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COVID-19

COVID-19-Impfung

Drei Kontakte mit dem Spikeprotein induzieren eine höhere neutralisierende Immunität

Dr. rer. nat. Christine Reinecke

17.5.2022

Bei einer hybriden Immunität aus Infektion plus Impfung oder Dreifach-Impfung bilden sich hochwertige Antikörper, die besorgniserregende Varianten besser neutralisieren. Das zeigen zwei Kohortenstudien aus Deutschland.

Neutralisierende Antikörper nach einer SARS-CoV-2-Infektion oder nach einer Impfung sind essentiell für die antivirale Immunität. Dieser Schutz wird durch besorgniserregende Varianten wie Omikron (B.1.1.529) herausgefordert. Untersucht wurde die Dynamik der neutralisierenden Antiköper in einer Longitudinalstudie mit 98 Genesenen, die sich im Frühjahr 2020 infiziert hatten, sowie 73 infektionsnaiven, geimpften Personen. In beiden Kohorten wurde der Anti-SARS-CoV-2-Spike-Antikörper IgG quantifiziert und dessen Avidität sowie die Neutralisierungskapazität im Serum bestimmt. Dazu wurde das neue live Virus Neutralisations Assay mit hohem Durchsatz eingesetzt. Die Probenentnahme erfolgte neun Monate nach der Infektion und nach der ersten, zweiten und dritten Impfung (BNT162b2).

Höhere Neutralisationskapazität bei Genesenen als bei naiven Personen nach Impfung

Die Infektions-Neutralisationskapazität für Omikron und – wenig ausgeprägt – für Beta, war niedriger als für andere Varianten. Serumproben zu allen Studienzeitpunkten bestätigten, dass die beiden besorgniserregenden Varianten so genannte Immunescape-Eigenschaften besitzen. 40,6% (95% Konfidenzintervall KI: 29,4-52,9%) der naiven Personen, aber nur 4,0% (95% KI: 1,1-13,5%) der Genesenen zeigten sieben Monate nach der Erstimpfung keine Neutralisierungsaktivität gegen Omikron. Die Genesenen wiesen eine höhere Neutralisationskapazität gegen alle SARS-CoV-2 Varianten auf, gleich, ob sie eine oder zwei Impfungen erhalten hatten, verglichen mit infektionsnaiven Personen, sogar nachdem diese drei Impfungen erhalten hatten.

Erhöhte Infektions-Neutralisationskapazität mit höherer Antikörper-Avidität assoziiert

Eine zunehmende Antikörper-Avidität könnte für eine hochpotente Infektionsneutralisation wesentlich sein. Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine dritte Impfung bei infektionsnaiven Personen oder zwei zeitversetzte Impfungen bei Genesenen besonders nützlich sind, um besorgniserregende Immunescape-Varianten wie Omikron zu bekämpfen.  

Durchbruchsinfektionen nach Zweifachimpfung boostert die neutralisierende Antwort wie eine dritte Impfung

Die Ergebnisse der zweiten Kohorte der geimpften Personen mit neu diagnostiziertem SARS-CoV-2 Durchbruch (Delta oder Omikron) erhärteten die Erkenntnisse der Longitudinalanalyse der ersten Kohorte: Für geimpfte, infektionsnaive Personen wie auch für Genesene führt ein dreimaliger Kontakt des Immunsystems mit dem Spikeprotein, gleich welcher Art, zu einer besseren Infektions-Neutralisierungskapazität.

Kurz gefasst

Drei aufeinanderfolgende Kontakte mit dem Spike-Antigen von SARS-CoV-2 führten zu einer zunehmenden Neutralisationskapazität pro Anti-Spike-Antikörper-Einheit. Begleitet wurde das von einer stufenweisen Zunahme der Antikörper-Avidität. Daraus schlossen die an der Studie beteiligten Wissenschaftler aus München, Würzburg und Erlangen, dass eine hybride Immunität aus Infektion plus Impfung oder Dreifach- Impfung Antikörper von hoher Qualität mit besserer Neutralisierungskapazität gegen besorgniserregende Varianten einschließlich Omikron induzieren kann.

Wratil PR et al: Nature Medicine https://doi.org/10.1038/s41591-022-01715-4 (2021). https://www.nature.com/articles/s41591-022-01715-4_reference.pdf

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