Mehr Checkpointblockade ist adjuvant nicht besser +++ mRNA-Neoantigen-Therapie zeigt Anhaltenden Effekt nach 5 Jahren +++ STAMP: Adjuvantes Pembrolizumab beim resezierten Merkelzellkarzinom +++ Cosibelimab beim Plattenepithel-CA +++ Längeres OS mit Cemiplimab
Mehr Checkpointblockade ist adjuvant nicht besser
Mit der Phase-III-Studie KEYVIBE-010 wurde untersucht, ob sich die Wirksamkeit einer adjuvanten PD-1-Therapie beim resezierten Hochrisiko-Melanom durch zusätzliche TIGIT-Blockade steigern lässt. Einbezogen wurden 1 402 Patientinnen und Patienten ab 12 Jahren mit vollständig reseziertem kutanem Melanom der Stadien IIB–IV. Randomisiert wurde im Verhältnis 1 : 1 zwischen der Fixkombination aus dem Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab (200 mg) plus Pembrolizumab (200 mg) und Pembrolizumab allein, jeweils alle 3 Wochen. Primärer Endpunkt war das rezidivfreie Überleben (RFS). Die Studie lieferte ein klares negatives Ergebnis. Bereits nach median 4,2 Monaten waren 119 RFS-Ereignisse dokumentiert: 67 unter Vibostolimab/Pembrolizumab gegenüber 52 unter Pembrolizumab. Die Hazard Ratio für Rezidiv oder Tod betrug 1,25 (95%-KI 0,9 –1,8) und zeigte damit keinerlei Hinweis auf einen Vorteil der zusätzlichen TIGIT-Blockade. Die Studie wurde daraufhin entsprechend den vorab definierten Futility-Kriterien beendet. Gleichzeitig war die Kombination toxischer.
Fazit: Für Patientinnen und Patienten mit reseziertem Hochrisiko-Melanom bleibt die PD-1-Monotherapie etablierter Referenzstandard.
Dummer R et al., Lancet Oncol 2026; 27: 327–39
mRNA-Neoantigen-Therapie zeigt Anhaltenden Effekt nach 5 Jahren
Zu den innovativen immunonkologischen Ansätzen beim Melanom gehört Intismeran autogene. Dabei handelt es sich um eine individualisierte mRNA-basierte Neoantigen-Therapie, die anhand des Mutationsprofils des jeweiligen Tumors bis zu 34 patientenspezifische Neoantigene kodiert. In der Phase-IIb-Studie KEYNOTE-942 erhielten 157 Patientinnen und Patienten mit vollständig reseziertem Hochrisiko-Melanom im Stadium IIIB–IV entweder Intismeran plus Pembrolizumab oder Pembrolizumab allein.
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 60,3 Monaten war das Risiko für Rezidiv oder Tod unter der Kombi gegenüber Pembrolizumab allein um 49 % reduziert (HR 0,51; 95%-KI 0,294 – 0,887). Für das fernmetastasenfreie Überleben lag die Risikoreduktion bei 59 % (HR 0,411; 95%-KI 0,200 – 0,843).
Fazit: Die Studie liefert einen Proof of Concept für eine individualisierte, tumorspezifische Immuntherapie.
