Die Haut zeigt bei infektiologischen Erkrankungen oft typische klinische Muster. Neben der morphologischen Einordnung kutaner Warnsignale sollte dann auch frühzeitig eine gezielte infektiologische und internistische Abklärung initiiert werden.
Entscheidend für eine Beurteilung sind Morphologie, Verteilung, Dynamik und Begleitsymptome wie Fieber, Hypotonie, Schleimhautbefall, Lymphadenopathie oder Arthralgien. Besonders relevant sind Exantheme, Petechien/Purpura, akrale vaskulitische oder embolische Läsionen sowie ulzerierende oder pustulöse Muster [1].
Eine der wichtigsten dermatologischen Notfallsituationen ist die Meningokokkämie. Klinisch stehen plötzliches Fieber, reduzierter Allgemeinzustand und eine rasch progrediente petechiale bis purpurische Eruption im Vordergrund. Das Spektrum reicht von diskreten Petechien bis zur Purpura fulminans mit disseminierter intravasaler Gerinnung, Schock und Multiorganversagen. Dermatologisch ist hier weniger die Differenzialdiagnose einer isolierten Purpura entscheidend als die unverzügliche Erkennung des systemischen Charakters. Jede febrile Purpura ist bis zum Beweis des Gegenteils als invasive bakterielle Infektion zu behandeln [2].
Klassisch sind die Hautzeichen der infektiösen Endokarditis. Janeway-Läsionen präsentieren sich als schmerzlose erythematöse oder hämorrhagische Makulae/Papeln an Palmae und Plantae, während Osler-Knoten druckschmerzhafte, livid-erythematöse noduläre Läsionen vor allem an Akren darstellen. Sie sind heute seltener als in historischen Kollektiven, behalten jedoch eine erhebliche diagnostische Signalwirkung, da sie auf septische Embolisation oder immunvermittelte Gefäßphänomene hinweisen. Bei Fieber unklarer Genese, Herzgeräusch, Emboliezeichen oder vaskulären Hautläsionen sollte deshalb früh an Blutkulturen und Echokardiografie gedacht werden [3].
Die sekundäre Syphilis bleibt der Prototyp einer infektiologischen Systemerkrankung mit polymorphem kutanem Erscheinungsbild. Typisch ist ein generalisiertes, oft wenig juckendes makulopapulöses Exanthem mit möglicher Beteiligung von Handflächen und Fußsohlen. Hinzukommen mukokutane Läsionen, enorale Plaques, Condylomata lata und generalisierte Lymphadenopathie. Bei palmoplantarer Exanthematik, Schleimhautbefall oder unklarer papulosquamöser Eruption sollte die serologische Diagnostik niedrigschwellig erfolgen [4].
Unter den viralen Systeminfektionen besitzen Masern eine besondere dermatologische und infektiologische Relevanz. Der Prodromalphase mit hohem Fieber, Husten, Coryza und Konjunktivitis folgen Koplik-Flecken als exanthematisches Warnsignal und anschließend ein makulopapulöses Exanthem, das typischerweise kraniokaudal fortschreitet. Bereits der klinische Verdacht erfordert wegen der hohen Kontagiosität sofortige Isolations- und Meldeprozesse. Die Haut dient hier nicht nur der Diagnose, sondern unmittelbar auch der Infektionskontrolle [5].
Bereits der Verdacht auf Masern erfordert wegen der hohen Kontagio-sität sofortige Meldeprozesse.
Typisch für MPox sind Fieber, Lymphadenopathie sowie ein oft schmerzhaftes Exanthem bzw. Mukosaläsionen, die über Makeln und Papeln in vesikulopustulöse oder erosive Stadien übergehen können. Charakteristisch ist die Kombination aus systemischen Beschwerden und teils deutlich entzündlichen, umschriebenen Haut- oder Schleimhautläsionen. Wegen möglicher atypischer oder genital betonter Präsentationen ist eine rein morphologische Blickdiagnose jedoch nicht immer möglich; Anamnese, Expositionsrisiko und Labordiagnostik bleiben essenziell [6].
Bei Reiserückkehrenden oder nach Aufenthalt in Endemiegebieten sollte schließlich Dengue in die dermatologische Differenzialdiagnostik febriler Exantheme einbezogen werden. Das klinische Bild umfasst hohes Fieber, ausgeprägte Myalgien/Arthralgien, Leukopenie sowie häufig ein Exanthem. Zusätzlich können Schleimhautblutungen und andere Warnzeichen auf einen komplizierten Verlauf hindeuten. Dermatologisch relevant ist hier vor allem die Einbettung des Exanthems in den systemischen Kontext, insbesondere bei gleichzeitiger Thrombozytopenie oder Hämokonzentration [7].
Auch Herpes zoster ist mehr als eine lokalisierte Hauterkrankung. Zwar präsentiert sich die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus klassischerweise als einseitiges, dermatomal begrenztes, schmerzhaftes vesikuläres Exanthem, häufig mit vorausgehenden neuropathischen Schmerzen, Brennen oder Parästhesien. Bei älteren oder immunsupprimierten Personen kann Zoster jedoch Ausdruck einer klinisch relevanten, systemischen Vulnerabilität sein oder mit systemischen Komplikationen einhergehen.
Fieber, Malaise und Cephalgien können das Exanthem begleiten; besondere Aufmerksamkeit erfordern Zoster ophthalmicus, otische Beteiligung sowie der disseminierte Zoster mit Läsionen außerhalb des primären Dermatoms. In diesen Konstellationen drohen okuläre Schäden bis zum Visusverlust sowie selten ZNS-, pulmonale oder hepatische Komplikationen. Dermatologisch besitzt Herpes zoster daher Signalwirkung nicht nur wegen seiner meist charakteristischen Morphologie, sondern auch als Hinweis auf potenziell schwere Verläufe und auf eine mögliche zugrunde liegende Immunsuppression [8,9].

Für die Praxis gilt: Dermatologische Signalbefunde sind bei Infektionserkrankungen selten Selbstzweck. Petechien, Purpura, palmoplantare Exantheme, mukokutane Läsionen, akrale schmerzhafte Knoten oder vesikulopustulöse Eruptionen müssen als mögliche Hinweise auf systemische, potenziell vital bedrohliche Infektionen gelesen werden. Die Haut kann damit zum entscheidenden diagnostischen Fenster werden – vorausgesetzt, sie wird im klinischen Gesamtkontext interpretiert und nicht als isolierter Organbefund missverstanden.
