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Allgemeinmedizin

Diabetes vermeiden

Prädiabetes-Remission durch reduktion des Bauchfetts

Prof. Dr. med. Andreas Birkenfeld, Prof. Dr. med. Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg

8.12.2023

Gewichtsreduktion kann nicht nur bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zu einer Remission führen, sondern auch bei jenen mit Prädiabetes. Doch nicht alle, die durch eine Lebensstilintervention Gewicht verlieren, erzielen auch eine Remission. Welche Faktoren begünstigen eine „Prädiabetes-Umkehr“, und kann sie von Dauer sein?

Typ-2-Diabetes (T2D) und Prädiabetes zählen zu den Epidemien. Schätzungen zufolge steigt die weltweite Prävalenz von Personen mit gestörter Glucosetoleranz von 9,1 % (464 Millionen Menschen) in 2021 auf 10 % in 2045.

Prädiabetes ist gekennzeichnet u. a. durch Werte für Nüchternblutzucker ≥ 5,6 mmol/l bzw. HbA1C ≥ 5,7 %, die unterhalb der Schwelle für T2D bleiben. Mit einem Risiko von 74 % stellt Prädiabetes den stärksten Risikofaktor für T2D dar. Zudem geht dieser heterogene „Zustand“ mit erhöhten Risiken für kardiovaskuläre und renale Erkrankungen sowie für mikrovaskuläre und Krebserkrankungen einher.

Bekannt ist mittlerweile, dass sich bei einem Teil der T2D-Betroffenen durch starke Gewichtsreduktion eine Remission bewirken lässt. Diese Personen gelten dann als gesund, jedoch nicht als geheilt. Außerdem entwickeln die meisten von ihnen nach 5 Jahren erneut einen T2D. Grund zu schauen, ob eine Remission bei Prädiabetes möglich ist.

Gewichtsverlust durch sportliche Aktivitäten

Dazu unternahmen wir eine Post-hoc-Analyse der Daten von Teilnehmern der randomisierten, kontrollierten Multicenter-Studie PLIS (Prädiabetes Lifestyle Intervention Study) des DZD [1]. PLIS sollte ursprünglich zeigen, ob sich eine intensivierte Lebensstilintervention gegenüber einer Standardintervention als überlegen erweist bezüglich einer Verbesserung der Glucosetoleranz.

Eingeschlossen waren insgesamt 1 160 Personen zwischen 18 und 75 Jahren, mit einem BMI ≤ 45 kg/m2 und nachweislich gestörtem Nüchternblutzucker oder gestörter Glucosetoleranz. Die Probanden mit Standardintervention erhielten bei 8 Coaching-Terminen im Laufe von 12 Monaten jeweils Anweisungen für körperliche Aktivitäten von 3 Stunden pro Woche. Die Gruppe mit der intensivierten Intervention bekam bei 16 Coaching-Treffen Anweisungen für Trainings von 6 Stunden pro Woche. Ausführliche Untersuchungen fanden zur Baseline, 6 Monate und 12 Monate (Ende der Intervention) sowie 24 und 36 Monate nach Studienbeginn statt.

Responder und Non-Responder

Für die Post-hoc-Analyse dienten Daten der 298 Probanden (25,7 %), die während der 12 Monate mindesten 5 % Gewicht verloren hatten. Sie wurden eingeteilt in Responder und Non-Responder. Zu den Respondern zählten diejenigen, die durch die jeweilige Intervention u. a. einen normalen Nüchternblutzucker < 5,6 mmol sowie einen HbA1C < 5,7 % und damit eine Remission erreicht hatten – das waren 128 Probanden (43 %). Die 157 Non-Responder (57 %) verblieben im Prädiabetes-Status.

Die Art der Intervention hatte keinen Einfluss darauf, ob eine Remission erreicht werden konnte oder nicht.

Gewichtsverlust und Verringerung des Leberfetts waren in beiden Gruppen vergleichbar. Anders beim viszeralen Fett: Responder konnten es im Mittel von 6,2 l auf 4,1 l reduzieren, Non-Responder von 5,7 l auf 4,5 l. Das Taille-Hüft-Verhältnis änderte sich von 0,93 zu 0,90 (Responder) bzw. 0,94 (Non-Responder). Signifikant auch der Unterschied in der Steigerung der Insulinsensitivität: von 291 auf 378 ml/(min × m2) (Responder) bzw. von 278 auf 323 ml/(min × m2) (Non-Responder). Nicht zuletzt zeigte sich, dass Responder im Mittel (55,4 Jahre) jünger waren als Non-Responder (61,9 Jahre). Und insgesamt waren ihre Werte wie Nüchternblutzucker und HbA1C bereits zu Baseline dichter an den Normwerten als bei den Non-Respondern.

fazit

Eine Remission des Prädiabetes über einen Gewichtsverlust ≥ 5 % erfordert eine substanzielle Bauchfettreduktion. Sie sollte Ziel einer Prädiabetes-Therapie sein, nicht nur der ausschließliche Versuch, eine ­Progression zum T2D hinauszuzögern. Noch 2 Jahre nach der Intervention hatten Responder ein um 73 % geringeres Risiko für T2D als Non-Responder.

Der Autor

Prof. Dr. med. Andreas Birkenfeld
Ärztlicher Direktor Klinik für Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie
Universitäts­klinikum Tübingen

andreas.birkenfeld@med.uni-­tuebingen.de

1 Sandforth A et al., Lancet Diab Endocrinol 2023; DOI 10.1016/S2213-8587(23)00235-8

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Bildnachweis: Vect0r0vich (gettyimages); privat

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