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Anti-Aging

Hyaluronsäure

Subkutane Anwendung zeigt die besten Ergebnisse

Dr. med. Johannes Müller-Steinmann

30.8.2021

Ab dem 25. Lebensjahr beginnen die Zellen im Körper zu altern. Falten, Volumenverlust und hängende Wangen sind die Folge. Um vorzubeugen oder Falten zu glätten, setzen Betroffene auf Cremes, Gele und Kapseln mit Hyaluronsäure oder Kollagen. Diese sind nur bedingt wirksam. Subkutane Behandlungen mit verschiedenen Hyaluron-Gelen können das Hautbild sichtbar verbessern.

Bekannt ist: Wer einen gesunden Lebensstil führt, sprich viel frisches Obst und Gemüse isst, ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt und auf Nikotin sowie Alkohol verzichtet, sorgt für die besten Voraussetzungen, dass die Haut lange frisch und geschmeidig bleibt. Weitere wichtige Punkte für eine gesunde Haut sind außerdem ausreichender Schlaf, wenig Stress, viel Bewegung und Harmonie in der Partnerschaft, in der Familie und in Freundschaften. Eine intensive UV-Strahlung belastet die Haut besonders und führt dazu, dass die Zellen sich verändern und die Haut Falten bildet. Natürliche UV-Strahlen der Sonne und künstliche aus Solarien gelten als Hauptursache der Hautalterung. So unterdrücken sie beispielsweise die Synthese von Kollagen und induzieren den enzymatischen Abbau von Kol­lagen. Von einer extern bedingten, extrinsischen Hautalterung sind vor allem Menschen betroffen, die sich über Jahre hinweg sehr häufig in der Sonne aufhalten, wie Bauarbeiter und Freizeitsportler. Bei ihnen bildet die Haut tiefe Falten, erschlafft und wird fleckig. Davon betroffen sind vor allem Menschen ab 40 Jahren. Außerdem werden durch die UV-Strahlen DNA-Segmente in der Haut verändert, was den Zellteilungsprozess und auch die Kollagenproduktion negativ beeinflusst.


Hormonelle Ursachen für Hautalterung

Bei einer senilen Atrophie wird die Haut im Laufe des Lebens immer dünner und trockener. Ebenso können hormonelle Ursachen hinter einer Hautalterung stecken. Während bei Männern ab 40 Jahren der Testosteronspiegel langsam absinkt und die Haut somit auch nur nach und nach an Kollagen verliert, geschieht dies bei Frauen recht plötzlich. Sinkt der Estrogenspiegel im Klimakterium, so macht sich dies auch sehr schnell an der Hautbeschaffenheit bemerkbar. Die Haut wird trocken und bildet Falten. Besonders innerhalb der ersten drei bis fünf Jahre des Klimakteriums reduziert sich der Kollagengehalt der Haut um bis zu 30 %. Aber auch der Hyaluronsäuregehalt sinkt enorm, wodurch die Haut erschlafft und an Elastizität verliert.


Topische Anwendungen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, der Haut zu mehr Volumen und Elastizität zu verhelfen und die entstandenen Falten zu minimieren – unter anderem mit Hyaluronsäure und Kollagen. Im ersten Schritt greifen die meisten Patienten zu Cremes und Gelen aus der Drogerie oder Apotheke. Die Anti-Aging-Produkte enthalten häufig Hyaluronsäure und versprechen Hautstraffung und die Minimierung von Falten. Die topische Therapie hat jedoch maximal bei kleinen Fältchen Erfolg. So können diese für etwa sechs bis zwölf Stunden geglättet werden, aber eben nur oberflächlich auf der Hornschicht. In die tiefliegende Lederhaut dringen nur sehr kleine, niedrigmolekulare Hyaluronsäure-Moleküle ein.


Niedrig- vs. hochmolekulare Hyaluronsäure

Hochmolekulare Hyaluronsäure hat eine Größe von 1.500 Kilodalton (kD). Sie kann nicht in tiefere Hautschichten eindringen, sondern sorgt dafür, dass sich ein feuchtigkeitsspendender Film auf die Haut legt. Niedermolekulare Hyaluronsäure mit einer Größe von 50 kD und kleiner kann hingegen im Bindegewebe der Haut gespeichert werden und so kurzfristig Falten minimieren. Die Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe International Nomenclature of Cosmetic Ingredients (INCI) führt jedoch beide Varianten unter Sodium Hyaluronate. Das ist der Grund, warum Verbraucher kaum nachprüfen können, welche Molekulargröße in den Produkten verwendet wird. Ähnliches gilt für Hautpflegeprodukte, die Kollagen enthalten. Auch diese können zwar oberflächlich auf der Hornschicht die Haut geschmeidig halten, jedoch nicht bis zur Dermis vordringen. Ein positiver Effekt auf das Bindegewebe besteht somit nicht.


Systemische Therapien – wirksam, aber oft kaum sichtbar

Eine weitere Option ist, Hyaluronsäure oder Kollagen in Form von Kapseln oder Gelen oral einzunehmen. Wichtig bei systemischen Behandlungen ist, dass die Wirkstoffe die Dermis erreichen und dort im Bindegewebe dafür sorgen, dass sich vermehrt Kollagen oder Hyaluronsäure absetzt beziehungsweise gebildet wird. Es ist auch durchaus möglich, beide Stoffe über Resorption durch das gastrointestinale System und Transport über das Gefäßsystem zuzuführen. Es gibt einige Untersuchungen, die zeigen, dass oral eingenommene Hyaluronsäure die Hautfeuchtigkeit verbessern kann. Ebenso wie bei der Einnahme von Kollagen-Präparaten ist dies jedoch nur möglich, sofern die Kapseln oder Gele langfristig eingenommen werden. Noch nicht erforscht ist, welche Molekulargewichte bei der systemischen Therapie die besten Ergebnisse erzielen. Der Erfolg der Behandlung ist zudem minimal, sodass er von außen kaum sichtbar ist.

Werden verschiedene Verfahren ­kombiniert, so werden die besten Ergebnisse erzielt.

Bessere Ergebnisse liefern Studien zufolge orale Anwendungen mit kurzkettigen Kollagen-Peptiden. Diese haben bei einer regelmäßigen Einnahme positive Auswirkungen auf die strukturgebende extrazelluläre Matrix in den tieferen Hautschichten und stimulieren dort die Proliferation der Fibroblasten und die Synthese von Hyaluronsäure, VersicanV (großes extrazelluläres Matrix-Proteoglycan) und Decorin (Proteoglycan). Falten können damit reduziert werden. Zu große Effekte, gerade bei tieferen Falten, sollten Patienten jedoch nicht erwarten.

Subkutane Behandlung mit Hyaluronsäure

Besonders wirksam ist es, die Falten mithilfe von Füllmaterialien zu unterspritzen oder die Gele so unter die Haut zu geben, dass hängende Partien angehoben werden. Die Geschichte der verwendeten Materialien ist lang. Mediziner experimentierten bereits vor 100 Jahren mit Eigenfett. Weiter ging es mit Silikonen und Paraffinen. Auch Kollagen kam noch bis vor etwa 20 Jahren zum Einsatz. Da es jedoch hauptsächlich aus dem Kollagen von Rindern gewonnen wird, besteht ein gewisses Allergie­risiko und zuletzt auch ein BSE-Risiko. Selbst wenn Behandler vorab intrakutane Tests an Patienten vollziehen, kommt es noch in 1,5–4 % der Fälle zu allergischen Reaktionen der Haut. Es ist zwar auch möglich, Gele aus menschlichem Kadaverkollagen herzustellen, das deutlich weniger Allergien hervorruft. Dies lehnen Patienten jedoch häufig ab. Aktueller Goldstandard sind heute Faltenbehandlungen mit medizinischem Hyaluron. In Europa sind mehr als 170 verschiedene Hyaluronsäure-Produkte auf dem Markt, die von über 30 unterschiedlichen Herstellern angeboten werden. Wichtig ist, dass Behandler ein Produkt wählen, mit denen sie den Umgang erlernt haben beziehungsweise sich am sichersten fühlen. Die Präparate werden fermentativ mithilfe von Bakterien gewonnen, wodurch die Wahrscheinlichkeit für Allergien auf ein Minimum sinken.


Verschiedene Hyaluronsäure-Produkte für unterschiedliche Areale

Die Hyaluronsäure-Gele gibt es in verschiedenen Viskositäten – je nachdem, welche Bereiche behandelt werden sollen. Mithilfe weicherer Gele lassen sich besonders gut mimische und orthostatische Falten minimieren. Ärzte können die Gele direkt unter die Falten spritzen und so die Haut von unten heraus glätten. Diese Methode eignet sich besonders für Wangen- und Marionettenfalten, Krähenfüße im äußeren Augenbereich und Falten auf der Stirn. Größere Falten, wie die Nasolabialfalte, können mit festeren Gelen unterspritzt werden.


Die Methoden sollten erlernt sein, sonst folgen Asymmetrien und Dellen.


Häufiger arbeiten Behandler jedoch mit dem ganzheitlichen Volumenaufbau des Gesichts. Das bedeutet, sie geben das Hyaluronsäure-Gel beispielsweise in den Bereich des Jochbeins, um hängende Partien anzuheben und größere Falten zu straffen. Zudem haben Hyaluronsäure-Injektionen einen positiven Nebeneffekt. Sie regen den Körper an, Kollagen zu bilden, wodurch die Haut zusätzlich aufgepolstert wird. olgende Bereiche des Gesichts können Ärzte mithilfe von Hyaluronsäure-Präparaten behandeln:

• Gesamtes Gesicht: Straffung, 3D-Volumenaufbau („Liquid Lift“) sowie 3D-Anhebung von Nasolabialfalte, Hängebäckchen und Mundwinkel

• Jochbein und Wangen: Volumenaufbau

• Augenbrauen: Lifting

• Tränenrinnen: Ausgleichen des Volumenverlustes

• Kinn-Linie: Definition und Straffung

• Lippen: verlorengegangenes Volumen zurückgeben und Lippenfältchen glätten

• Nase: Korrekturen der Nasenspitze und Nasenrücken, optische Verschmälerung der Nase

Hinweis: Die Ergebnisse mit den Hyaluron-Gelen halten etwa sechs bis zwölf Monate, je nach Material. Der Erfolg der Behandlungen ist sofort sichtbar. Die Injektionen mit Hyaluronsäure können jederzeit wiederholt werden.


Kombination unterschiedlicher Verfahren

Oft kommen jedoch Patienten in die Praxis und beklagen sich über mehrere Problemzonen in ihrem Gesicht. Die Zornesfalte lasse sie grimmig erscheinen, die Nasolabialfalte traurig und die Lippen würden auch immer schmaler. Die besten Ergebnisse erzielen Behandler dann, wenn sie verschiedene Methoden kombinieren. Injektionen mit Botulinumtoxin eignen sich beispielsweise besonders gut für das obere Gesichtsdrittel wie Stirn- und Zornesfalten sowie Krähenfüße. Hyaluronsäure-Gele kommen hingegen eher im mittleren Gesichtsdrittel zum Einsatz. Die Injektions-Lipolyse, auch Fett-weg-Spritze genannt, kann kleinere Fettdepots auflösen und so dem Gesicht wieder mehr Kontur verleihen. Das Fadenlifting, eine noch recht junge Methode, eignet sich vor allem, um größere Gesichtsbereiche zu straffen.


Erfolgreiche Behandlung mit Fachwissen

Theoretisch kann jeder approbierte Arzt minimalinvasive Behandlungen mit Hyaluronsäure, Botulinumtoxin, biokompatiblen Fäden und die Injektions-Lipolyse sofort durchführen. Empfehlenswert ist dies jedoch nicht. Die Behandlungen und Effekte sind komplex. Zwar sind die Ergebnisse in der Regel nur zwischen 6 und 18 Monaten wirksam, jedoch können bei einer falschen Anwendung Asymmetrien, Beulen und Dellen entstehen. Daher ist es wichtig, den Umgang mit den Präparaten in speziellen Workshops für Ärzte zu erlernen – samt eines praktischen Hands-on-Trainings.

Der Autor

Dr. med. Johannes Müller-Steinmann
Facharzt für Dermatologie
Schwerpunkte Lasermedizin, ästhetische Medizin, Ernährungsmedizin, Anti-Aging Medizin
Ärztlicher Leiter der Kiel Medical Academy
24103 Kiel

info@kiel-medical-academy.com

Bildnachweis: master1305 (iStockphoto); Andreas Baum

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