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Fokus Naturmedizin

Fasten in der Menopause

Nicht jedes Essensfenster passt

Gunnar Carl Römer

22.10.2026

Zeitlich begrenztes Essen und andere Fastenprotokolle können Gewicht, Taillenumfang und einzelne kardiometabolische Marker verbessern. Für Frauen in der Peri- und Postmenopause ist die Evidenz jedoch begrenzt. Entscheidend sind realistische Ziele sowie eine sorgfältige Auswahl der Patientinnen.

Mit der Menopause verändert sich die Körperzusammensetzung häufig ungünstig. Der Rückgang der Estrogenproduktion trifft auf altersbedingte Veränderungen von Energieverbrauch, Aktivität und Muskelmasse. Fett lagert sich vermehrt abdominal bzw. viszeral ein, während die fettfreie Masse abnehmen kann. Dadurch steigt das Risiko für Insulinresistenz, Dyslipidämie und Hypertonie. Auch Bewegungsmangel, Schlafstörungen, Medikamente und Ernährungsweise spielen eine Rolle [1,2].

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Fasten ist nicht gleich Fasten

Unter Time-Restricted Eating (TRE) versteht man die tägliche Verkürzung des Essensfensters, bspw. auf 8–10 Stunden. Das häufig propagierte 16:8-Schema ist eine Variante, aber kein einheitlich definiertes Protokoll. Studien unterscheiden sich u. a. darin, ob das Essensfenster eher früh oder frei wählbar liegt.

Beim 5:2-Modell wird an 5 Tagen normal und an 2 nicht aufeinanderfolgenden Tagen stark energiereduziert gegessen. Beim Alternate-Day-Fasting wechseln sich Fastentage oder stark kalorienreduzierte Tage mit Tagen ohne oder mit deutlich geringerer Energiezufuhr ab. Beide Verfahren können ein Energiedefizit erzeugen, führen aber zu stärkeren Schwankungen bei Hunger, Leistungsfähigkeit und ggf. Medikamentenbedarf.

Davon zu unterscheiden ist mehrtägiges Heilfasten. Beim Buchinger-Fasten werden über einen begrenzten Zeitraum überwiegend flüssige, energiearme Lebensmittel wie Gemüsebrühe, Säfte und Tee eingesetzt, häufig ergänzt durch Bewegung, Ruhe und ärztliche Kontrollen. Das F.-X.-Mayr-Konzept ist dagegen kein einheitlich standardisiertes Studienprotokoll. Auch eine klassische Kalorienrestriktion ist ein anderes Verfahren. Eine randomisierte Studie zeigte, dass ein 8-stündiges Essensfenster keine signifikant stärkere Gewichtsabnahme bewirkte als eine kontinuierliche Kalorienrestriktion [2]. Entscheidend ist damit wahrscheinlich vor allem das erreichte Energiedefizit.

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Moderate Effekte auf Stoffwechsel und Gewicht

Am eindeutigsten ist die Evidenz beim Körpergewicht: TRE kann bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas eine moderate Gewichtsabnahme fördern, abhängig von Dauer, Adhärenz und Energieaufnahme. Eine Netzwerkmetaanalyse von 2025 (99 RCT, 6 582 Teilnehmende) zeigte gegenüber unrestringierter Ernährung Gewichtsverlust durch ganztägiges Fasten, Alternate-Day-Fasting und TRE – im Vergleich zu kontinuierlicher Kalorienrestriktion war jedoch nur Alternate-Day-Fasting leicht überlegen (~1,3 kg), bei HDL-Cholesterin und HbA1c keine konsistenten Unterschiede [3]. TRE ist somit nicht grundsätzlich wirksamer als kontinuierliche Restriktion, kann aber als praktikable Struktur dienen. Eine weitere Metaanalyse (41 RCT, 2 287 Teilnehmende) fand unter TRE Reduktionen bei Gewicht, Fettmasse, Taillenumfang, systolischem Blutdruck, Nüchternglucose, Insulin und Triglyceriden – wobei der Taillenumfang nur ein indirekter Marker ist und eine gezielte Reduktion viszeralen Fetts nicht belegt ist. Ein frühes Essensfenster wirkte tendenziell günstiger, ein optimales Zeitfenster ließ sich aber nicht bestimmen; die fettfreie Masse nahm unter mehreren Varianten ebenfalls ab [4]. Verbesserungen bei Nüchternglucose, Insulin und HOMA-IR zeigen sich vor allem bei Übergewicht oder Prädiabetes; Effekte auf HbA1c und Lipidprofil sind moderat bzw. uneinheitlich.

