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Gynäkologie

Mammakarzinom

Highlights vom San Antonio Breast Cancer Symposium 2025

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

13.3.2026

Das San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2025 (9.– 12. Dezember 2025) präsentierte erneut klinisch praxisrelevante Daten zu endokrinen Strategien, zielgerichteten Therapien und Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten beim Mammakarzinom. Nachfolgend Kernbeiträge mit besonderer therapeutischer Relevanz.

lidERA Breast Cancer – adjuvantes Giredestrant vs. Standard-ET

Die globale, randomisierte Phase-III-Studie lidERA Breast Cancer untersuchte erstmals prospektiv einen oralen selektiven Estrogenrezeptor-Degrader (SERD) als adjuvante Standardtherapie. Eingeschlossen waren Patientinnen mit frühem ER-positivem, HER2-negativem Mammakarzinom (Stadium I–III), die nach Operation und ggf. adjuvanter Chemotherapie für 5 Jahre entweder Giredestrant (30 mg einmal täglich) oder eine Standard-Endokrintherapie (ET) (Tamoxifen oder Aromatasehemmer) erhielten.

Primärer Endpunkt war das invasive krankheitsfreie Überleben (iDFS). Nach einem medianen Follow-up von 32,3 Monaten zeigte sich eine signifikante Reduktion des Rezidivrisikos unter Giredestrant (Hazard Ratio [HR] 0,70; p = 0,0014). Die 3-Jahres-iDFS-Rate betrug 92,4 % unter Giredestrant versus 89,6 % unter Standard-ET. Typische endokrine Nebenwirkungen wie Arthralgie, Hitzewallungen und Fatigue dominierten, ohne relevante neue Sicherheitssignale. Die Therapieabbruchrate war numerisch niedriger als unter Standard-ET (5,3 % vs. 8,2 %). lidERA ist die erste Phase-III-Studie, die für einen oralen SERD einen signifikanten Vorteil gegenüber der etablierten adjuvanten Endokrintherapie zeigt. Damit eröffnet sich perspektivisch eine neue Option für die adjuvante Standardtherapie bei ER+/HER2− frühem Brustkrebs [1].

HER2CLIMB-05 – Erhaltungstherapie mit Tucatinib

HER2CLIMB-05 adressiert ein bislang therapeutisch wenig standardisiertes Setting: die Erhaltungstherapie nach erfolgreicher Induktion bei HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs. Nach initialer Chemotherapie in Kombination mit Trastuzumab und Pertuzumab wurden Patientinnen ohne Progression 1 : 1 auf Tucatinib oder Placebo zusätzlich zur dualen HER2-Blockade randomisiert.

Tucatinib ist ein hochselektiver, oral verfügbarer Tyrosinkinase-Inhibitor mit ausgeprägter Aktivität gegen HER2, einschließlich intrakranieller Metastasen. Der primäre Endpunkt progressionsfreies Überleben (PFS) wurde signifikant verlängert. Der PFS-Vorteil war sowohl bei Patientinnen mit als auch ohne Hirnmetastasen konsistent. Das Sicherheitsprofil entsprach den bekannten Klasseneffekten (Diarrhö, Transaminasenanstieg), blieb jedoch insgesamt gut kontrollierbar.HER2CLIMB-05 unterstützt das Konzept einer frühen, kontinuierlichen HER2-Signalblockade jenseits der Induktionsphase [2].

ASCENT-07 – Sacituzumab Govitecan nach endokriner Therapie

ASCENT-07 untersuchte den Einsatz des ADC Sacituzumab Govitecan als erste systemische Therapie nach endokriner Vorbehandlung bei HR+/HER2− metastasiertem Brustkrebs. Sacituzumab Govitecan richtet sich gegen das Oberflächenantigen TROP-2 und ist mit dem Topoisomerase-I-Inhibitor SN-38 konjugiert. Die Studie verglich Sacituzumab Govitecan mit einer Chemotherapie nach Wahl des Prüfarztes bzw. der -ärztin. Der primäre Endpunkt PFS wurde signifikant verlängert, begleitet von einer höheren objektiven Ansprechrate und einer längeren Ansprechdauer. ASCENT-07 verschiebt den Einsatz von ADCs in frühere Therapielinien und stellt die klassische Sequenz „ET Targeted Therapy Chemotherapie“ infrage. ADCs entwickeln sich zunehmend zu einer eigenständigen therapeutischen Säule [3].

