Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) haben sich beim fortgeschrittenen und metastasierten Mammakarzinom von einer späten Option zu einem zentralen Therapieprinzip entwickelt. Beim HER2-positiven metastasierten Mammakarzinom sind T-DXd und T-DM1 in den AGO-Algorithmen fest verankert; T-DXd hat T-DM1 in der Sequenz deutlich nach vorn gedrängt.
Auch bei HER2-low und HER2-ultralow eröffnet T-DXd neue Optionen. Im postneoadjuvanten Hochrisikosetting des HER2-positiven frühen Mammakarzinoms deuten die DESTINY-Breast05-Daten auf eine Überlegenheit von T-DXd gegenüber T-DM1 hin.
Beim HR-positiven/HER2-negativen Mammakarzinom wird die Sequenz zunehmend durch molekulare Marker und endokrine Resistenz bestimmt; ADC wie T-DXd, Sacituzumab Govitecan und Datopotamab Deruxtecan erweitern die Optionen nach endokriner und/oder chemotherapeutischer Vortherapie. Beim metastasierten TNBC sind ADC ebenfalls bereits in frühen Therapielinien angekommen. Studien wie PANKU-Breast02 mit Iza-bren und FUTURE 2.0 zur Kombination von ADC und Bevacizumab unterstreichen die Dynamik des Feldes.
Die Euphorie hat jedoch auch eine klinische Kehrseite: Antiemese, Mukositis-Prophylaxe, ophthalmologische Kontrollen und vor allem ILD-Monitoring mit Thorax-CT unter T-DXd müssen im Zuge der Therapie konsequent umgesetzt werden. Der Appell von Prof. Dr. med. Michael Untch (Berlin) lautete daher: ADC nutzen – aber Toxizitäten aktiv managen und Patientinnen konsequent in Studien einbringen.
Vortrag Prof. Dr. med. Michael Untch