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Echte Innovation

Echte Innovation

Topischer JAK-Inhibitor für die Therapie der mittelschweren AD

21.8.2026

Die Einführung von Opzelura® markiert einen Paradigmenwechsel in der Therapie der atopischen Dermatitis (AD). Die Hemmung des JAK-STAT-Signalwegs könnte eine wirksame Option darstellen, um bei Erkrankten mit mittelschwerer AD den Übergang zur systemischen Therapie hinauszuzögern oder zu verhindern.

In Deutschland erkranken schätzungsweise 1,3 Mio. Kinder und 1,2 Mio. Erwachsene jährlich an der atopischen Dermatitis [1]. Die Krankheitslast ist enorm und geht weit über die dermatologischen Symptome hinaus. Sie umfasst signifikante Einschränkungen der Lebensqualität, Schlafstörungen, psychische Komorbiditäten wie Depressionen und Angststörungen sowie soziale und berufliche Beeinträchtigungen [1,2].

Die Schweregrad-Einteilung ist methodisch nicht trivial. Je nach verwendetem Bewertungsinstrument werden unterschiedliche Schwellenwerte für „leicht“, „mittelschwer“ und „schwer“ herangezogen. Instrumente wie EASI oder SCORAD erfassen vorrangig objektivierbare Hautbefunde, unterscheiden sich jedoch in Aufbau, Gewichtung und Praktikabilität [3].

Während die ärztliche Bewertung häufig sichtbare Entzündungszeichen, Ausdehnung und Läsionsmorphologie fokussiert, erleben Patientinnen und Patienten insbesondere Pruritus, Schlafstörungen, psychosoziale Belastung und Einschränkungen der Lebensqualität als zentrale Krankheitsdimensionen. Dadurch kann eine formal mittelschwere AD aus Patientensicht bereits eine erhebliche Belastung darstellen [4,5].

Leitliniengerechte Behandlung

Die Behandlung der AD basiert auf einem Stufenplan, der bei leichten bis mittelschweren Formen mit einer Basistherapie (Emollienzien) und topischen entzündungshemmenden Therapien beginnt. Die etablierten Standardtherapien umfassen topische Glukokortikoide (TCS) und topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI) wie Tacrolimus und Pimecrolimus. Bei mittelschweren bis schweren Verläufen oder bei Versagen der Topika schließt sich die systemische Therapie an, die traditionell aus konventionellen Immunsuppressiva bestand. In den vergangenen Jahren haben sich zudem Biologika (z. B. Dupilumab, Tralokinumab) und orale kleine Moleküle – Janus-Kinase-Inhibitoren (JAKi) – als effektive Optionen etabliert [1,6].

Trotz dieser therapeutischen Fortschritte blieb eine signifikante Lücke bestehen. Etwa ein Drittel der AD-Patientinnen und -Patienten fällt in die Kategorie mittelschwere atopische Dermatitis (mAD) [4,5,7]. Diese Gruppe liegt zwischen rein topischer Basis- bzw. antientzündlicher Therapie und systemischen Behandlungsstrategien. Diese Zwischenstellung ist unter Versorgungsaspekten problematisch. Viele Betroffene verbleiben zu lange auf unzureichend wirksamen topischen Therapien [8]. Gleichzeitig ist eine Eskalation auf Systemtherapeutika nicht bei allen Erkrankten mit mAD zwingend erforderlich oder wünschenswert. Für die mAD besteht somit ein besonderer Bedarf an Behandlungsstrategien, die die Lücke zwischen topischer und systemischer Therapie schließen.

Erweiterung der topischen Behandlungsmöglichkeiten durch Opzelura®

In diesem Kontext rückt Opzelura® (Ruxolitinib 1,5 % Creme) als eine echte Innovation in den Fokus – der erste topische JAKi, der für die Behandlung der mittelschweren atopischen Dermatitis zugelassen ist. Opzelura® vereint die Wirksamkeit eines JAKi mit der gezielten Applikation einer Creme.

Im Zentrum der Immunpathogenese der AD steht eine Typ-2-dominierte Entzündungsreaktion [9]. Der JAK-STAT-Signalweg ist der intrazelluläre Mechanismus, über den diese Zytokine ihre Wirkung entfalten. Die Rezeptoren für Interleukin(IL)-4, IL-13, IL-31 und andere Th2-Zytokine sind mit Janus-Kinasen (JAK) assoziiert. Die phosphorylierten STATs aktivieren die Transkription von Genen, die für die Entzündung, die IgE-Produktion, die Eosinophilie und die Juckreizvermittlung verantwortlich sind [9].