SERENA-6 – ctDNA-gesteuerter Wechsel auf Camizestrant

SERENA-6 ist eine paradigmatische Präzisionsstudie, die einen molekular gesteuerten Therapiewechsel vor radiologischer Progression untersuchte. Patientinnen mit HR+/HER2− fortgeschrittenem Brustkrebs unter Aromatasehemmer + CDK4/6-Inhibitor wurden seriell mittels zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) auf das Auftreten von ESR1-Mutationen überwacht.

Bei Nachweis einer ESR1-Mutation ohne klinische Progression erfolgte Randomisierung auf Camize­strant (oraler SERD) plus fortgeführter CDK4/6-Inhibitor versus Fortführung des Aromatasehemmers. Das PFS wurde signifikant verlängert (median 16,6 vs. 9,2 Monate; HR 0,46; p < 0,00001). Zudem zeigte sich eine rasche und nahezu vollständige Suppression der ESR1-Mutationslast unter Camizestrant. SERENA-6 definiert nach Meinung der Autorengruppe einen neuen therapeutischen Standard im Sinne einer „molecular interception“ – also eines präemptiven Therapiewechsels auf Basis molekularer Progressionsmarker [4].

EPIK-B5 – Alpelisib + Fulvestrant nach CDK4/6i

EPIK-B5 untersuchte bei Patientinnen mit PIK3CA-mutiertem HR+/HER2− fortgeschrittenem Brustkrebs nach Progress unter CDK4/6-Inhibitor + Aromatasehemmer die Kombination aus Alpelisib (PI3Kα-Inhibitor) und Fulvestrant versus Placebo + Fulve­strant. Das mediane PFS wurde signifikant verlängert (7,4 vs. 2,8 Monate; HR 0,52; p < 0,0001). Darüber hinaus zeigte sich ein OS-Signal zugunsten von Alpelisib (29,5 vs. 23,8 Monate). Das Sicherheitsprofil entsprach den bekannten Klasseneffekten mit Hyperglykämie, Rash und Diarrhö, was ein strukturiertes metabolisches Management erforderlich macht. EPIK-B5 bestätigt die PI3K-Inhibition als wirksame, Biomarker-selektierte Therapieoption nach CDK4/6-Versagen [5].

AMBRE – Abemaciclib + endokrine Therapie vs. Chemotherapie

Die Phase-III-Studie AMBRE adressierte eine klinisch besonders anspruchsvolle Subgruppe: Patientinnen mit HR+/HER2− metastasiertem Brustkrebs und hoher viszeraler Tumorlast. Randomisiert wurde auf Abemaciclib (CDK4/6-Inhibitor) plus endokrine Therapie versus Chemotherapie (Paclitaxel oder Capecitabin).

Der primäre Endpunkt PFS wurde signifikant verlängert (13,9 vs. 7,0 Monate; HR 0,67; p = 0,035). Die objektiven Ansprechraten waren vergleichbar, jedoch war die Dauer des Ansprechens unter Abemaciclib länger. AMBRE liefert damit erstmals prospektive Evidenz, dass eine Abemaciclib-basierte Kombination selbst bei hoher viszeraler Tumorlast eine wirksame Alternative zur Chemotherapie darstellt [6].

  1. Bardia A et al., SABCS 2025; GS1-10
  2. Hamilton E et al., SABCS 2025; GS1-01
  3. Jhaveri KL et al., SABCS 2025; GS1-09
  4. Bidard FC et al., SABCS 2025; RF7-03
  5. De Laurentiis M et al., SABCS 2025; RF7-02
  6. Dieras V et al., SABCS 2025; RF7-06
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