Eine internationale Phase-3-Studie unter maßgeblicher Beteiligung des Universitätsklinikums Bonn zeigt, dass eine einmal wöchentlich einzunehmende orale HIV-Therapie einer etablierten täglichen Standardbehandlung nicht unterlegen ist. Untersucht wurde eine einmal wöchentlich einzunehmende Kombinationstablette aus Islatravir und Lenacapavir bei Erwachsenen mit unter Therapie dauerhaft supprimierter HIV-1-Infektion.
An der doppelblinden ISLEND-1-Studie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht und auf der Internationalen AIDS-Konferenz in Rio de Janeiro vorgestellt wurde, nahmen 607 Erwachsene an 106 Studienzentren in 12 Ländern teil. Alle Teilnehmenden waren unter einer leitliniengerechten Ein-Tabletten-Therapie mit Bictegravir, Emtricitabin und Tenofoviralafenamid (B/F/TAF) seit mindestens sechs Monaten virologisch supprimiert. Sie wurden im Verhältnis 1:1 entweder auf die einmal wöchentliche Kombination aus Islatravir und Lenacapavir umgestellt oder führten die bisherige tägliche Therapie fort.
Nach 48 Wochen erwies sich die wöchentliche Therapie hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Virusunterdrückung als nicht unterlegen. 93,4 % der Teilnehmenden unter Islatravir/Lenacapavir und 92,4 % unter der täglichen Standardtherapie wiesen weiterhin eine HIV-RNA unter 50 Kopien/ml auf. Virologisches Versagen trat in der wöchentlichen Therapiegruppe nicht auf, in der Vergleichsgruppe bei einer Person. Auch Sicherheit und Verträglichkeit unterschieden sich zwischen beiden Behandlungsarmen nicht wesentlich.
Therapietreue im Versorgungsalltag
Die Studie adressiert ein bekanntes Problem der Langzeitbehandlung: Trotz hochwirksamer antiretroviraler Therapien empfinden viele Betroffene die lebenslange tägliche Tabletteneinnahme als belastend. Eine einmal wöchentliche orale Therapie könnte hier eine zusätzliche Option für Menschen darstellen, die eine weniger häufige Einnahme bevorzugen oder eine injizierbare Langzeittherapie nicht wünschen. Ob sich dadurch auch die Therapietreue im Versorgungsalltag verbessert, muss jedoch noch untersucht werden.
Die einmal wöchentlich einzunehmende Tablette kombiniert den Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Translokationshemmer Islatravir mit dem Kapsidhemmer Lenacapavir, deren pharmakologische Eigenschaften eine wöchentliche Dosierung ermöglichen. Die Studie wird bis Woche 96 fortgeführt, um langfristige Wirksamkeit und Sicherheit der neuen Behandlungsstrategie zu beurteilen. rb
Pressemitteilung: „HIV-Therapie: Nur eine Tablette pro Woche“. Universität Bonn - Medizinische Fakultät, 30.7.2026 (https://www.medfak.uni-bonn.de/de/fakultaet/nachrichten/hiv-therapie-nur-eine-tablette-pro-woche).
* Rockstroh JK et al.: Phase 3 Trial of Weekly Oral Islatravir-Lenacapavir for HIV-1 Treatment. N Engl J Med. 2026 Jul 29 (DOI 10.1056/NEJMoa2607973).