Khattak A et al., J Clin Oncol 2026; doi:10.1200/JCO-26-00835
STAMP: Adjuvantes Pembrolizumab beim resezierten Merkelzellkarzinom
Das Merkelzellkarzinom (MCC) weist selbst nach vollständiger Resektion ein erhebliches Rezidiv- und Metastasierungsrisiko auf. Angesichts der hohen Wirksamkeit von PD-1/PD-L1-Inhibitoren beim fortgeschrittenen MCC liegt eine adjuvante Anwendung nahe. Mit ECOG-ACRIN EA6174/STAMP wurde diese Strategie erstmals in einer großen randomisierten Phase-III-Studie mit Pembrolizumab geprüft. Nach median 47 Monaten Follow-up zeigte sich beim allgemeinen rezidivfreien Überleben (RFS) zwar ein numerischer Vorteil für Pembrolizumab, der primäre statistische Test war jedoch nicht signifikant (p = 0,10). Damit wurde der zentrale Wirksamkeitsendpunkt formal nicht erreicht. Interessanter werden die Ergebnisse bei krankheitsspezifischer Betrachtung. Für einen Endpunkt, der MCC-Rezidive und MCC-bedingte Todesfälle erfasste, betrug die Hazard Ratio 0,66 (90%-KI 0,45 – 0,96; p = 0,032). Die entsprechenden RFS-Raten lagen nach 1 Jahr bei 84 % versus 73 % und nach 2 Jahren bei 77 % versus 67 %. Auch beim fernmetastasenfreien Überleben zeigte sich ein Vorteil zugunsten von Pembrolizumab (p = 0,05). Explorative Analysen deuteten zudem darauf hin, dass eine sequenzielle Radiotherapie vor Beginn der Immuntherapie günstiger sein könnte als eine zeitgleiche Anwendung.
Fazit: STAMP liefert Evidenz für die weitere Entwicklung der adjuvanten Immuntherapie beim MCC, rechtfertigt aber noch keinen undifferenzierten Einsatz.
Mehnert JM et al., J Clin Oncol 2026; LBA9505
Cosibelimab beim Plattenepithel-CA
Beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten kutanen Plattenepithelkarzinom (cSCC) hat die PD-1/PD-L1-Achse die systemische Therapie grundlegend verändert. Langzeitdaten einer pivotalen offenen Studie mit Cosibelimab untersuchten getrennte Kohorten mit metastasiertem cSCC und lokal fortgeschrittenem cSCC.
Nach median 29,3 Monaten Follow-up erreichten Betroffene mit metastasiertem cSCC eine objektive Ansprechrate von 50,0 %. Bemerkenswert ist, dass 12,8 % komplette Remissionen erreichten. Beim lokal fortgeschrittenen cSCC betrug die ORR nach median 24,1 Monaten sogar 54,8 %, darunter 25,8 % komplette Remissionen. Die mediane Ansprechdauer war in beiden Kohorten noch nicht erreicht. Auch das Sicherheitsprofil erscheint bemerkenswert. Immunvermittelte unerwünschte Ereignisse (irAE) wurden bei 27,6 % beobachtet; Ereignisse vom Grad 3 traten bei 3,6 % auf, keine Grad-4- oder Grad-5-irAE.
Fazit: Komplette Remissionen im Verlauf könnten zukünftig häufiger werden und Patientinnen sowie Patienten über Jahre stabil bleiben.
Ruiz ES et al., J Am Acad Dermatol 2026; 94: 48–56
Längeres OS mit Cemiplimab
Randomisierte Vergleichsstudien zwischen moderner PD-1-Blockade und den früher eingesetzten systemischen Therapien des fortgeschrittenen kutanen Plattenepithelkarzinoms (cSCC) fehlen weitgehend. Die französische TOSCA-Studie adressiert diese Evidenzlücke mit einer großen multizentrischen Real-World-Analyse. Verglichen wurden Personen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem cSCC, die 2018/2019 Cemiplimab erhalten hatten, mit einer Kohorte mit konventionellen systemischen Therapien.
Das mediane Gesamtüberleben betrug unter Cemiplimab 21,2 Monate vs. 9,8 Monaten (HR 0,57; 95%-KI 0,45– 0,73; p < 0,0001). Beim progressionsfreien Überleben waren es median 13,7 vs. 5,3 Monate (HR 0,57; 95%-KI 0,43– 0,76; p = 0,0001). UAW wurden bei 27 % der Cemiplimab- und 33 % der historisch behandelten Erkrankten dokumentiert.
Fazit: Die Real-World-Studie liefert Evidenz dafür, dass die aus klinischen Studien bekannte Wirksamkeit von Cemiplimab auch unter Versorgungsbedingungen erhalten bleibt.
Robert C et al., Eur J Cancer 2026; 238: 116596
Bildnachweis: Jobalou (iStockphoto)