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Studien-Update

Studien-Update

Infektionen & Impfungen

Anton Müller

30.1.2026

Infektionsprophylaxe bei Fernreisen mit Kindern unzureichend +++ Malaria-Vorkommen in Europa steht und fällt mit Vektorkontrolle +++ Kennen Sie die RSV-Inzidenz bei Erwachsenen? +++ Mit Diphtherie rechnen +++ Defizite bei der Grippeimpfung

Infektionsprophylaxe bei Fernreisen mit Kindern unzureichend

Für eine aktuelle Studie wurden am Frankfurter Flughafen Interviews mit Familien geführt, die aus tropischen oder subtropischen Reisezielen zurückkehrten. Die Umfrage sammelte Daten zu Reiseprofilen, medizinischer Vorbereitung, Verhaltensweisen und reisebedingten Erkrankungen.

Insgesamt wurden 200 Familien mit 702 Personen in die Analyse einbezogen. Während 109 (55 %) Familien vor der Reise in einer Kinderarzt- oder Hausarztpraxis beraten worden waren, hatten nur 29 (15 %) einen Reisemediziner konsultiert. Die Kinder von 138 (69 %) Familien hatten keine Impfungen zur Vorbereitung auf ihre Reise erhalten. Von den 31 Familien mit Reisen in Hochrisiko-Malariagebiete hatten nur 19 (61 %) eine Chemoprophylaxe bei den Kindern vorgenommen. Notfallmedikamente hatten 17 Familien dabei, einige zusätzlich zur Chemoprophylaxe. Die Kinder von 51 (26 %) Familien hatten während der Reise gesundheitliche Probleme.

Fazit: Diese Studie deutet auf erhebliche Mängel bei der Vorbereitung von Kindern auf Reisen hin, insbesondere in Bezug auf Impfungen und Malariaprophylaxe. 

Remppis J et al., Travel Med Infect Dis 2025; 102946

Malaria-Vorkommen in Europa steht und fällt mit Vektorkontrolle

Seit den 1970er-Jahren gilt die Malaria in Europa durch eine Kombination aus Gesundheitsprogrammen, medikamentöser Therapie, Insektiziden und Umweltgestaltung offiziell als ausgerottet. Für ein Review evaluierte nun eine spanische Internistengruppe medizinische Artikel, um eine Beschreibung der aktuellen Epidemiologie in Europa zu liefern.

Demzufolge gibt es heutzutage eine hohe Zahl importierter Fälle. Dabei ist die autochthone Übertragung in Europa äußerst selten, vermutlich wegen des effizienten europäischen Gesundheitssytems. Es wird spekuliert, dass die derzeitigen sich ändernden klimatischen Bedingungen mit warmen Temperaturen die Vermehrung von Anopheles-Mücken und damit die Malariaübertragung in mehreren Gebieten Südeuropas begünstigen könnten. Darüber hinaus trägt wohl auch der anhaltende Zustrom von Geflüchteten sowie Migrantinnen und Migranten aus Endemiegebieten zur Entstehung eines ­Reservoirs infektiöser Parasiten bei.

Fazit: Obwohl das Infektionspotenzial in Europa derzeit gering ist, sind eine Stärkung des Krankheitsbewusstseins und eine effektive Vektorkon­trolle von größter Bedeutung. 

Marañés Antoñanzas I et al., Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2025; 44: 2597–607

Kennen Sie die RSV-Inzidenz bei Erwachsenen?

Die Inzidenzraten für Infektionen mit dem respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) werden in Deutschland aufgrund von Daten verschiedener Über­wachungssysteme berechnet.

Das Robert Koch-Institut dokumentiert RSV-Fälle bundesweit auf Grundlage der ­Meldepflicht. Weitere regionale Überwachungsmaßnahmen in 10 Bundesländern liefern Daten zur Infektionsdynamik. Die Dokumentation der Erkrankungen bei Kindern wird von der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie initiiert.

Die Auswertung aller verfügbaren Quellen und Daten unterstreicht die hohe klinische Belastung, insbesondere bei Säuglingen und älteren Erwachsenen während der Wintersaison. ­

Fazit: Die RSV-Überwachungssysteme unterstützen auf nationaler und regionaler Ebene die Verfolgung von Inzidenzraten und saisonalen Mustern. Bemerkenswert ist, dass die Datenerhebung im pädiatrischen Bereich gründlicher ist und einen umfassenderen Datensatz liefert als den für Erwachsene verfügbaren. Die Betrachtung der gemeldeten Inzidenzraten legt nahe, dass die offizielle Dokumentation von RSV-Fällen – besonders bei Erwachsenen – unzureichend ist. 

Bayer LJ et al., J Clin Med 2025; 14: 7487

Mit Diphtherie rechnen

Ein aus Polen nach Deutschland importierter Fall von respiratorischer Diphtherie ging tödlich aus, wie das Autorenteam einer aktuell publizierten Fallstudie berichtet. Es sieht einen möglichen Zusammenhang mit einem unentdeckten Diphtherie-Cluster in Polen.

Die Ärztegruppe des Konsiliarlabors für Diphtherie in Ober­schleißheim schreiben, dass es sich bei der Betroffenen um eine Frau handelt, die sich möglicherweise mit kutaner Diphtherie bei einem Obdachlosen in ihrer geografischen Region infizierte und nach Deutschland gereist war.

Die Labordiagnostik erfolgte mittels Massenspektrometrie, Polymerase-Kettenreaktion, Lateral-Flow-Test sowie eines modifizierten Elek-Tests. Der verursachende Stamm wurde als Cotrimoxazol-resistentes, toxigenes Corynebacterium diphtheriae vom Biotyp mitis, Sequenztyp ST574 identifiziert. Die Daten aus dem Next Generation Sequencing deuten auf eine gemeinsame Infektionsquelle in Polen und einen möglichen Zusammenhang mit dem europaweiten Ausbruch importierter Diphtherie seit 2022 hin.

Fazit: Diphtherie ist nicht zu unterschätzen, dessen sollte sich das Personal in medizinischen Einrichtungen besonders bewusst sein. 

Berger A et al., Infection 2025; 53: 2875–82

Defizite bei der Grippeimpfung

In einer retrospektiven Studie wurde der Zusammenhang zwischen Impfquote und Häufigkeit von Arztkontakten untersucht. Die saisonalen Impfquoten von Personen im Alter ab 60 Jahren, für die eine Grippeimpfung generell empfohlen wird, variierten demnach zwischen 34,8 % (2016–2017) und 47,0 % (2020 –2021). Bei chronisch Erkrankten und jenen, die an einer hausarztzentrierten Versorgung teilnahmen, lag die Impfquote höher. Die Quote stieg mit den Hausarztkontakten stetig an: in der Gruppe der über 60-Jährigen von 24,0 % bei nur einem Hausarztkontakt auf 52,7 % bei ≥ 5 Kontakten. Die meisten Unge­impften mit chronischen Krankheiten in dieser Altersgruppe hatten aber während des für die Impfung relevanten Zeitraums ≥ 5 Hausarztkontakte.

Fazit: Die Impfquoten bleiben für alle untersuchten Gruppen unter den Zielen. Ärzte und Ärztinnen sollten besonders bei chronisch Kranken den Impfstatus routinemäßig beurteilen und ansprechen. 

Gensorowsky D et al., Vaccine 2026; 70: 128038

Bildnachweis: Jobalou (iStockphoto)

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