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Abrechnung

Beratung und Diagnostik

Abrechnung bei Fertilitätsstörungen

Dr. med. Dr. rer. nat. Peter Schlüter

18.11.2020

Etwa 15–20 % der Ehen oder Partnerschaften in den Industrieländern bleiben ungewollt kinderlos. Das kann viele Gründe haben, körperliche wie psychische. Entsprechend aufwendig und vielseitig sind Beratung und Diagnostik zu diesem für die Lebensplanung wichtigen Thema.

Wenn bei einem Paar trotz regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehr und trotz Kinderwunsch innerhalb von zwölf Monaten keine Schwangerschaft eintritt, spricht man von Sterilität (auch Impotentia generandi), wobei die Ursache bei der Frau oder beim Mann liegen kann. Wenn es zwar zu einer Befruchtung kommt, die Frau die Schwangerschaft aber nicht zu Ende austragen kann, spricht man von Infertilität der Frau (auch Impotentia gestandi). Die Diagnostik beginnt bei Vortragen entsprechender Beschwerden bzw. auch bei Vorliegen von Risikofaktoren, mit einem ausführlichen Anamnesegespräch. Hier lässt sich klären, wie mögliche sexuelle Probleme aussehen, seit wann sie bestehen, welche erste Anzeichen es gibt und ob psychische Faktoren einen Einfluss haben. Zusätzlich erfolgt eine Risiko- und Medikamentenanamnese, um herauszufinden, ob die Patientin Vorerkrankungen hat, welche zur sexuellen Störung führen könnten und ob sie Medikamente mit einem solchen Effekt einnimmt. Die weitere Diagnostik umfasst dann die körperliche Untersuchung und die Sonografie. Mittels Labor­untersuchungen lassen sich ggf. hormonelle Störungen bzw. Stoffwechselstörungen als mögliche Ursachen erkennen. Danach folgt die geschlechtsspezifische Untersuchung. Bei der Samenflüssigkeit des Mannes wird untersucht, ob diese ausreichend normal geformte und bewegliche Samenzellen (Spermien) beinhaltet. Im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung wird ein Abstrich genommen, um die Schleimhautzellen zu beurteilen und nach allfälligen Infektionserregern zu suchen. Ursächlich spielen auch die beeinflussbaren Lifestyle-Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, kardiovaskuläre Erkrankungen, metabolisches Syndrom und Rauchen bei der Entwicklung einer Fertilitätsstörung eine Rolle. Hier bieten Empfehlungen zu Verhaltensänderungen ein weitgefächertes Betätigungsfeld im Sinne einer breiten geschlechtsspezifischen Prävention bzw. sexualmedizinischen Betreuung für die Patientinnen.


DER FALL: Fertilitätsstörung mit psychosomatischer Ursache

28-jährige Patientin, normalgewichtig (179 cm, 68 kg), kommt zur Untersuchung wegen fraglicher Fertilitätsstörung. Bei der Anamneseerhebung berichtet sie, seit etwa einem Jahr die Pille abgesetzt zu haben und es bisher noch zu keiner Schwangerschaft gekommen sei. Nun wollte sie sich (wie auch ihr Ehemann) untersuchen lassen, welche Ursachen dafür verantwortlich sein könnten. Die Patientin ist seit vier Jahren verheiratet. Die eheliche Beziehung ist sehr gut und ohne Probleme, keine Fremdbeziehung. Beruflich sei sie sehr angespannt und habe im Betrieb als Führungsperson auch sehr viel Stress. Deshalb habe sie wohl auch Schlaf­störungen. Die körperlich-gynäkologische Untersuchung der Patientin schließt die Sonografie und die Blutentnahme zur Labordiagnostik einschließlich Hormon­status ein, gefolgt von einem explorativen Gespräch. Darin werden die möglichen psychischen bzw. psychosomatischen Ursachen der Fertilitätsstörung erörtert. Für die Patientin war das Vorliegen ihrer psychischen Belastung als mögliche Ursache durchaus verständlich. Für die Befundbesprechung wurde ein Besprechungstermin vereinbart.

Therapie

Die Basis jeder Therapie von Fertilitätsstörungen ist das ärztliche Gespräch. In diesem werden neben der medizinischen Anamnese auch die Dringlichkeit des Behandlungswunsches und die Situation, aus der der Kinderwunsch entstanden ist, näher betrachtet. Beratung und Betreuung sollen der Patientin und/oder dem Paar die Möglichkeit eröffnen, die Entscheidung für oder gegen die medizinische Behandlung der Fertilitätsstörung selbst zu treffen und immer wieder neu zu überprüfen. Beim nächsten Termin werden der Patientin die Ergebnisse ausführlich erörtert. Bei fehlenden organischen Störungen und einem normalen Hormon­status ist von einer eher psychisch induzierten Störung auszugehen. Die Therapie besteht in diesem Falle in therapeutischen Gesprächen.



Für die weiteren Gespräche im Rahmen der sexualmedizinischen Beratung und Betreuung können je nach Gesprächsinhalt und -schwerpunkt verschiedene Leistungspositionen zur Abrechnung kommen.

Der Autor

Dr. med. Dr. rer. nat. Peter Schlüter
Arzt für Allgemeinmedizin
Arzt für Naturheilverfahren
76684 Tiefenbach
schlueter@vital-arzt-praxis.de
www.vital-arzt-praxis.de

Dr. Dr. Peter Schlüter ist promo­vierter Naturwissenschaftler und ­Mediziner. Seit 1982 ist er als Arzt für Allgemein­medizin mit betriebs­­wirtschaftlich ­opti­mierter Praxis nieder­gelassen. Als Berater zu allen ­Fragen der Praxisorganisation, Praxis­manage­­ment und ­Abrechnung ist er seit 1987 tätig.

Bildnachweis: privat

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