Das polyzystische Ovarsyndrom heißt künftig polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). Die neue Bezeichnung korrigiert ein anatomisches Missverständnis und rückt die systemische Dimension der Erkrankung in den Vordergrund.
Das bisherige Akronym PCOS hat die Wahrnehmung der Erkrankung verengt. „Polyzystisch“ suggeriert pathologische Ovarialzysten, obwohl sonografisch kleine antrale Follikel sichtbar sind. Zudem können Patientinnen die diagnostischen Kriterien erfüllen, ohne eine polyzystische Ovarmorphologie aufzuweisen. „Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom“ soll die Interaktion zwischen Androgenexzess, ovulatorischer Dysfunktion, ovarieller Funktion und Stoffwechsel präziser abbilden [1].
Globaler Konsens mit Übergangsphase
Der Namenswechsel ist das Ergebnis eines internationalen Konsensusprozesses unter Beteiligung von 56 Fach- und Patientenorganisationen. Globale Befragungen, modifizierte Delphi-Verfahren und Workshops mit Betroffenen und multidisziplinären Fachgruppen führten schließlich zur neuen Bezeichnung. Eine 3-jährige Übergangsphase soll die Anpassung von Leitlinien, Klassifikationssystemen und Patienteninformationen ermöglichen. Die vollständige Implementierung ist mit der internationalen Leitlinienaktualisierung 2028 vorgesehen [1].
Für den Praxisalltag ist daher vorerst die Formulierung „PMOS, ehemals PCOS“ sinnvoll. Die deutsche S2k-Fachleitlinie wurde 2025 noch unter PCOS publiziert, die Patientinnenleitlinie von 2026 verwendet bereits PMOS. Die Umbenennung verändert weder Erkrankung noch diagnostische Grundkriterien – wohl aber den klinischen Blickwinkel.
Diagnosekriterien bleiben bestehen
Bei Erwachsenen wird PMOS diagnostiziert, wenn nach Ausschluss relevanter Differenzialdiagnosen mindestens 2 von 3 Merkmalen vorliegen: klinischer und/oder biochemischer Hyperandrogenismus, ovulatorische Dysfunktion sowie eine polyzystische Ovarmorphologie im Ultraschall und/oder eine erhöhte Konzentration des Anti-Müller-Hormons (AMH) als Surrogatparameter [2,3].
Für eine ovulatorische Dysfunktion sprechen wiederholt Zyklen von mindestens 35 Tagen, weniger als 8 Zyklen jährlich oder eine Amenorrhö. Zur Abklärung des Hyperandrogenismus gehören die Beurteilung von Hirsutismus, Akne und androgenetischer Alopezie sowie die Bestimmung von Gesamttestosteron, sexualhormonbindendem Globulin und freiem Androgenindex [3]. AMH kann bei Erwachsenen die Sonografie als Kriterium der polyzystischen Ovarmorphologie ersetzen, darf aber nicht als alleiniger PMOS-Test verwendet werden. Bei Jugendlichen sind Ultraschall und AMH wegen der physiologischen Besonderheiten nach der Menarche diagnostisch nicht geeignet [2,3].
Zyklusstörung als metabolisches Warnsignal
PMOS ist keine auf Ovarien und Reproduktion begrenzte Erkrankung. Insulinresistenz und kompensatorische Hyperinsulinämie können die ovarielle Androgenproduktion verstärken und die Follikelreifung beeinträchtigen. Das metabolische Risiko betrifft auch normalgewichtige Patientinnen. Frauen mit PMOS entwickeln häufiger eine gestörte Glucosetoleranz, einen Typ-2- oder Gestationsdiabetes. Darüber hinaus können u. a. Dyslipidämie, arterielle Hypertonie und metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung auftreten [2,3]. Bei Erstdiagnose sollten deshalb Körpergewicht, Body-Mass-Index, Taillenumfang, Blutdruck, Lipidprofil und Glucosestoffwechsel erhoben werden [3].
Therapie nach Leitsymptom und Lebensphase
Die Behandlung bleibt individualisiert. Basis sind eine verständliche Aufklärung, körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung, Schlaf- und Stressmanagement sowie ggf. eine strukturierte Adipositastherapie [2,3]. Bei Zyklusstörungen oder klinischem Hyperandrogenismus und fehlendem Kinderwunsch sind kombinierte orale Kontrazeptiva bei fehlenden Kontraindikationen eine Option [3]. Zur umfassenden Betreuung gehört auch die Psyche. Ein validiertes Screening ist Bestandteil einer leitliniengerechten Versorgung [2,3].

Aus PCOS wird PMOS, weil der alte Name die Erkrankung unzureichend beschrieb. Unregelmäßige Zyklen, Hirsutismus oder unerfüllter Kinderwunsch sind frühe Marker einer lebenslangen metabolischen und psychosozialen Belastung. Die Gyn-Praxis bleibt zentraler Ort für Früherkennung und koordinierte Langzeitversorgung.
