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Abrechnung

Durch Veränderungen von Parasiten und ihren Wirten

Klimawandel auch bei der Abrechnung

Dr. med. Dr. rer. nat. Peter Schlüter

27.2.2026

Der Klimawandel bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Haut. Vor allem die Verbreitungsgebiete vieler Insekten verändern sich – und damit auch die der Krankheiten, die sie verbreiten. Dieser Beitrag zeigt Möglichkeiten zur Privatliquidation am Beispiel der Lyme-Borreliose.

Die American Academy of Dermatology betont, dass medizinische Fachkräfte nicht nur auf den Klimawandel vorbereitet sein sollten, sondern auch aktiv Maßnahmen ergreifen, um mit den Folgen des Klimawandels umgehen zu können. Dies umfasst nicht nur die Aufklärung über die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Hautgesundheit, sondern eben auch die Umstellung auf nachhaltige Praktiken in der medizinischen Versorgung wie auch der entsprechenden Vorsorge.

Höhere Temperaturen und die damit verbundenen häufigeren Hitzewellen sowie extremen Wetterereignisse führen zu einer Zunahme von hitzebedingten Erkrankungen. Das betrifft nicht nur Sonnenbrand und Hitzestress, auch hitzeinduzierte Hautkrankheiten werden vermehrt auftreten. Last but not least reduzieren durch den Klimawandel hervorgerufene Wetterereignisse den Schutzmantel der Haut. Das führt unter ­anderem zu einer Zunahme bakterieller und mykoti­scher Infektionen. Gerade in stark verschmutzten Bereichen können sich Infektionen wie Vibrio-bedingte Zellulitis oder Infektionen mit Mykobakterien schnell verbreiten. Ein weiteres Problem des Klimawandels für die Haut ergibt sich aus der Zunahme von Waldbränden. Hier konnten Untersuchungen zeigen, dass die Zunahme von Waldbränden nach Trockenperioden mit der Zunahme von Hauterkrankungen wie Juckreiz und atopischer Dermatitis verbunden war.

Neue Arten, neue Krankheiten

Auch auf die Tier- und Pflanzenwelt zeigt der Klimawandel eindeutige Auswirkungen. So ändern sich beispielsweise deren Ausbreitungsgebiete. Zecken und Mücken verbreiten sich immer mehr in nördliche ­Regionen. Das zeigte sich nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit der Mückenbekämpfung am Oberrhein. War diese anfänglich noch auf das Gebiet zwischen Karlsruhe und Speyer begrenzt, wanderten die Mücken immer mehr nach Norden.

Damit verbunden war natürlich auch die zunehmende Verbreitung der durch diese Tiere übertragenen Krankheiten wie das Dengue-Fieber (Zika-Virus) und die Lyme-Borreliose (Zecken).

Der Fall
Ein Patient mit auffälliger Hautreaktion

Ein 51-jähriger Patient stellt sich, besorgt wegen einer auffallenden Hautreaktion, in der Praxis vor. Er gibt an, vor etwa 4 Wochen einen Zeckenbiss am rechten Oberschenkel gehabt zu haben, konnte die Zecke aber nicht vollständig entfernen. Die Zecke habe er sich wohl bei der Gartenarbeit zugezogen. Schnell habe sich die Stelle stark entzündet und ­wurde auch immer größer. Auf Befragen werden Schmerzen und Fieber verneint.

Bei der Untersuchung der Haut zeigt sich eine gut Handflächen große, rundliche Hautrötung. Im Zentrum der Effloreszens findet sich eine kleine dunkle Stelle. Mittels Dermatoskop lässt sich ein Fremdkörper (Kopf und Mundwerkzeuge der Zecke) nachweisen. Auf Wunsch des ängstlichen Patienten wird der Zeckenrest in Lokalanästhesie entfernt, die Wunde gereinigt und ein Druckverband angelegt. Es wird zur serologischen Untersuchung (Nachweis von IgM- und/oder IgG-Antikörpern) Blut abgenommen. Die Verdachtsdiagnose einer Borreliose, die Nachweismöglichkeiten sowie die Therapie mit Antibiotika werden dem Patienten ausführlich erörtert. Weiterhin wird dem Patienten die Gefahr der Infektion mit dem Erreger der Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) erklärt und auf die Notwendigkeit der Impfung gegen FSME hingewiesen. Die ausführliche Impfberatung umfasst auch die Notwendigkeit der Auffrischung des Tetanusschutzes. Die Impfungen wurden durchgeführt (Tab. 1. Konsultation).

Am nächsten Tag wird die Wundkontrolle mit Verbandwechsel durchgeführt (Tab. 2. Konsultation) und ein Termin zur Besprechung der serologischen Untersuchung in einer Woche vereinbart.

