Die Symptomatik einer anaphylaktischen Reaktion setzt meist akut ein und kann innerhalb von Minuten zu einer kritischen Situation bis hin zum Kreislaufschock führen. Hier gilt es mitunter, sehr schnell einzugreifen.
Nun geht sie wieder los, die „Draußenzeit“, die Insektenzeit. Sich im Freien aufzuhalten, kann für Menschen mit Insektengiftallergie zum Albtraum werden. Eine anaphylaktische Reaktion wird aber auch immer häufiger durch Nahrungsmittel wie Krusten- und Schalentiere oder Nüsse hervorgerufen. Ebenso können bekanntlich auch Arzneimittel Auslöser sein.
Atemwege, Herz-Kreislauf-System, Haut, Schleimhaut oder Magen-Darm-Trakt können auf das Allergen reagieren. Zu den häufigsten Symptomen bei Anaphylaxie gehören Atemnot, Gesichtsschwellung, Tachykardie und Schwindel. Bei Erwachsenen können Hautsymptome wie Juckreiz, Brennen, Rötungen und Quaddeln fehlen, was die Diagnose erschwert. Wichtig ist es, die Situation schnell einzuschätzen und den Betroffenen zu fragen, ob eine Allergie bekannt ist und Notfallmedikamente griffbereit sind.
Eine gesteigerte oder überschießende Lokalreaktion nach Insektenstich ist gekennzeichnet durch eine Schwellung von > 10 cm über > 24 Stunden. In der symptomatischen Akutbehandlung werden gemäß S2k-Leitlinie zur Bienen- und Wespengiftallergie (Hymenopteren) Antihistaminika und kühle Umschläge angewendet, kurzzeitig auch Kortikosteroide [1].
Insektengiftbedingte Anaphylaxie ist in allen Altersgruppen vertreten. In der Pädiatrie betrifft es Jungen häufiger [2]. Dabei reagiert der Körper auch öfter mit kardiovaskulären Symptomen als auf Nahrungsmittelallergene. In über 90 % der Fälle entwickeln sich die Symptome innerhalb von 30 Minuten [2].
Soforttherapie
Als Soforttherapie bei Verdacht auf Anaphylaxie kann eine schnelle Injektion von Adrenalin lebensrettend sein. Ein Adrenalin-Autoinjektor (AAI) erlaubt eine besonders einfache, genaue und rasche intramuskuläre Selbst- oder Fremdverabreichung auch durch Laien (seitlich in den Oberschenkel). Dies ist wichtig, da bis zum Eintreffen von Rettungspersonal viel Zeit vergehen kann. Der AAI bewirkt schneller als die manuelle Spritze hohe Adrenalinkonzentrationen im Blut, was auch bei Adipositas gilt. Jeder Person mit Bienen- und Wespengiftallergie, der ein Notfallset mit Adrenalin-Autoinjektor verordnet wird, sollte auch eine Hymenopterengift-Allergen-Immuntherapie (HG-AIT) empfohlen werden.
Allergen-Immuntherapie
Die Indikation zur HG-AIT besteht bei Bienen- oder Wespenstichanaphylaxie ab dem Schweregrad II und bei systemischen Stichreaktionen vom Schweregrad I sowie Risikofaktoren oder Einschränkungen der Lebensqualität, sofern eine IgE-vermittelte Sensibilisierung nachweisbar ist [1]. Ohne Risikokonstellation kann sie nach 3 bis 5 Jahren beendet werden. Eine dauerhafte HG-AIT kann unter bestimmten Umständen erwogen werden.