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Allgemeinmedizin

Zecken und FSME

Steigende Fallzahlen – Impfung wichtiger denn je

22.5.2024

Auch wenn die Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) im vergangenen Jahr gesunken sind, weist der Langzeittrend nach oben, so Dr. Rainer Oehme (Stuttgart). Inzwischen sind Zecken ganzjährig aktiv, mit einem Erkrankungsgipfel alle 2 Jahre und einer hohen FSME-Dunkelziffer.

Übertragen wird das FSME-Virus durch den euro­päischen Holzbock und die Auwaldzecke. ­„Erste Fälle traten dieses Jahr bereits früh in Baden-Württemberg und Bayern auf”, so Prof. Dr. rer. nat. Ute Mackenstedt (Hohenheim). In der Tat überleben immer mehr Zecken die milden Winter und die Nymphen entwickeln sich früher aus ihren Larven.

In Blutspende-Proben aus dem Ortenaukreis, einem FSME-Hotspot, ermittelte Prof. Dr. med. Gerhard Dobler (München) eine hohe Dunkelziffer bei gleichzeitig hohem Infektionsgeschehen. Ein ­neues Testverfahren ermöglicht die Differenzierung von Anti­körpern nach einer Impfung oder nach einer Infektion. Beziehe man die nicht erkannten Infektionen ein, sei das Risiko einer FSME-Infektion im Kreis um ein 7-Faches höher als bisher angenommen, so Dobler. Weitere Hotspots liegen in Bayern, Österreich und Rheinland-Pfalz. Die Herde liegen mittlerweile im ganzen Bundesgebiet und es werden ­immer neue Herde identifiziert, z. B. im Kreis ­Ravensburg, mit 8 Naturherden in 2007 und 25 Herden in 2023. Zudem werden mit dem klimabedingt veränderten Vogelzug neue Zeckenarten aus Skandinavien eingeschleppt. So liegt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion nach einem ­Zeckenstich in den Risikogebieten bei 1 : 50 bis 1 : 100. Ungefähr 10 Tage später treten grippe­ähnliche Symp­tome mit starken Kopfschmerzen auf, bei einem schweren Verlauf auch Störungen von Koordination, Sprache und Bewusstsein sowie Lähmungen. Zu rund 1 % verläuft die FSME-Erkrankung tödlich.

Ohne Impfung schwere Folgen möglich

Therapiert wird rein symptomatisch. Eine FSME-Impfung ist daher dringend zu empfehlen, zumal bei schweren Infektionen Langzeitfolgen drohen. Wie eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigte, wiesen rund 10 % der über 500 befragten Erkrankten nach mehr als einem Jahr Konzentrationsschwierigkeiten sowie Gleichgewichts- und Gangprobleme auf. Im Alter, bei Stoffwechselerkrankungen oder unter einer Biologika-Therapie kann sich die Symptomatik noch verstärken.

Das Impfschema: 3 Impfungen zur Grundimmunisierung und eine Auffrischung alle 5 Jahre, ab dem 60. Lebensjahr alle 3 Jahre.

Sinnvoll ist die FSME-Impfung auch für Personen, die nicht in Risikogebieten leben sowie als Reiseimpfung. Da die Durchimpfung der Bevölkerung unzureichend ist, erhöhe sich das Infektionsrisiko, so Dobler. Der Totimpfstoff ist gut verträglich und auch bei immungeschwächten Personen zugelassen. Hier ist eine anschließende Kontrolle der Antikörper empfehlenswert.

Pressekonferenz „Hohe FSME-Fallzahlen erwartet” zum 7. Süddeutschen Zeckenkongress der Uni Hohenheim, Februar 2024

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