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Fokus Naturmedizin

Risikofaktoren für Herz und Kreislauf

Interdisziplinäre Therapie notwendig

Dr. phil. nat. Miriam Neuenfeldt

29.7.2021

Die Komponenten des metabolischen Syndroms (z. B. Adipositas) sind allesamt Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da sie inflammatorische Prozesse induzieren. In Prävention und Therapie der einzelnen Faktoren kommen naturheilkundlichen und integrativen Maßnahmen eine zunehmende Bedeutung zu.

Da das metabolische Syndrom ein breites Spektrum an Komplikationen nach sich ziehen kann, sollte die Therapie interdisziplinär erfolgen. Es erfordert die Kombination der Änderung des Lebensstils mit einer medikamentösen Behandlung, um das kardiovaskuläre Risiko zu senken. Die wahrscheinlich bedeutendste Intervention ist Bewegung, denn sie kann zur Reduktion des Körpergewichtes führen und gleichzeitig den Cholesterinspiegel, Blutdruck und Blutzucker senken. Bei einigen Patienten ist eine Multimedikation erforderlich. Dies birgt Interaktionspotenzial sowie Komplikationen hinsichtlich der Adhärenz. Daher besteht wachsendes Interesse an naturheilkundlichen Methoden zur Prävention und Therapie des metabolischen Syndroms und seiner einzelnen Komponenten.

Kombination mit natürlichen Verfahren

Im komplementären Therapieansatz kann die medikamentöse Therapie mit naturheilkundlichen Methoden unterstützt werden. Wird die konventionelle Therapie im Verbund mit komplementären Behandlungsmaßnahmen eingesetzt und dabei eine konzeptionelle Verbindung der beiden Heilansätze im Interesse des Patienten angestrebt, handelt es sich um einen integrativen Therapieansatz. Zur Vorbeugung und ergänzenden Behandlung des metabolischen Syndroms können verschiedene Verfahren der Naturheilkunde eingesetzt und miteinander kombiniert werden. Geeignet sind z. B. die mikrobiologische Therapie, Fasten, eine Ernährungstherapie, orthomolekulare Medizin, Phytotherapie, Schüßler-Salze, Homöopathie, Mind-Body-Medizin, Akupunktur oder physikalische Therapien wie Hydrotherapie, Bewegungstherapie, Massage, Balneotherapie (Behandlung mit Heilbädern) oder Reflexzonentherapie.


Mikrobiologische Therapie

Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms beeinflusst nachweislich das Körpergewicht, Fettgewebe und entzündliche Prozesse. Daher können lebensfähige Mikroorganismen (Probiotika) zur Prävention und Therapie des metabolischen Syndroms beitragen. Klinische Studien zeigen, dass insbesondere Lactobacillus plantarum in der Lage ist, den Cholesterinspiegel zu senken. Aufgrund dieser beobachteten positiven Effekte sind verschiedene diätische Lebensmittel mit patentierten Milchsäurebakterien zur natürlichen Senkung erhöhter Cholesterinspiegel verfügbar. Unverdauliche Ballaststoffe (Präbiotika) können das Überleben und die Ansiedlung der Probiotika fördern. Zudem können bestimmte Ballaststoffe aus Hafer und Gerste – die Beta-Glucane – die Triglycerid- und LDL-Cholesterinspiegel senken und finden daher in der aktuellen Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) und European Atherosclerosis Society (EAS) zur Behandlung von Dyslipidämien Erwähnung.


Fasten

In einer Pilotstudie zu Diabetes-Typ-2-Patienten, die mit hypoglykämischen Wirkstoffen und/oder Insulin behandelt und eine Ernährungsberatung erhielten, wurde der Effekt einer einwöchigen Fastenkur untersucht. Probanden, die nach der Methode von Buchinger fasteten (eine Woche 300 kcal/Tag in Form von Flüssigkeiten und anschließend langsames Gewöhnen an feste Nahrung) wiesen nach vier Monaten eine stärkere Gewichtsreduktion und einen geringeren Taillenumfang im Vergleich zur Kontrollgruppe auf. Das Fasten führte zudem zu einer signifikanten Blutdrucksenkung und verbesserte die Lebensqualität. Auch zum Intervallfasten gibt es positive Studienergebnisse beim metabolischen Syndrom: Nach acht Wochen konnten Körpergewicht, Taillenumfang, systolischer Blutdruck und Nüchternplasmaglucose signifikant reduziert werden.


Ernährungstherapie

Die Änderung des Lebensstils ist die Grundlage der Therapie des metabolischen Syndroms. Dazu gehört zusätzlich zur gesteigerten körperlichen Aktivität die Gewichtsreduktion. Dies ist durch eine Reduktion der Kalorienzufuhr und Ernährungsumstellung möglich. Der Konsum von tierischem Eiweiß, Natrium und Einfachzuckern sollte verringert werden. Es sollten Vollkornprodukte, Fisch sowie hochwertige Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren bevorzugt und die Ernährung langsam und nachhaltig umgestellt werden.


