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Studien-Update

Studien-Update

Magen-Darm und Leber

Ines Schulz-Hanke

25.9.2026

Nutzen eines Sigmoidoskopie-Screenings zur Karzinomprävention +++ Gastrische Neoplasmen: KI hilfreich? +++ Propofol als Sedativum hat bei Koloskopien gewisse Vorteile +++ Gendermedizin bei Leberzirrhose +++ Eine Uhr für Leberproteine

Nutzen eines Sigmoidoskopie-Screenings zur Karzinomprävention

In einer kontrollierten bevölkerungsbasierten Studie (NORCCAP, Norwegian Colorectal Cancer Prevention) wurde der Einfluss einer einmaligen Sigmoidoskopie auf Inzidenz und Mortalität durch Kolorektalkarzinome (CRC) nach 23 Jahren untersucht. Einbezogen wurden knapp 100 000 Menschen ohne CRC im Alter von 50 bis 64 Jahren, davon 20 552 in der Screening-Gruppe. Bei Männern lag das kumulative 23-Jahres-Risiko für ein CRC nach Screening bei 4,3 %, ohne bei 6 %. Die Werte für Frauen lagen bei 4,2 % und 4,7 %. Das kumulative CRC-bedingte Sterberisiko erreichte bei Männern mit Screening 1,4 % und lag bei 2,2 % ohne Screening, bei Frauen waren es 1,3 % und 1,4 %. Am deutlichsten waren die Effekte für Rektosigmoidkarzinome. Proximale CRC, die durch die Sigmoidoskopie nicht erfasst werden, waren bei Frauen häufiger als bei Männern.

Fazit: Das in Norwegen angebotene Sigmoidoskopie-Screening trägt dazu bei, die CRC-Inzidenz zu senken, allerdings bei Männern stärker als bei Frauen. Die CRC-bedingte Mortalität sank nur bei Männern. Es bleibt zu prüfen, welche individualisierten Strategien (Koloskopie, wiederholtes fäkales immunchemisches Screening) den Nutzen für beide Geschlechter erhöhen. 

Botteri E et al., Ann Intern Med 2026; 179(6): 804–11

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Gastrische Neoplasmen: KI hilfreich?

Die Qualitätskontrolle und Identifikation von Läsionen in der gastrointestinalen Endoskopie profitieren offenbar vom Einsatz künstlicher Intelligenz (KI). Bisher fehlen jedoch große multizentrische Studien zur Effektivität KI-assistierter Anwendungen bei der Endoskopie des Magens.

In einer randomisierten, kontrollierten, multizentrischen Real-World-Studie mit knapp 30 000 Teilnehmenden war die Detektionsrate gastrischer Neoplasmen mit KI besser als ohne ihren Einsatz. Der Vorteil verschwand aber, nachdem die Ergebnisse nicht nur vor Ort pathologisch validiert worden ­waren, sondern auch eine rigorose zentrale pathologische Kontrolle durchlaufen hatten. Subgruppen-Analysen lassen vermuten, dass die Zuhilfenahme von KI bei weniger erfahrenen oder müden Untersuchenden vorteilhaft sein könnte.

Fazit: In dieser chinesischen Studie konnte insgesamt kein Vorteil für die Detektion gastrischer Neoplasmen durch KI-Anwendung festgestellt werden. Für die Entwicklung von effektiven KI-Anwendungen ist weitere Forschung nötig. Eine zentrale pathologische Validierung ist dabei offenbar elementar. 

Dong Z et al., Gastroenterol 2026; 170: 1518–32

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Propofol als Sedativum hat bei Koloskopien gewisse Vorteile

Eine Cochrane-Arbeitsgruppe hat in einer Metaanalyse erneut die Sedierung mit Propofol in der Koloskopie bei Erwachsenen untersucht. Sie verglich

die Effekte des Medikaments mit jenen von Opioiden, Benzodiazepinen oder ihrer Kombination und wertete dazu 33 randomisierte kontrollierte Studien aus (n = 12 485).

Verglichen mit den traditionellen Sedativa kann Propofol die Erholungszeit der Patientinnen und Patienten nach der Sedierung um etwa 3 Minuten verkürzen und die Patientenzufriedenheit steigern. Die Effekte auf die Zeit bis zur Entlassung aus der Endoskopie-Station und die Schmerzlinderung sind aber noch unsicher. Die Raten für Zökum­intubation, interventionsbedürftige respiratorische Ereignisse oder Kolonperforationen wich mit Propofol kaum oder gar nicht von den Vergleichsregimes ab. ­Apnoe-Ereignisse, Krankenhauseinweisungen und Tod waren in keiner der einbezogenen Studien dokumentiert worden.

Fazit: Eine Sedierung mit Propofol kann die Erholungszeit nach einer Koloskopie gegenüber traditionellen Sedativa verkürzen und die Patientenzufriedenheit erhöhen. Die Sicherheit wird dabei offenbar nicht beeinträchtigt, jedoch sind noch nicht alle Aspekte untersucht. 

Johnson G et al., Cochrane Database Syst Rev 2025; 10(10): CD006268

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Gendermedizin bei Leberzirrhose

Inwiefern sich der Verlauf einer Leberzirrhose (LZ) sowie die Gesamt- und spezifische Mortalität zwischen Frauen und Männern unterscheiden, beleuchteten Forschende in einer retrospektiven Kohortenstudie. Sie nutzten die Daten von hospitalisierten Erwachsenen mit LZ aus der Datenbank des California Department of Healthcare und stellten 110 044 passende Männer-Frauen-Paare zusammen.

Die 10-Jahres-Gesamtmortalität war bei Frauen geringer als bei Männern (58,2 % vs. 59,8 %), ebenso die kardiovaskuläre (10,5 % vs. 11,9 %) sowie die durch ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) bedingte Mortalität (3,6 % vs. 5,4 %). Non-HCC-bedingt starben mehr Frauen als Männer (20,9 % vs. 19,0 %). Frauen < 50 Jahren oder mit alkoholassoziierter LZ hatten ein höheres leberassozi­iertes Mortalitätsrisiko. Frauen erhielten seltener ein Lebertransplantat.

Fazit: Die Genderunterschiede sollten in Leitlinien zu LZ-Management und Transplantatzuteilung berücksichtigt werden, fordert das Autorenteam. 

Su X et al., JAMA Netw Open 2026; 9(7): e2622711

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Eine Uhr für Leberproteine

Die Leber setzt die meisten der zirkulierenden Plasmaproteine frei und steuert so die Kommunikation zwischen Organen. Welche Mechanismen diese Proteinsekretion regulieren, war bisher unklar. Eine Studie mit Mäusen und Menschen ergab nun, dass die hepatische Proteinsekretion einem Tag-Nacht-Rhythmus folgt, der durch Nahrungsaufnahme ­reguliert wird. Am Anfang des Sekretionspfads freigesetzte Proteine haben offenbar ein rhythmisches Expressionsprofil. Hierfür ist ein zirkadianes Uhrensystem zuständig, an dem Transkriptionsregula­toren beteiligt sind. Außerdem wird die Leber-

Glykogenolyse für die Protein-N-Glykosylierung

in endoplasmatischem Retikulum (ER) und Golgi-Apparat sowie für die Proteinsekretion gebraucht. Wird sie pharmakologisch oder durch Nahrung

gestört, erzeugt dies ER-Stress und schwächt den Proteinrhythmus.

Fazit: Der Glykogenstoffwechsel der Leber ist zirkadianer Regulator der Leber-Proteinsekretion. 

Weger M A et al., Nature Metabolism 2026; 8: 327–49

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