- Anzeige -
Allgemeinmedizin

Infektiologie

Wenn ein hoher CRP-Wert in die Irre führt

29.9.2026

Ein hoher CRP-Wert allein rechtfertigt keine Antibiotikatherapie. Neben Infektionen kommen viele weitere Ursachen infrage. Die klinische Gesamtsituation ist entscheidend. Ein verantwortungsbewusster Antibiotikaeinsatz dämmt nicht nur Kosten und Resistenzbildung ein, sondern dient auch dem Klimaschutz.

Im klinischen Alltag wird bei einem hohen CRP-Wert sofort an eine Infektion gedacht und oft ein Antibiotikum verordnet. Doch nicht immer sind Infektionen die Ursache für die Erhöhung des C-reaktiven Proteins (CRP). Prof. Dr. med. Dipl.-Chem. Norma Jung (Köln) verdeutlichte das mit einer Kasuistik: „Ein 35-jähriger Patient stellte sich mit einer Augenentzündung vor. Er hatte akute Beschwerden, war aber klinisch stabil. Der CRP-Wert lag bei 70.“ Wegen des Verdachts einer infektiologischen Augenentzündung wurde mit Ciprofloxacin gestartet. Innerhalb von 72 Stunden stieg das CRP auf 110 mg/l, woraufhin auf Ceftazidim und Vancomycin umgestellt wurde. Die Augenentzündung persistierte, aber es traten Diarrhöen auf. Eine Koloskopie ergab die Diagnose Morbus Crohn. Die Antibiotika wurden abgesetzt und eine Immunsuppression begonnen. Augenentzündung und Diarrhöen besserten sich. „Hier sieht man, dass nicht immer eine Infektion Auslöser für den hohen CRP-Wert sein muss“, resümierte Jung. Tatsächlich gebe es weitere Ursachen, insbesondere könne er postoperativ in die Höhe schnellen. „Eine OP ist ein Trauma. Da ist es ganz physiologisch, dass das CRP steigt.“ Zudem nannte Jung Autoimmun- und vaskuläre Erkrankungen, Malignome, Nekrosen und Blutungen. „Wichtig ist, sich den Patienten anzuschauen, ob er stabil ist. Dann sollte man gucken, was vorher gewesen ist und erst danach die Gesamtsituation einschätzen. Der Nachweis erhöhter Entzündungswerte wie CRP oder Procalcitonin allein soll keine Indikation für eine Antibiotikatherapie sein.“

Zudem sprach sie sich für einen verantwortungs­vollen Antibiotikaeinsatz aus. Als Beispiel nannte sie eine Studie, in der der Nutzen einer CRP-Bestimmung bei Personen mit V. a. tiefe Atemwegsinfektion zur Reduktion von Antibiotikaverordnungen geprüft worden war [1]. Bei einer Gruppe wurde direkt das CRP bestimmt, bei der Kontrolle nicht. Zwar war bei der Point of Care Testing-CRP-Gruppe der Anti­biotikaeinsatz geringer (43 % [89/207] vs. 47,7 % [94/197]), aber nicht signifikant. „Wichtig ist, dass wir gezielte Diagnostik für die passende Person zur Optimierung des Managements machen“, so Jung.

Außerdem ging sie auf das aktuelle Verschreibungsverhalten bzgl. Antibiotika ein. Hierfür gebe es unterschiedliche Gründe, z. B. Zeitknappheit, Erfahrung, Sicherheitsdenken und die Erwartungshaltung der Patienten und Patientinnen. Abschließend erinnerte sie daran, dass bei Antibiotika nicht nur Resistenzen von Bedeutung sind, sondern auch der Klimaschutz. Eine Woche intravenöses Ciprofloxacin verursache einen 70-mal höheren CO2-Fußabdruck als die orale Gabe. „Wenn keine Kontraindikation besteht, sollte man daran denken, früh zu oralisieren.“

  1. Jung C et al., Clin Microbiol Infect 2024; 30(12): 1553–8

DGIM Online-Talk „Klug entscheiden – welche Laborwerte sind wirklich nötig?“, Juni 2026

Lesen Sie mehr und loggen Sie sich jetzt mit Ihrem DocCheck-Daten ein.
Der weitere Inhalt ist Fachkreisen vorbehalten. Bitte authentifizieren Sie sich mittels DocCheck.
- Anzeige -

Das könnte Sie auch interessieren

123-nicht-eingeloggt