Orthomolekulare Medizin

Zwar ist die Ernährung von Patienten mit metabolischem Syndrom sehr kalorienreich, doch fehlt es oft an wichtigen Vitaminen. Am häufigsten mangelt es an den Vitaminen D, E, B sowie an Carotinoiden. Im Umkehrschluss ist das metabolische Syndrom häufiger bei Menschen mit solchen Defiziten zu beobachten. So sind geringe 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel im Serum mit einem erhöhten Risiko für das metabolische Syndrom assoziiert. Darüber hinaus steigert sich der Mikronährstoffbedarf durch bestimmte Medikamente, z. B. erhöht Metformin den Bedarf an Vitamin B12, Protonenpumpenhemmer verbrauchen Vitamin B12 und D3, Statine erfordern mehr Coenzym Q10 sowie Selen und Thiazide oder Schleifendiuretika erhöhen den Bedarf an Magnesium, Kalium, Zink, Vitamin B1 und Folsäure. Sowohl bei Diabetes mellitus als auch beim metabolischen Syndrom wird die Substitution der folgenden Mikronährstoffe empfohlen:

• Vitamine: Vitamin C, E, beta-Carotin, D3, Folsäure, B12, B3, Biotin, B-Komplex

• Vitaminoide: Coenzym Q10, alpha-Liponsäure, L-Carnitin

• Mineralstoffe: Magnesium, Zink, Chrom, Kupfer, Mangan, Selen

• Omega-3-Fettsäuren

• Aminosäuren: Taurin, L-Lysin, L-Arginin

• Polyphenole: Bioflavonoide, OPC


Phytotherapie

Verschiedene Pflanzeninhaltsstoffe sind für die unterstützende Therapie einzelner Faktoren des metabolischen Syndroms von Interesse. Dazu gehören u. a. Monacolin K (aus Rotem Reis), Curcumin, Berberin, Capsicum Oleoresin (aus Chiliextrakt), Naringenin (aus Grapefruit), Emodin (aus Rhabarber, Sanddorn oder japanischem Knöterich), Resveratrol, Quercetin, Steviosid (aus Stevia) oder Silybin (aus Mariendistel). Dabei beeinflussen sie auf unterschiedliche Art und Weise den Stoffwechsel (Abb., Tab.).


Akupunktur

Akupunktur scheint die Effekte der medikamentösen Therapie zu verstärken, denn nach der Behandlung zeigten sich signifikant stärkere Verbesserungen hinsichtlich BMI, Triglyceriden, Gesamt-, LDL- sowie HDL-Cholesterin, Blutzucker und Insulinresistenz im Vergleich zu Patienten, die eine Pharmakotherapie ohne begleitende Akupunktur erhielten.

Mind-Body-Medizin

Die Mind-Body-Medizin nutzt Entspannungsverfahren, die Körper und Seele ansprechen. Dazu zählen u. a. Meditation, autogenes Training, Hypnose, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Atemtherapie und spezielle Bewegungsformen wie Tai Chi, Qigong oder Yoga.


Studien zeigen den potenziellen klinischen Nutzen der Mind-Body-Medizin beim metabolischen Syndrom. So wurde z. B. beobachtet, dass Hypertonie, Hyperlipidämie, BMI und Insulinsensitivität durch Yoga verbessert werden können. Auch für Tai Chi gibt es zunehmend Evidenz hinsichtlich der Verbesserung der glykämischen Kontrolle bei Diabetes-patienten. Qigong kann den Blutdruck senken, die Insulinresistenz, Glucoseintoleranz, den oxidativen Stress und andere kardiovaskuläre Risikofaktoren reduzieren. Randomisiert kontrollierte Studien zeigen für Meditation einen blutdrucksenkenden Effekt, der mit Antihypertensiva vergleichbar ist. In einer systematischen Übersichtsarbeit der American Heart Association (AHA) wurden die Effekte von Meditation auf das kardiovaskuläre Risiko untersucht. Die Studien weisen auf einen positiven Effekt hin, wenngleich in einigen Fällen die Quantität der Studiendaten gering ist. Aufgrund der geringen Kosten und geringen Risiken dieser Intervention kann Meditation gemäß AHA begleitend zu leitliniengerechter Reduktion des kardiovaskulären Risikos empfohlen werden.

Fazit

Die Kooperation von konventioneller Medizin und Naturheilkunde kann die Therapieerfolge beim metabolischen Syndrom verbessern und langfristig zur Reduktion von Medikamenten führen. Daher wird der Stellenwert der naturheilkundlichen Maßnahmen beim metabolischen Syndrom weiter zunehmen. Umso bedeutender ist es, die Studienlage diesbezüglich weiter auszubauen.

Die Autorin

Dr. phil. nat. Miriam Neuenfeldt
Wissenschaftliche
Autorin & Referentin
18439 Stralsund

info@phar-med.de
www.phar-med.de

Bildnachweis: privat

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