Ältere Erwachsene können von der Impfung mit dem 20-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV20) deutlich profitieren. Das bestätigt eine retrospektive Kohortenstudie mit über 16 Millionen US-Amerikanerinnen und -Amerikanern ab 65 Jahren. Erstmals liegen damit umfangreiche Real-World-Daten zu PCV20 vor.
Die Krankheitslast durch Pneumokokken bleibt in Deutschland hoch: Die Zahl gemeldeter invasiver Pneumokokken-Erkrankungen (IPD) ist seit Einführung der Meldepflicht 2020 kontinuierlich gestiegen, von 5 856 Fällen 2023 auf 8 578 (+ 46 %) im Jahr 2024. Im Gegensatz dazu bleiben die Impfquoten niedrig. Nur rund 21 % der 60- bis 69-Jährigen sind gemäß Standardimpfempfehlung geimpft, bei Risikopatientinnen und -patienten mit Indikation sind es lediglich 24 %. Die Impfmüdigkeit sei „ein großes Problem in Deutschland, vor allem als Folge der Coronapandemie“, so Prof. Dr. med. Claus Vogelmeier (Marburg).
Für die Studie wurden Daten von über 16 Millionen Personen ab 65 Jahren aus der US-amerikanischen Versicherung Medicare ausgewertet [1]. Berücksichtigt wurden nur Patientinnen und Patienten ohne kürzlich zurückliegende Pneumokokken-Impfung, um die PCV20-Wirkung sauber von möglichen Resteffekten früherer Impfungen abzugrenzen.
Das Ergebnis: Geimpfte erkrankten deutlich seltener als Ungeimpfte. Am stärksten war der Effekt bei IPD (-25,6 %) und bei Pneumokokken-Pneumonien (-23,3 %). Auch bei Lungenentzündungen jeglicher Ursache (-15,2 %) und bei Infektionen der unteren Atemwege (-7,4 %) bestätigte sich ein klarer Vorteil.
Vulnerable Gruppen profitieren besonders
Die größten absoluten Risikoreduktionen traten bei den ältesten Studienteilnehmenden (> 85 Jahre) sowie bei immunsupprimierten Personen auf. Die Effektivität bei Pneumonien jeglicher Ursache lag zudem deutlich über den aus Beobachtungsstudien bekannten Werten des Vorgängerimpfstoffs PCV13 (5–11 %). Dies wird unter anderem auf die erweiterte Serotypenabdeckung sowie aktuelle Serotypenverschiebungen zurückgeführt, etwa den Anstieg von Streptococcus pneumoniae Serotyp 4, der auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt. Genau in dieser Situation sieht Vogelmeier die hausärztliche Praxis in der Schlüsselrolle: „Die Hausärztinnen und Hausärzte müssen das Thema ernster nehmen.“
Was bedeutet dies für die Praxis? PCV20 ist der einzige von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Pneumokokken-Impfstoff für Personen ab 2 Jahren. Er gilt als einmalige Standardimpfung für alle Erwachsenen ab 60 Jahren sowie als Indikationsimpfung für Risikopatientengruppen ab 2 Jahren. Die vorliegenden Real-World-Daten liefern erstmals Evidenz aus dem Versorgungsalltag, die die bisherige Datenbasis aus Zulassungsstudien ergänzt. Für die Grundimmunisierung von Säuglingen unter 2 Jahren empfiehlt die STIKO weiterhin eine Impfung mit PCV13 oder PCV15.
Fachpresseveranstaltung „Pneumokokken-Prävention mit PCV20“ (Veranstalter: Pfizer Pharma GmbH), Juni 2026