrate deutlich. Wie Betroffene eine langfristige Therapie deutlich besser aushalten können.
Neben vasomotorischen Symptomen (Hitzewallungen, Nachtschweiß) und Schlafstörungen können Frauen in den Wechseljahren weitere Symptome und Komorbiditäten entwickeln, darunter Erschöpfung, Bluthochdruck, Kopfschmerzen oder Migräne sowie Diabetes. Rund 60 % der aktuell 9 Millionen Frauen in Deutschland, die in den Wechseljahren sind, entwickelten mindestens eine davon, führte Prof. Dr. med. Peyman Hadji (Frankfurt/Main) aus. Die sogenannten Kisspeptin-, Neurokinin-B- und Dynorphin-Neurone (KDNy) spielten als Teil der Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse hier eine Rolle. Bei einer sinkenden Estrogenproduktion komme es zur Hypertrophie und Hyperaktivität der KDNy-Neurone, vermittelt über die Neurokinin(NK)-Rezeptoren 1 und 3.
Eine endokrine Therapie (ET) mit Tamoxifen, Aromatasehemmer mit/ohne GnRH-Analoga löst Wechseljahressymptome abrupt aus. Bis zu 80 % aller und 60 % der postmenopausalen Brustkrebspatientinnen litten unter zum Teil starken vasomotorischen Symptomen (VSM) und Schlafstörungen. VMS könnten über Jahre bis Jahrzehnte anhalten und seien nach Arthralgien der zweithäufigste Grund für Abbrüche der ET – bis zu 50 % nach einem Jahr, berichtete Hadji.
Ein Weg zu mehr ET-Adhärenz
NK-Rezeptorantagonisten können diesen Symptomen nicht-hormonell entgegenwirken. Elinzanetant, ein Vertreter dieser Substanzklasse, könne an den Rezeptor NK1 und NK3 binden und so Signalwege blockieren, die an den wechseljahresbedingten VMS und Schlafstörungen beteiligt sind. Im Phase-III-Studienprogramm OASIS wurden Sicherheit und Wirksamkeit von Elinzanetant bei VMS in der Menopause untersucht. OASIS-4 hat Frauen mit HR-positivem Brustkrebs oder hohem Risiko dafür eingeschlossen, die aufgrund einer adjuvanten endokrinen Therapie mindestens 35 moderate bis schwere VMS pro Woche erlebten.
Die Gabe von täglich 120 mg Elinzanetant reduzierte bereits in Woche 1 signifikant die VMS-Häufigkeit gegenüber Placebo und der Effekt hielt über den 52-wöchigen Studienzeitraum an. Bis Woche 12 erreichten knapp 75 % der Frauen unter Elinzanetant einen Rückgang der VSM um ≥ 50 %. Auch Schlafstörungen und wechseljahresbezogene Lebensqualität besserten sich innerhalb weniger Wochen und über die gesamte Studiendauer anhaltend, so Hadji. Dies sei wichtig, um die Therapieadhärenz „maßgeblich zu bessern“.
Das Sicherheitsprofil sei mit meist leichten bis moderaten therapiebedingten Nebenwirkungen günstig gewesen. Am häufigsten seien Schläfrigkeit und Müdigkeit mit dem Medikament in Verbindung gebracht worden, und zwar fast nur in den ersten 12 Wochen. Elinzanetant werde über den CYP3A4-Mechanismus abgebaut und habe ein niedriges Potenzial für Interaktionen mit anderen zielgerichteten Brustkrebstherapien gezeigt. Bei Kombination mit moderaten CYP3A4-Inhibitoren (z. B. mit Ribociclib 400 mg) sei die Elinzanetant-Dosis auf 60 mg zu reduzieren und bei starken (z. B. Ribociclib 600 mg) zu vermeiden.
Kurzsymposium „Zwischen Leitlinie und Alltag: Vasomotorische Symptome unter adjuvanter endokriner Therapie“ (Veranstalter: Jenapharm GmbH & Co. KG – eine Marke von Bayer AG)