Infektionen mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) betreffen alle Altersgruppen und können schwer verlaufen. Außer den Jüngsten sind besonders Personen ab 60 Jahren im Zuge der Immunseneszenz gefährdet. Auch bei Jüngeren kann eine Adipositas oder besondere Reisefreudigkeit ein entscheidender Risikofaktor sein.
Die RSV-Infektion ist nicht auf Herbst und Winter beschränkt. Sie betrifft über 60-Jährige häufiger und oft auch schwerer als jüngere Erwachsene, etwa weil die RSV-spezifische zelluläre Immunantwort schwächer ist [1]. Neben Asthma und COPD erhöhten auch Diabetes oder Herz-Kreislauf- sowie chronische Nierenerkrankungen das Risiko für einen schweren Verlauf mit Hospitalisierung und Progress der Grunderkrankung, wie Dr. med. Petra Sandow (Berlin) berichtet hat. In ihrer Praxis handhabt die Allgemeinärztin es so, dass Versicherte mit von ihr festgestellter Indikation zur RSV-Impfung auf Wunsch eine kurze schriftliche Begründung erhalten und im Vorfeld bei der Krankenkasse einreichen. Sie habe noch nie erlebt, dass eine Kasse dann die Kostenübernahme abgelehnt hätte. Auch Personen im Alter < 60 Jahren ohne Grunderkrankung könne die RSV-Impfung als Privatleistung angeboten werden. Dies z. B., wenn häufige Schiffskreuzfahrten das Risiko für Atemwegskrankheiten erhöhen. Dabei hole sie die Impflinge bei der Beratung derart ab, dass sie von einer „Impfung gegen Viruslungenentzündung“ spreche, analog zur Option, sich gegen Pneumokokken-Pneumonie impfen lassen zu können. Auch spreche sie nicht von möglichen Impfneben-, sondern Begleitwirkungen, die erwünschte Immuneffekte anzeigten.
Der rekombinante, adjuvantierte RSV-Impfstoff RSVPreF3 ist einer von 3 aktuell in Deutschland verfügbaren. Er sei ebenso wie die beiden anderen gegen die RSV-Subtypen A und B wirksam, so Sandow. Das bekannte Adjuvans AS01E führe zu einer starken Immunantwort auch bei Menschen mit alters- oder erkrankungsbedingt schwächerem Immunsystem. Er ist zugelassen ab 18 Jahren zur Prävention von RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege. Gesetzlich Krankenversicherte haben laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) ab 75 Jahren (Standardimpfung) sowie ab 60 Jahren (Indikationsimpfung) bei deutlich erhöhtem Risiko für einen schweren RSV-Krankheitsverlauf (schwere Grunderkrankungen, Bewohner von Pflegeeinrichtungen) Anspruch auf eine einmalige RSV-Impfung zu Lasten ihrer Kasse [2]. Fachgesellschaften gehen weiter: Die RSV-Impfung wird u. a. von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) bei allen ≥ 60 Jahren empfohlen. Nach individueller Beratung wird sie bei Erwachsenen jeden Alters mit schweren pulmonalen oder kardiovaskulären Vorerkrankungen oder mit deutlich eingeschränkter Immunabwehr empfohlen [3].
Inzwischen liegen für den adjuvantierten Impfstoff Daten vor, die über 3 Saisons eine kumulierte Effektivität beim Schutz vor schwerer Erkrankung der tiefen Atemwege von 67,4 % bei Menschen ab 60 Jahren dokumentieren [4]. Auch bei kardialen Grunderkrankungen ergab sich mit ihm in der täglichen Praxis eine hohe Wirksamkeit gegen RSV [4].
Pressekonferenz „Schub für den RSV-Schutz – Risikopatienten fokussieren und gezielt immunisieren“ (Veranstalter: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG)