Die adjuvante Strahlentherapie beim frühen Mammakarzinom bleibt eine interdisziplinäre Abwägung zwischen onkologischer Sicherheit, Morbidität und Patientinnenpräferenz. Prof. Dr. med. Juliane Hörner-Rieber (Düsseldorf) betonte, dass ein Verzicht auf Radiotherapie zwar in selektionierten Niedrigrisikokollektiven diskutiert werden kann, aber von der Adhärenz zur endokrinen Therapie abhängt.
Im DBCG-RT-Natural-Trial lag die Compliance nach 5 Jahren nur noch bei etwa 60 – 64 %. Entsprechend zeigte sich ohne Teilbrustbestrahlung ein höheres lokoregionäres Rezidivrisiko, während die zusätzliche Radiotherapie sehr gut verträglich war; relevant häufiger war vor allem Hyperpigmentierung. Auch die EURO PA-Studie stützt die Diskussion um kurze Bestrahlungskonzepte bei älteren Patientinnen mit niedrigem Risiko: In den Interimsdaten war die Lebensqualität unter Radiotherapie günstiger als unter alleiniger endokriner Therapie, endgültige Rezidivdaten stehen jedoch noch aus. Nach SENOMAC kann bei 1–2 positiven Sentinel-Lymphknoten auf die Axilladissektion verzichtet werden – allerdings unter konsequenter Bestrahlung der relevanten Lymphabflusswege. Praktisch wichtig: Hypofraktionierung ist heute Standard. Ultrahypofraktionierte Schemata sind möglich.
Vortrag Prof. Dr. med. Juliane Hörner-Rieber