hidradenitis suppurativa bei neu diagnostizierter CED +++ Dermatologisches Spektrum bei Morbus Still +++ Kutane Vaskulitis bei systemischem Lupus erythematodes +++ Inflammatorische Myositiden +++ Tumorassoziierte Dermatomyositis
hidradenitis suppurativa bei neu diagnostizierter CED
Die populationsbasierte Kopenhagener Inzeptionskohorte untersuchte 527 Patientinnen und Patienten mit neu diagnostizierter entzündlicher Darmerkrankung (CED) und fragte, wie häufig gleichzeitig eine Hidradenitis suppurativa (HS) vorliegt und ob diese Hauterkrankung mit einem schwereren internistischen Phänotyp assoziiert ist. Die Prävalenz der HS betrug insgesamt 5,5 %; bei Morbus Crohn lag sie bei 8 %, bei Colitis ulcerosa bei 3,9 %. Methodisch wurde HS mittels validierter Selbstauskunft und dermatologischer Untersuchung identifiziert. Klinisch aufschlussreich ist, dass die Betroffenen mit HS einen höheren BMI aufwiesen und vor allem deutlich häufiger extraintestinale Manifestationen hatten als CED-Patientinnen und -Patienten ohne HS (79,3 % vs. 41,2 %; p < 0,001). Die Autorinnen und Autoren folgern deshalb, dass HS bei neu diagnostizierter CED keineswegs eine zufällige Begleiterkrankung ist, sondern mit höherer Krankheitslast und größerer Schwere verknüpft sein kann.
Fazit: Auch eine häufigere entzündliche Dermatosis kann – in der richtigen klinischen Konstellation – ein relevanter Marker für systemische Entzündung, Krankheitslast und therapeutischen Bedarf sein.
Nielsen VW et al., J Crohns Colitis 2025; 19: jjaf066
Dermatologisches Spektrum bei Morbus Still
Still-Erkrankungen gehören zwar nicht zu den klassischen Lehrbuch-Indikatordermatosen der Inneren Medizin, aber die Arbeit zeigt exemplarisch, wie Hautbefunde eine systemische inflammatorische Erkrankung anzeigen und deren Aktivität abbilden können. Am häufigsten fanden sich das typische salmonfarbene evaneszente Exanthem (63,9 %), gefolgt von Makulae (7,7 %), urtikariellen Eruptionen (5,9 %), Erythemen (5,2 %) und persistierenden juckenden Papeln/Plaques (4,8 %).
Insgesamt wurden atypische Exantheme bei 21,2 % beschrieben. Besonders relevant für die Systemperspektive: Das typische salmonfarbene Exanthem war signifikant häufiger bei einem systemischen Aktivitätsscore ≥ 7.
Fazit: Die Arbeit zeigt, dass die Haut bei autoinflammatorischen Systemerkrankungen ein früh sichtbares, phänotypisches Fenster zur systemischen Entzündung darstellt.
Calabrese L et al., Rheumatology (Oxford) 2026; 65: keaf512
Kutane Vaskulitis bei systemischem Lupus erythematodes
Diese retrospektive Analyse zum Thema Haut als Systemmarker untersuchte 1 021 SLE-Erkrankte, davon 64 mit kutaner Vaskulitis (CV). Die zentrale Fragestellung lautete, ob die kutane Vaskulitis lediglich ein Hautbefund oder vielmehr ein Kennzeichen eines spezifischen, schwereren systemischen Lupus-Phänotyps ist. Die Ergebnisse sprechen klar für Letzteres. Die Prävalenz der CV betrug 6,27 %. Im Vergleich zu SLE-Betroffenen ohne CV zeigten die Patientinnen und Patienten mit CV häufiger konstitutionelle Symptome (87,5 % vs. 76,2 %), Gelenkmanifestationen (96,9 % vs. 87,3 %), ZNS-Beteiligung (15,6 % vs. 6,6 %) und vor allem Herzinsuffizienz (14,1 % vs. 4,4 %).
Die klinische Schlussfolgerung der Autorengruppe ist eindeutig: Kutane Vaskulitis bei SLE ist ein Marker schwererer Systemerkrankung. Sie korreliert mit Organmanifestationen in prognostisch kritischen Kompartimenten, insbesondere Herz und ZNS, und sollte daher nicht als rein dermatologisches Add-on abgetan werden. Die Hautbefunde können eine früh sichtbare „Red Flag“ für einen Eskalationsbedarf in Diagnostik, Monitoring und Therapie darstellen.
Fazit: Im interdisziplinären Management des SLE können Hautzeichen helfen, Hochrisikopatienten und - patientinnen früher zu identifizieren.
Kosałka-Węgiel J et al., PAIM 2025; doi:10.20452/pamw.17077
Inflammatorische Myositiden
Diese griechische Kohortenstudie analysierte 113 Fälle idiopathischer inflammatorischer Myositiden aus den Jahren 2001–2024. Die Studie zeigt einen deutlich abgrenzbaren Phänotyp: Anti-TIF1γ-Positivität war hochsignifikant mit Dermatomyositis assoziiert (95 %, p < 0,001) und ging mit deutlich schwererer kutaner Aktivität einher; der mittlere CDASI lag bei 27,35 gegenüber 14,0 in der Anti-TIF1γ-negativen Gruppe (p = 0,0015). Gleichzeitig war die Malignitätsrate in der Anti-TIF1γ-positiven Gruppe deutlich höher als bei negativen Patienten und Patientinnen (60 % vs. 20,4 %), mit einer Odds Ratio von 5,84. Dermatologisch bedeutet das: Eine ausgeprägte Dermatomyositis mit hohem kutanem Aktivitätsscore kann – insbesondere bei Anti-TIF1γ-Positivität – ein hochwertiger Marker für Malignität darstellen.
Fazit: Nicht allein das klinische Exanthem, sondern dessen Kombination mit antikörperdefiniertem Subtyp bestimmt den onkologischen Risikowert. Die kutane Manifestation zieht prognostische und diagnostische Konsequenzen nach sich.
Syrmou V et al., Mediterr J Rheumatol 2025; 36: 200–9
Tumorassoziierte Dermatomyositis
Diese multizentrische retrospektive Kohortenstudie aus 16 französischen Zentren untersuchte 73 Patientinnen und Patienten mit tumorassoziierter Dermatomyositis (DM). Methodisch wurden klinische und onkologische Verlaufsdaten mit zeitabhängigen Cox-Modellen ausgewertet.
Als primärer Endpunkt diente das Erreichen einer kompletten klinischen Response der DM, sekundär wurde das Gesamtüberleben untersucht. Im Kollektiv betrug das mediane Follow-up 3,92 Jahre. Während der Nachbeobachtung erreichten 40 von 73 Betroffenen eine Tumorremission; von diesen zeigten 28 Personen, also 70,0 %, auch eine komplette klinische DM-Response. Umgekehrt war eine Tumorprogression häufig mit einem Wiederaufflammen der DM assoziiert.
Fazit: Bei adulten Erkrankten mit neu auftretender oder rezidivierender Dermatomyositis muss die Hautmanifestation als Warnsignal einer okkulten oder progredienten Malignität verstanden werden.
Teboul A et al., Rheumatology (Oxford) 2025; 64: 2970–8