Daten aus menopausespezifischen Studien

Direkte Daten liegen bislang vor allem aus kleinen Studien vor. Eine 2024 publizierte Untersuchung verglich bei 62 peri-, meno- und postmenopausalen Frauen 12 Wochen Kraft- und Ausdauertraining mit demselben Training plus einem selbst gewählten 8-stündigen Essensfenster. Die Kombination ging mit stärkeren Rückgängen von BMI und systolischem Blutdruck einher. Nüchternglucose und Nüchterninsulin können sich verbessern; für HOMA-IR sind die Ergebnisse deutlich heterogener. Für HbA1c zeigen die Metaanalysen keine konsistenten Unterschiede [5].

Die Aussagekraft ist begrenzt: Die Teilnehmenden wurden nicht vollständig randomisiert, die Studie dauerte nur 12 Wochen. Ausgeschlossen waren u. a. Frauen mit Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen, antihypertensiver, lipid- oder glucosesenkender Medikation sowie Frauen unter menopausaler Hormontherapie. Für metabolisch stabile Frauen mit Übergewicht, ausreichender Muskelmasse und unauffälliger Ernährungssituation kann ein moderates TRE-Modell als pragmatische Option erprobt werden. Ein Essensfenster von 10 –12 Stunden ist dabei ein pragmatischer Einstieg, nicht ein aus Vergleichs­studien abgeleitetes optimales Intervall.

Eine quasi-randomisierte Studie untersuchte 54 peri-, meno- und postmenopausale Frauen. Eine Gruppe absolvierte 12 Wochen Kraft- und Ausdauertraining plus 16:8-TRE, die Vergleichsgruppe ausschließlich das Training. In der Kombinationsgruppe verbesserten sich der Gesamtscore der Menopause Rating Scale sowie psychische und somatische Subskalen stärker. Auch körperliche und psychosoziale Bereiche der Lebensqualität verbesserten sich, nicht jedoch vasomotorische oder sexuelle Aspekte [6]. Die Abbruchrate lag bei 33 %; die Zuteilung war teilweise von den Präferenzen der Teilnehmerinnen abhängig. Zudem absolvierten alle Frauen ein betreutes Trainingsprogramm. Ein spezifischer Effekt des Fastens auf Hitzewallungen oder Schlaf lässt sich daraus daher nicht ableiten.

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Muskel- und Knochenmasse beachten

Gewichtsverlust sollte in der Peri- und Postmenopause nicht isoliert betrachtet werden. Eine Reduktion der fettfreien Masse kann bei jeder energiereduzierten Ernährung auftreten. Längere oder stark ausgeprägte Fastenphasen können bei unzureichender Proteinaufnahme und fehlendem Krafttraining plausibel eine ungünstige Körperzusammensetzung begünstigen; belastbare Langzeitdaten speziell für postmenopausale Frauen fehlen jedoch. Die Netzwerkmetaanalyse zu TRE zeigte im Mittel eine Abnahme der fettfreien Masse. Das bedeutet nicht automatisch einen klinisch relevanten Muskelverlust, da Messfehler sowie Veränderungen von Glykogen und Wasser die Ergebnisse beeinflussen. Fettfreie Masse ist zudem nicht gleichbedeutend mit Muskelmasse oder Muskelkraft [4].

Metaanalysen zu intermittierendem Fasten in Kombination mit Krafttraining zeigen, dass sich Körperfett reduzieren lässt, während die fettfreie Masse bei strukturiertem Training teils erhalten bleibt [7]. Bei niedriger Muskelmasse, unbeabsichtigtem Gewichtsverlust, Frailty oder Verdacht auf Sarkopenie sprechen diese Unsicherheiten gegen aggressive Fastenintervalle. Auch für die Knochen reicht die Datenlage nicht für klare Aussagen. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse schloss 7 randomisierte Studien mit 313 Erwachsenen ein. Die Interventionen dauerten im Mittel 10,5 Wochen. Obwohl in 5 Studien ein Gewichtsverlust auftrat, zeigte sich kein signifikanter Unterschied der Knochendichte. Wegen der geringen Studienzahl ließ sich der Einfluss auf Knochenmineralgehalt und Knochenumbaumarker nicht zuverlässig beurteilen [8].

Daraus lässt sich weder eine knochenschädliche noch eine knochenschützende Wirkung ableiten. Bei gefährdeten Frauen können Gewichtsverlust, unzureichende Calcium- und Vitamin-D-Zufuhr, niedrige Proteinaufnahme oder eine insgesamt zu geringe Energiezufuhr problematisch sein.

