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Behandlungsrichtlinien

Neue medizinische Leitlinie zu Hallux valgus

6.4.2026

In Deutschland sind jedes Jahr rund 1,3 Millionen Menschen wegen eines Hallux valgus in ärztlicher Behandlung, überwiegend Frauen, meist ab dem 50. Lebensjahr. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) präsentiert nun neue Behandlungsrichtlinien zum Hallux valgus. Die Ballenzehe an der Fußinnenseite gehört zu den häufigsten Fußerkrankungen: Sie behindert die Mobilität und wird mit der Zeit immer auffälliger.

„So eine deformierte Zehe ist für viele Betroffene eine dauerhafte Einschränkung im Alltag, denn oft drückt dann der Schuh und es gibt Schmerzen beim Laufen“, sagt Dr. med. Jörn Dohle, stellvertretender DGOU-Präsident. „Es lohnt sich, frühzeitig zu behandeln, um den Fuß zu entlasten und die Beschwerden zu lindern. Wenn das nicht ausreicht, kann ein operativer Eingriff sinnvoll sein.“

„Medizinisch handelt es sich dabei um eine komplexe Fehlstellung, häufig in Verbindung mit einer gewissen Instabilität des ersten Mittelfußgelenkes: Der große Zeh weicht nach außen ab, während sich der erste Mittelfußknochen nach innen verschiebt. Es entsteht der typische schmerzhafte Ballen an der Fußinnenseite“, erklärt Prof. Dr. med. Stefan Rammelt, Präsident der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (D.A.F.), einer Sektion der DGOU. Häufig kommen Druckstellen, Entzündungen oder Fehlstellungen weiterer Zehen, vor allem der zweiten, hinzu. Ursächlich führend ist die familiäre Veranlagung. Enge Schuhe können die Beschwerden zwar verstärken, sind aber nicht die eigentliche Ursache.

Die aktualisierte medizinische S2e-Leitlinie zeigt, wie die Fehlstellung heute sinnvoll behandelt werden sollte – Schritt für Schritt und auf wissenschaftlicher Basis. Zentrale Botschaft: Zunächst Beschwerden lindern und den Fuß entlasten, erst bei anhaltenden Schmerzen operieren. Eine wichtige Neuerung der Leitlinie ist die vereinfachte Einteilung der Schweregrade: Künftig wird nur noch zwischen „leicht bis moderat“ und „schwer“ unterschieden. Das erleichtert die Therapieentscheidung und sorgt für mehr Transparenz. Die Leitlinie empfiehlt, zunächst nicht-operative Möglichkeiten auszuschöpfen. Die konservativen Maßnahmen können die Fehlstellung zwar nicht korrigieren, lindern aber häufig die Schmerzen und verbessern die Beweglichkeit.

Vielzahl an operativen Verfahren zur Korrektur

Eine Operation wird erst dann empfohlen, wenn trotz nicht-operativer Maßnahmen starke Beschwerden bestehen, die Lebensqualität eingeschränkt ist oder es wiederholt zu schmerzhaften Druckstellen kommt. Unabhängig von der gewählten Therapie betont die Leitlinie die Bedeutung einer umfassenden ärztlichen Aufklärung – über Chancen, Risiken und auch über die längere Rehabilitationszeit nach einer Operation. „Ziel des OP-Eingriffs ist es, die Fehlstellung des Knochens zu korrigieren, das Gelenk zu entlasten und die Belastung im Vorfuß wieder gleichmäßig zu verteilen“, sagt Prof. Dr. med. Sebastian F. Baumbach, einer der Koordinatoren der Leitlinie.

Die Grundlage der aktualisierten Leitlinie bildet eine umfangreiche wissenschaftliche Auswertung der vergangenen Jahre. Demnach existiert eine Vielzahl an operativen Verfahren zur Korrektur der knöchernen Fehlstellung. „In einer der wissenschaftlichen Arbeiten konnte die Arbeitsgruppe zeigen, dass alle gängigen Operationsverfahren die Fehlstellung deutlich verbessern. Auch die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten steigt nach der Operation im Durchschnitt klar an, unabhängig von der Operationstechnik“, sagt Prof. Dr. med. Sarah Ettinger, Koordinatorin der aktuellen Leitlinie.

Online steht die S2e-Leitlinie „Hallux valgus“ bei der AWMF unter https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-051 zur Verfügung (auch die redaktionell überarbeitete Langfassung (Version 5.2)).

Pressemitteilung „Neue medizinische Leitlinie zu Hallux valgus“. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Berlin, 4.2.2026 (https://idw-online.de/de/news865472).

* Baumbach SF et al.: Klassifikation und evidenzbasierte Therapie des Hallux valgus - Aktualisierte S2e-Leitlinie. Orthop Unfallchir. 2025 Dec 12;15(6):10-15 (DOI 10.1007/s41785-025-4722-4).

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