Wegen der verschiedenen Ausschlussbestimmungen muss im Rahmen der Abrechnung immer beachtet werden, in welcher Höhe die einzelnen Leistungen bewertet sind. Folgende  Ausschlussregelung zur GO-Nr. 3 GOÄ ist in der ersten Anmerkung zu finden: „Die Leistung nach Nummer 3 (Dauer mindestens 10 Minuten) ist nur berechnungsfähig als einzige Leistung oder im Zusammenhang mit einer Untersuchung nach den Nummern 5, 6, 7, 8, 800 oder 801.“ Danach kann an diesem Tag entweder die Erörterung nach GO-Nr. 3 und die symptombezogene Untersuchung nach GO-Nr. 5 abgerechnet werden. Dann muss aber auf die Leistungen der Wundversorgung verzichtet werden. Andernfalls könnten die Leistungen der Wundversorgung berechnet werden, dann wäre aber auf die Beratung nach GO-Nr. 3 und die symptombezogene Untersuchung nach GO-Nr. 5 zu verzichten. Auf die GO-Nr. 5 wäre zu verzichten, da bei der ersten Konsultation schon die Beratung nach GO-Nr. 1 neben Leistungen der Abschnitte „C“ bis „O“ berechnet wurde. Hier gilt nun die Allgemeine Bestimmung B.1: „Die Leistungen nach den Nummern 1 und/oder 5 sind neben Leistungen nach den Abschnitten C bis O im Behandlungsfall nur einmal berechnungsfähig.“ Jetzt ist zu überlegen, welche Leistungskombination das höhere Honorar ergibt. Dabei gibt es nun die elegante Möglichkeit, im Rahmen der 1. Konsultation auf die Beratung nach GO-Nr. 1 zu verzichten. Dann könnte bei der 2. Konsultation die Beratung und die symptombezogene Untersuchung GO-Nrn. 1 und 5 neben den Verbandsleistungen berechnet werden. Zusätzlich könnte bei der ersten Konsultation dann auch die Zweitimpfung nach GO-Nr. 377 berechnet werden, da ja auf die Beratung nach GO-Nr. 1 verzichtet wurde. Damit wäre honorartechnisch das optimale Ergebnis zu erzielen.

Die Besprechung bzw. Erörterung der (positiven) serologischen Untersuchung findet eine Woche später statt (Tab. 3. Konsultation). Das Erythem war nach 4 Wochen verschwunden (Tab. 4. Konsultation), es wurde Blut zur Titerkontrolle entnommen und ein Termin zur Ergebnisbesprechung vereinbart.

Wichtig ist die ausführliche Information des Patienten über mögliche Symptome einer weiterbestehenden Borreliose. Dazu gehören in erster Linie Allgemeinsymptome wie Nachtschweiß, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, später oft auch Gelenkbeschwerden, Neuropathie und gelegentlich kardiale Symptome. Auf jeden Fall ist 3 Monate nach Ende der Therapie eine weitere serologische Kontrolle notwendig. Bleibt diese negativ (es sind also keine Antikörper mehr nachweisbar), gilt die Erkrankung als geheilt. All das wurde dem Patienten im Rahmen der Besprechung des Titerergebnisses mitgeteilt.

Neue Arten, neue Krankheiten

Überträger der Borreliose ist der zu den Zecken gehörende Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Je nach Gegend, Jahreszeit und Entwicklungsstadium sind etwa 1–60 % der Zecken mit dem Erreger befallen, im Mittel sind es ca. 10 %. Beim Stich einer borrelieninfizierten Zecke wird während des Saugvorgangs der Erreger (Borrelien) auf den Wirt ­(Säugetier) übertragen.

Die Saugdauer beeinflusst die Übertragungswahrscheinlichkeit, ebenso wie das Quetschen der ­Zecke beim Entfernungsversuch. Der Übertragung folgt eine Latenzzeit bis zum Ausbruch von Krankheitssymptomen, die bei der Lyme-Borreliose ­zwischen 5 Tagen und ca. 2 Monaten betragen kann.

Setzt die zelluläre und humorale Immunreaktion (Lymphozyten und Plasmazellen) ein, wird das in Form des Erythema migrans als erstes Stadium der Erkrankung sichtbar. Verbreitet sich der Erreger über die Blutbahn oder über Lymphwege, treten auch Allgemeinsymptome (Fieber, Schweißausbrüche oder Gliederschmerzen) als Zeichen des Übergangs in das zweite Stadium der Erkrankung und Generalisation des Erregers auf.

Der Autor

Dr. med. Dr. rer. nat. Peter Schlüter
Arzt für Allgemeinmedizin
Arzt für Naturheilverfahren
76684 Tiefenbach
schlueter@vital-arzt-praxis.de
www.vital-arzt-praxis.de

Dr. Dr. Peter Schlüter ist promo­vierter Naturwissenschaftler und ­Mediziner. Seit 1982 ist er als Arzt für Allgemein­medizin mit betriebs­­wirtschaftlich ­opti­mierter Praxis nieder­gelassen. Als Berater zu allen ­Fragen der Praxisorganisation, Praxis­manage­­ment und ­Abrechnung ist er seit 1987 tätig.

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