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Studien-Update

Studien-Update

Wechseljahre

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

16.10.2026

Elinzanetant: Verbesserter Schlaf als zusätzlicher Benefit +++ Besserung des GSM ohne änderung des vaginalen Mikrobioms +++ Chirurgische Menopause Stört Sexualfunktion langfristig +++ Frühe Menopause und Kognition +++ VMS bleiben oft unbehandelt +++ Estetrol reduziert vaso­motorische Symptome +++ Was bringen 2 Jahre MHT?

Elinzanetant: Verbesserter Schlaf als zusätzlicher Benefit

Schlafstörungen gehören zu den belastendsten Symp­tomen der Menopause und sind nicht ausschließlich eine Folge nächtlicher Hitzewallungen. Die Phase-II-Studie NIRVANA untersuchte deshalb gezielt, ob der duale Neurokinin-1/-3-Rezeptoranta­gonist Elinzanetant neben vasomotorischen Symptomen (VMS) auch objektiv messbare Schlafparameter verbessert. Einbezogen wurden 110 postmenopausale Frauen zwischen 40 und 65 Jahren mit mindestens 20 moderaten bis schweren VMS pro Woche und polysomnografisch bestätigter Schlafstörung. Die Teilnehmerinnen erhielten über 12 Wochen randomisiert Elinzanetant 120 mg täglich oder Placebo.

Als zentraler Parameter wurde die „wakefulness ­after sleep onset“ (WASO) erfasst. Nach 4 Wochen reduzierte Elinzanetant die polysomno­grafisch gemessene WASO gegenüber Placebo um geschätzte 22,5 Minuten. In einer Post-hoc-Analyse über 12 Wochen zeigten sich konsistente Vor­teile hinsichtlich WASO, Gesamtschlafzeit, Schlafeffizienz, Einschlaflatenz, Zahl der Aufwachereignisse sowie Arousal-Index.

Fazit: Die objektiven Messungen sprechen dafür, dass der Effekt möglicherweise über eine bloße ­Reduktion nächtlicher Hitzewallungen hinausgeht. ‍

Baker FC et al., Sleep 2026; zsag208, doi:10.1093/sleep/zsag208

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Besserung des GSM ohne änderung des vaginalen Mikrobioms

Eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie untersuchte, ob eine menopausale Hormontherapie (MHT) gleichzeitig Symptomatik, Vaginalepithel und Mikrobiom beeinflusst: 34 gesunde postmenopausale Frauen im Alter von 40 bis 60 Jahren mit moderatem bis schwerem GSM wurden randomisiert und erhielten 12 Wochen lang entweder Estradiol 1 mg plus Dydrogesteron 5 mg täglich oder Placebo. Das vaginale Mikrobiom wurde mittels 16S-rDNA-Sequenzierung untersucht.

Die klinischen Effekte der MHT waren ausgeprägt. Score für das am stärksten belastende Symptom 0,35 vs. 2,12; Vaginalatrophie-Score 2,29 vs. 10,29; Vaginal Health Index 20,24 vs. 8,65. Überraschend veränderte sich das vaginale Mikrobiom dagegen nicht signifikant.

Fazit: Die Besserung des GSM scheint primär durch estrogenabhängige Effekte vermittelt zu werden und nicht durch Änderungen des Mikrobioms. ‍

Panyakhamlerd K et al., Maturitas 2026; 209: 108963

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Chirurgische Menopause Stört Sexualfunktion langfristig

Für Frauen mit erhöhtem genetischem Ovarialkarzinomrisiko kann eine risikoreduzierende Salpingo-Oophorektomie (RRSO) lebensrettend sein. Der abrupte Verlust der Ovarialfunktion führt jedoch zu einer chirurgischen Menopause. Die prospektive WHAM-Studie untersuchte über 2 Jahre, wie sich dieser Eingriff auf Sexualfunktion und sexuellen ­Leidensdruck auswirkt und ob eine Hormontherapie diese Folgen abschwächen kann. Einbezogen wurden 104 prämenopausale Frauen, bei denen eine RRSO geplant war, sowie 102 Kontrollen. Die ­sexuelle Gesundheit wurde vor dem Eingriff sowie nach 3, 6, 12 und 24 Monaten unter anderem mit dem Female Sexual Function Index und der Female Sexual Distress Scale-Revised erfasst.

Der Anteil der Frauen mit sexueller Dysfunktion stieg nach RRSO von 19 auf 42 %, während er in der Vergleichsgruppe lediglich von 24 auf 29 % zunahm. Sexuelles Verlangen, Erregung, Lubrikation und Zufriedenheit waren nach RRSO signifikant schlechter als bei Frauen mit erhaltenen Ovarien. Gleichzeitig nahmen Schmerzen und sexuelles Unbehagen zu. Besonders ausgeprägt war der sexuelle Leidensdruck, der nach RRSO nahezu auf das Vierfache anstieg.

Fazit: Die Daten unterstreichen, dass eine chirurgisch induzierte Menopause weit über VMS und Knochenstoffwechsel hinausgeht. Frauen vor RRSO sollten gezielt über mögliche längerfristige Aus­wirkungen informiert werden. 

Hickey M et al., BJOG 2026; 133: 1188–99

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Frühe Menopause und Kognition

Der Zusammenhang zwischen Menopausenalter und späterer Gehirngesundheit wird zunehmend untersucht. In diese Analyse gingen 747 postmeno­pausale Frauen ein. Bei Teilpopulationen lagen zusätzlich Tests zur fluiden Intelligenz und strukturelle MRT-Aufnahmen vor. Die statistischen Modelle berücksichtigten unter anderem Alter, Bildungsniveau, ­depressive Symptome und körperliche Aktivität.

Ein niedrigeres Alter bei Eintritt der Menopause war mit einer schlechteren allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit und einer geringeren fluiden Intelligenz assoziiert. Darüber hinaus zeigte sich bei Frauen mit früherer Menopause ein geringeres Gesamtvolumen der grauen Substanz. Damit liefern die Ergebnisse eine mögliche Erklärung für Beobachtungen, nach denen eine verkürzte reproduktive Lebensspanne mit ungünstigeren neurologischen Altersverläufen verbunden sein könnte.

Fazit: Die Arbeit stärkt das Konzept des Meno­pausenalters als potenziellem Marker für die langfristige Gehirngesundheit. 

Schwarz N et al., Menopause 2026; doi:10.1097/GME.0000000000002765

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VMS bleiben oft unbehandelt

Wie groß die Belastung durch VMS im Versorgungsalltag ist, zeigt eine Analyse der spanischen App „Mi Menopausia“ mit > 11 000 peri- und postmeno­pausalen Frauen: 77,4 % der Nutzerinnen berichteten von VMS, bei 63,9 % wurden diese als moderat bis schwer eingestuft. Adipositas war unabhängig mit einer höheren Wahrscheinlichkeit moderater bis schwerer VMS verbunden (OR 1,27), ebenso ­Rauchen (OR 1,26), Alkoholkonsum (OR 1,20) und eine bilaterale Oophorektomie (OR 1,38). Frauen mit Hochschulbildung, Berufstätigkeit oder sexueller ­Aktivität berichteten statistisch seltener von schweren VMS.

Moderate bis schwere VMS waren unter anderem mit Insomnie, Irritabilität, vaginaler Trockenheit sowie Depression bzw. Angststörungen assoziiert. Nur 17 % der Frauen mit VMS erhielten überhaupt eine Behandlung; nur 9,2 % eine Hormontherapie.

Fazit: Selbst in einer Gruppe von Frauen, die sich aktiv mit ihrer Menopause beschäftigt, bleibt ein großer Anteil trotz erheblicher Symptomlast unbehandelt. 

Coronado PJ et al., Maturitas 2026; 209: 108958

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Estetrol reduziert vaso­motorische Symptome

Mit Estetrol (E4) könnte das Spektrum der hormonellen Therapie vasomotorischer Symptome um eine weitere Estrogenoption erweitert werden. In der multi­zentrischen, randomisierten, doppelblinden Phase-III-­Studie E4COMFORT I ­wurden 640 postmeno­pausale Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren mit mindestens 7 moderaten bis schweren Hitzewallungen täglich bzw. mindestens 50 pro Woche im Verhältnis 1 : 1 : 1 mit Estetrol 15 mg, Estetrol 20 mg (oral) oder Placebo über 12 Wochen behandelt. Koprimäre Endpunkte waren Veränderungen von Frequenz und Schweregrad der vasomotorischen Symptome (VMS) nach 4 und 12 Wochen.

Beide E4-Dosierungen waren Placebo bereits nach 4 Wochen signifikant überlegen. Die adjustierte Differenz der wöchentlichen VMS-Frequenz gegenüber Placebo betrug −9,63 Episoden unter 15 mg und −14,94 unter 20 mg. Nach 12 Wochen waren es −16,41 bzw. −22,49 Episoden pro Woche. Auch die Symptomschwere wurde mit beiden Dosierungen signifikant reduziert. Klinisch anschaulich sind die Responderraten: Eine mindestens 50%ige Reduktion der VMS-Frequenz erreichten nach 12 Wochen 82,5 % unter 15 mg und 87,0 % unter 20 mg gegenüber 60,5 % unter Placebo. Völlig symptomfrei ­waren 32,5 %, 38,5 % bzw. 17,4 %.

Therapieassoziierte unerwünschte Ereignisse waren unter E4 allerdings deutlich häufiger als unter Placebo. Bei nicht hysterektomierten Teilnehmerinnen, die in der Studie E4 ohne Gestagen erhielten, traten insbesondere vaginale Blutungen bzw. Spottings auf. Studienabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse blieben mit 6,6 bzw. 7,5 % jedoch relativ selten. Venöse Thromboembolien oder kardio­vaskuläre Ereignisse wurden in den E4-Gruppen während der kurzen Beobachtungszeit nicht registriert.

Fazit: E4COMFORT I liefert überzeugende Kurzzeitdaten zur VMS-Kontrolle. Aussagen zur thromboembolischen, kardiovaskulären oder onkologischen Langzeitsicherheit sind nach 12 Wochen jedoch nicht möglich. Bei Frauen mit intaktem Uterus ist für die klinische Anwendung zudem ein adäquater Endometriumschutz zu berücksichtigen. 

Simoncini T et al., Maturitas 2026; 209: 108965

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Was bringen 2 Jahre MHT?

In einer chinesischen Real-World-Kohorte wurde der Verlauf von > 800 postmenopausalen Frauen unter menopausaler Hormontherapie (MHT) über 24 Monate verfolgt. Erfasst wurden meno­pausale Beschwerden anhand des Kupperman-Index, die Knochenmineraldichte (BMD) und bildgebende Parameter der Brust zu Studienbeginn und nach 6, 12, 18 und 24 Monaten. Die menopausale Symptomatik verbesserte sich deutlich. Der mittlere Kupperman-Score sank von 40,17 zu Studienbeginn auf 11,38 nach 24 Monaten.

Pa­rallel zeigte sich eine Verbesserung der BMD. Der Anteil der Frauen mit Osteoporose ging im Beobachtungszeitraum von 18,0 auf 14,0 % zurück, der Anteil mit niedriger Knochenmasse von 27,4 auf 21,4 %. Die Veränderungen der BMD gegenüber dem Ausgangswert waren zu sämtlichen Kontrollzeitpunkten statistisch signifikant. Veränderungen von Brustdichte und Brustvolumen wurden nicht beobachtet.

Fazit: Die Arbeit liefert praxisnahe Daten, die den bekannten Nutzen einer MHT für menopausale Beschwerden und Knochenstoffwechsel bestätigen. 

Wang Y et al., Front Med (Lausanne) 2026; 13: 1817851

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