Durch die Hemmung von JAK1 und JAK2 blockiert Ruxolitinib die Signalweiterleitung für eine breite Palette von Zytokinen und führt zu einer effektiven Unterbrechung der Th2-Entzündungskaskade [10]. Die Selektivität von Ruxolitinib für JAK1 und JAK2 ist entscheidend für das therapeutische Profil. Die topische Anwendung bietet zudem den entscheidenden Vorteil, dass die Wirkstoffkonzentration am Ort der Entzündung in der Haut hoch ist, während die systemische Exposition gering bleibt. Dies minimiert das Risiko systemischer Nebenwirkungen [11,12].

Klinische Evidenz: Die TRuE-AD-Studienreihe

Die klinische Entwicklung von Opzelura® wurde durch die TRuE-AD (Topical Ruxolitinib Evaluation in Atopic Dermatitis)-Studien begleitet. TRuE-AD1 und TRuE-AD2 waren identisch aufgebaute, doppelblinde, randomisierte, vehikelkontrollierte Studien, die Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit leichter bis mittelschwerer AD einbezogen [13]. Etwa 1 250 Patienten und Patientinnen erhielten entweder 1,5 % Ruxolitinib oder eine Vehikel-­Creme zweimal täglich (BID) über 8 Wochen. Primärer Endpunkt war der Anteil der Erkrankten, die nach 8 Wochen einen „Investigator’s Global Assessment Treatment Success“ (IGA-TS) erreichten (definiert als IGA-Score 0 oder 1 mit einer Verbesserung von mindestens 2 Punkten gegenüber dem Ausgangswert). Ein wichtiger sekundärer Endpunkt war die Reduktion des Juckreizes um ≥ 4 Punkte auf der NRS-Skala (NRS4).

In TRuE-AD1 erreichten 53,8 % der mit Ruxolitinib Behandelten eine IGA-TS vs. 15,1 % in der Vehikelgruppe. In TRuE-AD2 waren es 51,3 % vs. 7,6 %. Auch bei der Juckreizreduktion zeigte sich ein signifikanter Vorteil von 52,2 % vs. 15,4 % [13]. Die Studie TRuE-AD4 evaluierte die Langzeitwirksamkeit und -sicherheit von Ruxolitinib-Creme bei Erwachsenen mit mittelschwerer AD, die zuvor auf topische Kortikosteroide und Calcineurin-Inhibitoren nicht ausreichend angesprochen hatten [14]. Das Studiendesign untersuchte die Praktikabilität einer bedarfsweisen („as-needed“) Anwendung. Eine signifikante Reduktion des Juckreizes wurde bereits 15 Minuten nach der ersten Anwendung beobachtet. Verbesserungen der klinischen Scores (EASI, IGA) waren bereits nach 2 Wochen sichtbar [14].

Diese klinischen Verbesserungen (IGA-TS, EASI-75, Juckreizreduktion) konnten über 24 Wochen aufrechterhalten werden, auch bei bedarfsweiser Anwendung. Die Rate der Teilnehmenden, die in den Escape-Arm wechseln mussten, war in der Ruxolitinib-Gruppe deutlich niedriger (29,9 vs. 76,7 %). Die bedarfsweise Behandlung mit Ruxolitinib-­Creme wurde gut vertragen. Reaktionen an der ­Applikationsstelle traten selten auf (1,7 %), und bis Woche 24 wurden keine neuen Sicherheits­signale beobachtet. Die häufigsten unter der Behandlung aufgetretenen unerwünschten Ereignisse waren Infektionen der oberen Atemwege (10,6 %) und Nasopharyngitis (6,3 %) [14]. „Die Ergebnisse der Studie TRuE-AD4 zeigen, dass ­Ruxolitinib eine wirksame topische Therapieoption sein kann, um bei Patienten mit mAD eine Eskalation zur systemischen Therapie zu verzögern oder zu vermeiden“, sagte Erstautor Prof. Dr. med. Andreas Wollenberg (Augsburg).

Positionierung in der Therapie

Opzelura® kann insbesondere für Erkrankte, die auf klassische Topika nicht ausreichend ansprechen oder diese nicht vertragen, eine wichtige Option sein (Abb.). Die aktuelle S3-Leitlinie zur Atopischen Dermatitis von 2026 empfiehlt bei leichter bis mittelschwerer AD primär eine Basistherapie mit Emollienzien und bei Bedarf topische entzündungs-

hemmende Therapien [1]. Opzelura® wird gemäß Zulassung bei unkontrollierter mAD und nach Vortherapie eingesetzt und kann helfen, eine systemische Eskalation zu verzögern oder zu verhindern [15]. Opzelura® sollte nicht mit anderen topischen Arzneimitteln kombiniert werden, da die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Kombinationen nicht untersucht wurden [15].

