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Fokus Naturmedizin

Beratung bei verschiedenen Ernährungsformen

Fleischlose Ernährung: Aspekte für die Frauenarztpraxis

Dr. rer. nat Reinhard Merz

1.11.2021

Zu viel Fleisch essen kann zu gesundheitlichen Problemen führen, ganz auf tierische Produkte zu verzichten aber auch. Frauenärzte sollten darauf eingestellt sein, Fragen bezüglich einer veganen Ernährung – v. a. in Schwangerschaft und Stillzeit – zu beantworten.

Über die Frage, wie viel und was man am besten isst, streiten sich nicht nur militante Veganer und ignorante Dauergriller. Auch die Wissenschaft tat sich lange schwer, die Zusammenhänge von Ernährung und Krankheitshäufigkeit aufzudecken. In Deutschland leben derzeit nach Angaben des statistischen Bundes­amts zwischen 6,5 % vegetarisch und 1,1 % vegan [1]. Die unterschiedlichen Ausprägungen sind in der Tabelle zusammengefasst.

Für viele Menschen hat der ökologische Aspekt eine hohe Bedeutung. So werden in den Entwicklungsländern wertvolle Regenwaldflächen gerodet, um als Weidefläche für Tiere oder Anbaufläche für Futter zu dienen. Auch in Deutschland werden große Anbauflächen zur Herstellung von Tierfutter benötigt. Und weltweit ist die Fleischproduktion flächenintensiver und produziert mehr CO2-Gas als Gemüseanbau.

Wichtige Nahrungsbestandteile

Darüber hinaus gibt es natürlich auch gesundheitliche Gründe, warum sich Menschen für ein Leben ohne Fleisch entscheiden. Studien legen nahe, dass Vegetarier weniger häufig an einigen Krebsarten erkranken sowie seltener unter Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkankungen und Diabetes leiden. Unklar bleibt allerdings, ob es auch daran liegen könnte, dass Vegetarier generell weniger rauchen, weniger Alkohol trinken und mehr Sport treiben, also insgesamt bewusster und gesünder leben.

Fleisch ist nach heutigem Stand der Wissenschaft für eine ausgewogene Ernährung tatsächlich kein notwendiger Bestandteil. Im Gegenteil, Ovo-Lakto-Vegetarier (Tab.) erreichen die allgemeinen Ernährungsempfehlungen der DGE besser als Menschen mit der „deutschen Durchschnittskost“. Vegetarier sollten allerdings darauf achten, dass sie ausreichend Vitamin B2, B12, Vitamin D, Eisen, Calcium, Jod, Zink und Eiweiß zu sich nehmen. Vegetarisches oder veganes Kochen ist dank moderner und einfacher Kochbücher keine Kunst und in vielen Großstädten auch ein Gastronomie-Trend.

Essen ohne Fleisch muss aber nicht automatisch gesund sein, denn auch als Vegetarier kann man seine Nahrung falsch zusammenstellen. Daher stammt der Begriff „Pudding-Vegetarier“: Diese Gruppe ernährt sich durch eine ungünstige Auswahl und Zubereitung von stark verarbeiteten Produkten mit hoher Energiedichte, aber wenig Vitaminen, Ballaststoffen und Mineralstoffen. Bei einer solchen Ernährung können tatsächlich Mangelerscheinungen auftreten. Vegetarisch, vegan oder nicht muss aber kein Weltanschauungskonflikt sein. Es gibt zunehmend mehr „Flexitarier“ – also Menschen, die bewusst sehr wenig, dafür hochwertiges und in artgerechter Haltung erzeugtes Fleisch essen.

Ernährung bei Kinderwunsch

Spätestens drei Monate vor der Konzeption sollte die Ernährung überdacht und optimiert werden. Die Ernährung sollte pflanzenbetont sein, mit einem hohen Anteil an komplexen Kohlenhydraten (Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst), bevorzugt aus regionalem und ökologischem Anbau [2]. Fast Food, Softgetränke und Nahrungsmittel aus Industriezucker sollten gemieden werden. Fleisch, ein- bis zweimal in der Woche und höchstens einmal in der Woche Fisch. In Anbetracht der starken Belastung mit Umweltgiften kann auf Fisch auch verzichtet werden, allerdings sollten dann die wichtigen Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzung eingenommen werden. Der Verzehr von Kuhmilchprodukten sollte reduziert werden, da die Intensivtierhaltung zu erhöhten Hormonkonzentrationen in der Milch geführt hat [2].

Orthomolekulare Therapie

Selbst bei optimalen Ernährungsbedingungen kann der Bedarf an Nährstoffen und Antioxidantien nicht immer gedeckt werden. In den vergangenen fünf Jahren erfreut sich in der Reproduktionsmedizin daher die orthomolekulare Therapie zunehmender Beliebtheit. Um die Frage nach einer Supplementierung seriös zu beantworten, muss man wissen, was die Schwangere tatsächlich isst. Statistisch können dazu Daten von Frauen im reproduktionsfähigen Alter aus den Verzehrstudien herangezogen werden [3,4]. Daraus geht hervor, dass Folsäure, Vitamin D, Eisen und Jod durch die Ernährung bei vielen jungen Frauen ungenügend aufgenommen werden.

Frauen in der Schwangerschaft kann auf dieser Basis allgemein die Einnahme von Folsäure, Vitamin D, Eisen, Jod und DHA empfohlen werden. Diese Mikro­nährstoffe werden mit der normalen Nahrung meist nicht in ausreichender Menge aufgenommen. Bei veganer Ernährung sollte neben den oben erwähnten Mikronährstoffen insbesondere auf die Supplementation von Vitamin B12 und Zink geachtet werden [5]. Bei Patientinnen mit PCO (polyzystisches Ovar) ist das Risiko der Überstimulation sehr hoch und die Qualität der Oozyten lässt oft zu wünschen übrig. Bei niedrigen Vita­min-D-Spiegeln verbessern sich zahlreiche Stoffwechsel- und Fertilitätsparameter durch eine zweimonatige Aufdosierung mit 50 000 IE Vitamin D pro Woche [2].

1 de.statista.com/infografik/24000/anzahl-der-vegetarier-und-veganer-in-deutschland/
2 Gerhard I, Privatarzt Gynäkol 2019; 10(1): 30–31
3 Österreichischer Ernährungsbericht 2017, Wien
4 de Mestral C et al., PLoS ONE 2017; 12: e174578
5 Merz R, Privatarzt Gynäkol 2020; 11(1): 20–21

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