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Anti-Aging

Anti-Aging in der gynäkologischen Praxis

Von Wasser, Wein und Caffè Latte

Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

30.8.2021

Richtig trinken ist eine gute Anti-Aging-Strategie, da sind sich die Experten ausnahmsweise einig. Aber im Detail gibt es auch hier durchaus Kontroversen: Was soll man trinken? Wie viel? Und darf das Getränk auch Koffein oder gar Alkohol enthalten?

Seit Jahren wird propagiert, man solle möglichst viel Wasser trinken. Täglich mindestens 2–3 Liter. Um den Grenzwert ja nicht zu unterschreiten, sei es am besten, die Menge abzumessen und über den Tag zu verteilen. Das ist albern, weil wir eine sehr präzise Messung für unseren Flüssigkeitsbedarf haben: Durst. Zwar ist es so, dass bei sehr alten Menschen dieses Durstgefühl nachlässt und sie dann Gefahr laufen, auszutrocknen. In diesem Fall – und nur dann – ist es sinnvoll, die tägliche Flüssigkeitsmenge abzumessen und zu überprüfen. Bei allen nicht Hochbetagten genügt es, auf den Körper und sein Durstgefühl zu hören.

Damit wäre die richtige Flüssigkeitsmenge geklärt. Aber was sollen wir trinken? Apfel- und Orangensaft aus Fruchtsaftkonzentrat stehen in Sachen Zuckergehalt den Softdrinks in keiner Weise nach. Fruchtsäfte sollten daher frisch gepresst oder in Bioqualität direkt aus der regionalen Saftpresse kommen und am besten 1:3 mit Wasser verdünnt werden. Dann sinkt der Gehalt an Fruchtzucker. Dafür ist der Vitamingehalt in den naturbelassenen Säften hoch. Ungesüßter Tee hilft ebenfalls gut über den Tag. Und vor allem grüner Tee enthält viel Epigallocatechingallat. Grüntee schützt damit die Gefäße und ist entzündungshemmend. Von Anti-Aging-Seite also eine eindeutige Empfehlung – ohne Milch und Zucker, versteht sich.

In unseren Breiten mögen die meisten Menschen statt Tee lieber Kaffee. Meistens trinken sie ihn mit schlechtem Gewissen, weil Kaffee gerne zu den sogenannten Genussgiften gezählt wird. Die Forschung hat den Kaffee aber längst rehabilitiert. Kaffee ist nicht nur nicht schädlich, sondern er besitzt eine Mischung aus wirksamen antioxidativen und antiinflammatorischen Inhaltsstoffen. Die schützen Herz und Gehirn gleichermaßen.[1] Vier bis fünf Tassen Kaffee täglich gelten als unproblematisch, nichts spricht also gegen den Espresso zur Mittagspause in der Kleinrösterei oder den griechischer Mokka nach einem leckeren Essen.

Kommen wir zum Problemkind Alkohol. In Deutschland darf man in Zeiten gesundheitspolitischer Korrektheit das Wort kaum aussprechen, höchstens mit erhobenem Zeigefinger. In der Tat sind mit dem Alkohol nachweisbare Gefahren verbunden. Die Zahlen zum Alkoholmissbrauch sind erschreckend, auch wenn sie seit den 1990er-Jahren erfreulicherweise leicht rückläufig sind.[2] Die meisten Menschen, die in Europa Alkohol trinken, haben aber kein Suchtproblem. Sie konsumieren Alkohol gelegentlich beziehungsweise regelmäßig in moderaten Mengen. Dadurch haben sie in vielen Fällen nicht nur mehr Spaß am Leben – sie können es auch deutlich verlängern. Das gilt für die Gelegenheitstrinker, die sich ab und zu mal ein Gläschen genehmigen. Noch deutlich besser schneiden in entsprechenden Untersuchungen die moderaten Trinker ab, also jene, die mäßig, aber regelmäßig trinken.

2017 wurden im British Medical Journal die Ergebnisse einer Studie über das Auftreten von Erkrankungen in Abhängigkeit vom Alkoholkonsum veröffentlicht.[3] Sie untersuchte knapp zwei Millionen Männer und Frauen im Alter > 30 Jahre über einen Zeitraum von sechs Jahren. Bei den koronaren Herzerkrankungen hatten die moderaten Trinker das bei Weitem niedrigste Risiko. Es folgten die Gelegenheitstrinker. Das höchste Risiko (um 31 % erhöht) hatten lebenslange Alkoholabstinenzler. Selbst schwere Alkoholiker schnitten besser ab. Bei der Gesamtsterblichkeit haben die schweren Trinker in der Tat das höchste Risiko. Dann allerdings folgen auch schon hier die Antialkoholiker. Die höchste Lebenserwartung haben die moderaten Trinker, ein wenig schlechter schneiden die Gelegenheitstrinker ab.

Das nennen wir mal gute Nachrichten zum Jahresstart: In Maßen ist Alkohol kein Problem. Da fällt einem doch gleich die weise Zeile von Wilhelm Busch ein: „Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben.“

Prof. Kleine-Gunk, kann man wirklich guten Gewissens den Konsum von Alkohol empfehlen?

Daran gibt es wissenschaftlich nichts zu rütteln. Große Kohortenstudien zeigen, dass moderater ­Alkoholkonsum aktive Gesundheitsprävention ist, während vollständige Abstinenz ein Gesundheits­risiko darstellt. Das gilt übrigens nicht nur für Rotwein und sein Resveratrol, im wesentlichen ist es der Alkohol selbst, der präventiv wirkt.

Aber Weintrinker gelten gegenüber Biertrinkern doch als gesünder – ist das falsch?

Weintrinker und Biertrinker unterscheiden sich nicht nur bezüglich ihrer Vorlieben für alkoholische Getränke. Weintrinker finden sich überwiegend in den gehobenen Einkommensschichten, sie haben zumeist einen höheren Bildungsgrad und sie ernähren sich auch häufig gesünder. Die Begleitumstände haben wesentlich größeren Einfluss auf die Gesundheit als das alkoholische Getränk an sich.

Anti-Aging Für Genussmenschen

Das Buch Warum Abstinenz die Gesundheit gefährdet und Sex vor Krebs schützt von Bernd Kleine-Gunk bezieht seinen Charme dadurch, dass es nicht – wie viele andere Bücher mit Anti-Aging-Tipps – primär ge­nussfeindlich ist. Vielmehr will es „... ein lebenspraktischer Begleiter für alles, was das Leben nicht nur länger, sondern auch schöner macht ...“ sein. Dabei untermauert der Autor alle Thesen wissenschaftlich sau­ber mit aktueller Literatur. Ein Buch, das in die Zeit passt: Alles kann sein, aber deshalb ist es wichtig, seinen eigenen Weg zu finden. Das gilt für Ärzte und Patienten gleichermaßen. JK

ISBN: 978-3833867071
Gräfe & Unzer 2018; 10,99 €

Der Autor

Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk
Metropol Medical Center Nürnberg
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin (GSAAM)

kleine-gunk@mmc-nuernberg.de

[1] Poole R et al., Brit Med J 2017; 359: j5024
[2] Stupf M et al., Epidemiologischer Suchtsurvey 2015; IFT Institut für Therapieforschung 2017
[3] Bell S et al., Brit Med J 2017; 356: j909

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