Die neoadjuvante Systemtherapie des frühen Mammakarzinoms wird zunehmend risikoadaptiert und subtypspezifisch gesteuert. Im Fokus stehen vor allem triple-negative und HER2-positive Tumoren, da hier Rezidivrisiko, Therapieintensität und therapeutischer Fortschritt besonders eng verknüpft sind.
Beim TNBC ist die pathologische Komplettremission ein zentraler prognostischer Marker. Für Patientinnen mit entsprechendem Risikoprofil ist die anthrazyklin-/taxanbasierte Chemotherapie plus Carboplatin und Pembrolizumab inzwischen Standard; nach KEYNOTE-522 zeigte sich auch im Langzeitverlauf ein relevanter Überlebensvorteil. Gleichzeitig müssen immunvermittelte Nebenwirkungen, einschließlich potenziell persistierender Endokrinopathien, in die Beratung einfließen.
Beim HER2-positiven frühen Mammakarzinom bleibt die neoadjuvante Chemotherapie mit HER2-gerichteter Therapie Standard, während bei sehr kleinen nodal-negativen Tumoren ein adjuvantes Vorgehen möglich ist. Neu an Bedeutung gewinnt T-DXd postneoadjuvant bei Hochrisikokonstellationen. Der Nutzen muss jedoch gegen ILD/Pneumonitis-Risiken abgewogen werden; ein strukturiertes Monitoring mittels Thorax-CT wird damit praxisrelevant.
Vortrag Prof. Dr. med. Isabell Witzel (Zürich, Schweiz)