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Datenlage beim Heilfasten

Mehrtägiges Heilfasten, etwa nach Buchinger, unterscheidet sich grundlegend von einem täglichen Essensfenster. Eine prospektive Beobachtungsstudie aus spezialisierten, ärztlich begleiteten Einrichtungen berichtete bei ausgewählten, vorab auf Kontraindikationen geprüften Personen über eine gute Verträglichkeit [9]. Da eine Kontrollgruppe fehlte und relevante Kontraindikationen ausgeschlossen wurden, lässt sich daraus weder eine Überlegenheit gegenüber Kalorienrestriktion noch eine allgemeine Sicherheit ableiten.

Untersuchungen zu 10-tägigem Buchinger-Fasten beschreiben Veränderungen des Energiestoffwechsels und der Darmmikrobiota [10]. Das F.-X.-Mayr-Konzept ist nicht einheitlich standardisiert; belastbare randomisierte Studien zu einem klar definierten F.-X.-Mayr-Protokoll liegen nicht in vergleichbarer Weise vor [11]. Mehrtägiges Heilfasten sollte daher nicht als Selbstbehandlung empfohlen werden.

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Kontraindikationen und Patientinnenselektion

Ob eine Fastenform geeignet ist, hängt stärker von der einzelnen Patientin ab als vom Namen des Programms. Von mehrtägigem oder stark kalorienreduziertem Fasten ist besonders bei Essstörungen, aktueller anorektischer Symptomatik, Schwangerschaft und Stillzeit, deutlichem ungewolltem Gewichtsverlust, Frailty oder Mangelernährung abzuraten. Auch eine instabile psychische Erkrankung, eine schwere akute Erkrankung oder eine ungeklärte Gewichtsabnahme sprechen gegen ein Fastenexperiment.

Besondere Vorsicht ist bei Diabetes mellitus erforderlich. Insulin und Sulfonylharnstoffe können bei reduzierter Nahrungsaufnahme Hypoglykämien verursachen. Eine Anpassung der Medikation sollte ausschließlich ärztlich und mit einem klaren Mess- und Notfallplan erfolgen. Unter SGLT2-Inhibitoren können stark reduzierte Nahrungsaufnahme, akute Erkrankungen und Dehydratation das Risiko einer – ggf. euglykämischen – Ketoazidose erhöhen. Eine eigenständige Unterbrechung oder Anpassung der Medikation ist nicht angezeigt; erforderlich ist ein ärztlicher Plan [12,13].

Auch bei antihypertensiver Therapie können Dehydratation und ein sinkender Blutdruck Schwindel oder Stürze begünstigen. Diuretika, Medikamente mit Einnahmevorgaben zu Mahlzeiten sowie Arzneimittel mit gastrointestinalen Nebenwirkungen sollten individuell geprüft werden. Lange Nahrungspausen sind wenig geeignet, wenn sie Migräne, Reflux, Essanfälle oder eine problematische Kontrolle des Essens verstärken. Bei Osteoporoserisiko, niedrigem BMI, Verdacht auf Sarkopenie, chronischer Nierenerkrankung oder Mangelernährung sollte zunächst die Ausgangslage geklärt werden.

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Fasten kann in der Peri- und Postmenopause ein Instrument sein, um die Ernährung zu strukturieren und moderat Gewicht abzunehmen. Menopausespezifische Studien sind selten, meist kurz und teilweise mit Bewegungsprogrammen kombiniert. Für die ärztliche Beratung sollte daher im Vordergrund stehen, was für die einzelne Patientin praktikabel und gut verträglich ist. Ein moderates TRE-Modell kann bei geeigneten Patientinnen ausprobiert werden. Muskel- und Knochenmasse, ausreichende Proteinversorgung, Bewegung und Medikation sollten dabei wichtiger sein als ein möglichst schneller Gewichtsverlust. Mehrtägiges Heilfasten bleibt eine medizinisch zu begleitende Maßnahme mit begrenzterer Evidenz.

  1. Davis SR et al., Nat Rev Dis Primers 2015; 1: 15004
  2. Marlatt KL et al., Obesity 2022; 30: 14–27
  3. Liu D et al., N Engl J Med 2022; 386: 1495–1504
  4. Semnani-Azad Z et al., BMJ 2025; 389: e082007
  5. Chen Y-E et al., BMJ Med 2026; 5: e001071
  6. Jóźwiak B et al., J Transl Med 2024; 22: 957
  7. Jóźwiak B et al., Nutrients 2025; 17: 3274
  8. Ashtary-Larky D et al., Physiol Behav 2021; 237: 113453
  9. Fernández-Rodríguez R et al., Nutrients 2024; 16: 876
  10. Wilhelmi de Toledo F et al., PLoS One 2019; 14: e0209353
  11. Mesnage R et al., J Nutr Sci 2019; 8: e36
  12. Wilhelmi de Toledo F et al., Forsch Komplementmed 2013; 20: 434–43
  13. https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-confirms-recommendations-minimise-ketoacidosis-risk-sglt2-inhibitors-diabetes
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