Das San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2025 (9.– 12. Dezember 2025) präsentierte erneut klinisch praxisrelevante Daten zu endokrinen Strategien, zielgerichteten Therapien und Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten beim Mammakarzinom. Nachfolgend Kernbeiträge mit besonderer therapeutischer Relevanz.
lidERA Breast Cancer – adjuvantes Giredestrant vs. Standard-ET
Die globale, randomisierte Phase-III-Studie lidERA Breast Cancer untersuchte erstmals prospektiv einen oralen selektiven Estrogenrezeptor-Degrader (SERD) als adjuvante Standardtherapie. Eingeschlossen waren Patientinnen mit frühem ER-positivem, HER2-negativem Mammakarzinom (Stadium I–III), die nach Operation und ggf. adjuvanter Chemotherapie für 5 Jahre entweder Giredestrant (30 mg einmal täglich) oder eine Standard-Endokrintherapie (ET) (Tamoxifen oder Aromatasehemmer) erhielten.
Primärer Endpunkt war das invasive krankheitsfreie Überleben (iDFS). Nach einem medianen Follow-up von 32,3 Monaten zeigte sich eine signifikante Reduktion des Rezidivrisikos unter Giredestrant (Hazard Ratio [HR] 0,70; p = 0,0014). Die 3-Jahres-iDFS-Rate betrug 92,4 % unter Giredestrant versus 89,6 % unter Standard-ET. Typische endokrine Nebenwirkungen wie Arthralgie, Hitzewallungen und Fatigue dominierten, ohne relevante neue Sicherheitssignale. Die Therapieabbruchrate war numerisch niedriger als unter Standard-ET (5,3 % vs. 8,2 %). lidERA ist die erste Phase-III-Studie, die für einen oralen SERD einen signifikanten Vorteil gegenüber der etablierten adjuvanten Endokrintherapie zeigt. Damit eröffnet sich perspektivisch eine neue Option für die adjuvante Standardtherapie bei ER+/HER2− frühem Brustkrebs [1].
HER2CLIMB-05 – Erhaltungstherapie mit Tucatinib
HER2CLIMB-05 adressiert ein bislang therapeutisch wenig standardisiertes Setting: die Erhaltungstherapie nach erfolgreicher Induktion bei HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs. Nach initialer Chemotherapie in Kombination mit Trastuzumab und Pertuzumab wurden Patientinnen ohne Progression 1 : 1 auf Tucatinib oder Placebo zusätzlich zur dualen HER2-Blockade randomisiert.
Tucatinib ist ein hochselektiver, oral verfügbarer Tyrosinkinase-Inhibitor mit ausgeprägter Aktivität gegen HER2, einschließlich intrakranieller Metastasen. Der primäre Endpunkt progressionsfreies Überleben (PFS) wurde signifikant verlängert. Der PFS-Vorteil war sowohl bei Patientinnen mit als auch ohne Hirnmetastasen konsistent. Das Sicherheitsprofil entsprach den bekannten Klasseneffekten (Diarrhö, Transaminasenanstieg), blieb jedoch insgesamt gut kontrollierbar.HER2CLIMB-05 unterstützt das Konzept einer frühen, kontinuierlichen HER2-Signalblockade jenseits der Induktionsphase [2].
ASCENT-07 – Sacituzumab Govitecan nach endokriner Therapie
ASCENT-07 untersuchte den Einsatz des ADC Sacituzumab Govitecan als erste systemische Therapie nach endokriner Vorbehandlung bei HR+/HER2− metastasiertem Brustkrebs. Sacituzumab Govitecan richtet sich gegen das Oberflächenantigen TROP-2 und ist mit dem Topoisomerase-I-Inhibitor SN-38 konjugiert. Die Studie verglich Sacituzumab Govitecan mit einer Chemotherapie nach Wahl des Prüfarztes bzw. der -ärztin. Der primäre Endpunkt PFS wurde signifikant verlängert, begleitet von einer höheren objektiven Ansprechrate und einer längeren Ansprechdauer. ASCENT-07 verschiebt den Einsatz von ADCs in frühere Therapielinien und stellt die klassische Sequenz „ET Targeted Therapy Chemotherapie“ infrage. ADCs entwickeln sich zunehmend zu einer eigenständigen therapeutischen Säule [3].
SERENA-6 – ctDNA-gesteuerter Wechsel auf Camizestrant
SERENA-6 ist eine paradigmatische Präzisionsstudie, die einen molekular gesteuerten Therapiewechsel vor radiologischer Progression untersuchte. Patientinnen mit HR+/HER2− fortgeschrittenem Brustkrebs unter Aromatasehemmer + CDK4/6-Inhibitor wurden seriell mittels zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) auf das Auftreten von ESR1-Mutationen überwacht.
Bei Nachweis einer ESR1-Mutation ohne klinische Progression erfolgte Randomisierung auf Camizestrant (oraler SERD) plus fortgeführter CDK4/6-Inhibitor versus Fortführung des Aromatasehemmers. Das PFS wurde signifikant verlängert (median 16,6 vs. 9,2 Monate; HR 0,46; p < 0,00001). Zudem zeigte sich eine rasche und nahezu vollständige Suppression der ESR1-Mutationslast unter Camizestrant. SERENA-6 definiert nach Meinung der Autorengruppe einen neuen therapeutischen Standard im Sinne einer „molecular interception“ – also eines präemptiven Therapiewechsels auf Basis molekularer Progressionsmarker [4].
EPIK-B5 – Alpelisib + Fulvestrant nach CDK4/6i
EPIK-B5 untersuchte bei Patientinnen mit PIK3CA-mutiertem HR+/HER2− fortgeschrittenem Brustkrebs nach Progress unter CDK4/6-Inhibitor + Aromatasehemmer die Kombination aus Alpelisib (PI3Kα-Inhibitor) und Fulvestrant versus Placebo + Fulvestrant. Das mediane PFS wurde signifikant verlängert (7,4 vs. 2,8 Monate; HR 0,52; p < 0,0001). Darüber hinaus zeigte sich ein OS-Signal zugunsten von Alpelisib (29,5 vs. 23,8 Monate). Das Sicherheitsprofil entsprach den bekannten Klasseneffekten mit Hyperglykämie, Rash und Diarrhö, was ein strukturiertes metabolisches Management erforderlich macht. EPIK-B5 bestätigt die PI3K-Inhibition als wirksame, Biomarker-selektierte Therapieoption nach CDK4/6-Versagen [5].
AMBRE – Abemaciclib + endokrine Therapie vs. Chemotherapie
Die Phase-III-Studie AMBRE adressierte eine klinisch besonders anspruchsvolle Subgruppe: Patientinnen mit HR+/HER2− metastasiertem Brustkrebs und hoher viszeraler Tumorlast. Randomisiert wurde auf Abemaciclib (CDK4/6-Inhibitor) plus endokrine Therapie versus Chemotherapie (Paclitaxel oder Capecitabin).
Der primäre Endpunkt PFS wurde signifikant verlängert (13,9 vs. 7,0 Monate; HR 0,67; p = 0,035). Die objektiven Ansprechraten waren vergleichbar, jedoch war die Dauer des Ansprechens unter Abemaciclib länger. AMBRE liefert damit erstmals prospektive Evidenz, dass eine Abemaciclib-basierte Kombination selbst bei hoher viszeraler Tumorlast eine wirksame Alternative zur Chemotherapie darstellt [6].