Opzelura® bietet eine effektive Alternative für ­Betroffene, die eine systemische Therapie ver­meiden möchten, aber mit klassischen Topika unzureichend kontrolliert sind. Die schnelle Wirk­sam­keit und das günstige Sicherheitsprofil machen ­Opzelura® zu einer attraktiven Option für die ­Behandlung von akuten Schüben und zur langfristigen Kontrolle der Erkrankung. Die „as-needed“-Anwendung, die in der TRuE-AD4-Studie erfolg­­reich getestet wurde, kann die Adhärenz verbessern. Opzelura® ist für die nichtkontinuierliche chronische Anwendung vorgesehen. Das bedeutet, dass die Creme wiederholt eingesetzt werden kann, aber nicht unbedingt dauerhaft und ohne Unterbrechungen auf großen Hautarealen.

OPZELURA 15 mg/g Creme

Wirkstoff: Ruxolitinib (als Phosphat)

Bevor Sie Opzelura verschreiben, lesen Sie bitte die vollständige Fachinformation(Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels).

Qualitative und quantitative Zusammensetzung:

Ein Gramm der Creme enthält 15 mg Ruxolitinib (als Phosphat).

Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung: Propylenglykol (E1520) 150 mg/g der Creme, Cetylalkohol (Ph.Eur.) 30 mg/g der Creme, Stearylalkohol (Ph.Eur.) 17,5 mg/g der Creme, Methyl-4-hydroxybenzoat (E218) 1 mg/g der Creme, Propyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.) 0,5 mg/g der Creme, Butylhydroxytoluol (als Antioxidationsmittel in weißem Vaselin) (E321), Polysorbat 20 (E432). Weitere sonstige Bestandteile: Dimethicon (E900), Natriumedetat (Ph.Eur.) (E385), Glycerolstearate SE, Macrogol, mittelkettige Triglyceride, dünnflüssiges Paraffin (E905), weißes Vaselin (E905), Phenoxyethanol (Ph.Eur.), Phosphorsäure (E338), gereinigtes Wasser, Xanthangummi (E415).

Anwendungsgebiete:

Vitiligo Opzelura wird angewendet zur Behandlung von nichtsegmentaler Vitiligo mit Beteiligung des Gesichts bei Erwachsenen und Jugendlichen im Alter ab 12 Jahren.

Atopische Dermatitis Opzelura wird angewendet zur Behandlung mittelschwerer atopischer Dermatitis bei Erwachsenen, bei denen topische Kortikosteroide und topische Calcineurin-Inhibitoren unzureichend oder ungeeignet sind.

Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Schwangerschaft und Stillzeit.

Nebenwirkungen: Häufig(≥ 1/100, < 1/10): Akne an der Applikationsstelle; gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100): Gürtelrose (Herpes zoster).

Verkaufsabgrenzung: Deutschland: Verschreibungspflichtig. Österreich: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten.

Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Dermatika, Mittel zur Behandlung der atopischen Dermatitis, exklusive Corticosteroide, ATC-Code: D11AH09.

Inhaber der Zulassung/pharmazeutischer Unternehmer: Incyte Biosciences Distribution B.V., Paasheuvelweg 25, 1105 BP Amsterdam, Niederlande.

Weitere Informationen: Ausführliche Informationen zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie Dosierung und Art/Dauer der Anwendung entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation (Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels).

Stand: OPZ 005

  1. Werfel T, et al., S3-Leitlinie „Atopische Dermatitis“ (AWMF-Reg.-Nr. 013-027), 2026
  2. Paul C et al., Dermatol Ther (Heidelb) 2023; 13: 981–95
  3. Chopra R et al., Br J Dermatol 2018; 179: 951–7
  4. Heratizadeh A et al., J Eur Acad Dermatol Venereol 2020; 34: 1423–31
  5. Eckert L et al., J Am Acad Dermatol 2019; 81: 187–95
  6. Bieber T et al., J Eur Acad Dermatol Venereol 2022; 36: 1432–49
  7. Chiesa Fuxench ZC et al., J Invest Dermatol 2019; 139: 583–96
  8. Heratizadeh A et al., J Eur Acad Dermatol Venereol 2024; 38: 157–66
  9. Tsiogka A et al., J Clin Med 2022; 11: 4431
  10. Kim B et al., J Allerg Clin Immunol 2019; 145: 572–82
  11. Gong X et al., Am J Clin Dermatol 2021; 22: 555–66
  12. Bissonette R et al., Am J Clin Dermatol 2022; 23: 355–64
  13. Papp K et al., J Am Acad Dermatol 2021; 85: 863–72
  14. Carrascosa JM et al. J Eur Acad Dermatol Venereol 2026. doi:10.1111/jdv.70595
  15. Fachinformation Opzelura®, aktueller Stand

DE/OPZL/P/26/0111

Impressum
Bericht I Redaktion I Konzept: Dr. rer. nat. Reinhard Merz
MiM Verlagsgesellschaft mbH (Neu-Isenburg)
Mit freundlicher Unterstützung der Incyte Biosciences Germany GmbH (München)

Bildnachweis: privat

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