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Dermatologie

Studien-Update

Autoimmunerkrankungen der Haut

Anton Müller

30.8.2021

Sublinguales Tofacitinib bei Alopecia areata

Tofacitinib wird off-label zur Behandlung von Alopecia areata (AA) eingesetzt, doch unterliegt oral verabreichtes Tofacitinib einem umfangreichen hepatischen Metabolismus und hat eine Halbwertszeit von nur drei Stunden; eine sublinguale Verabreichung umgeht diesen Metabolismus. Im Zuge vorliegender Studie wurden alle Responder (≥ 50 % Reduktion des SALT-Scores, SALT50) einer vorangegangenen Studie mit Cyclosporin bzw. Placebo weiterbehandelt, während die Non-Responder 12 Wochen lang mit sublingualem Tofacitinib (5 mg zweimal täglich) behandelt wurden. Das Ansprechen wurde als Reduktion des SALT-Scores gemessen (gering: 15–29 %, mittel: 30–49 %, gut: 50–75 %, hoch: 75–100 %). Das Gesamtansprechen auf die Behandlung mit Tofacitinib betrug 37,5 %. SALT50 wurde bei 12,5 % erreicht. Die mittlere ­Verbesserung des SALT-Scores lag bei 15,57 %. Die mittlere maximale Plasmakonzentration betrug 43,18 ng/ml und trat nach einer Stunde auf; die ­Eliminationshalbwertszeit wird auf bis zu 11 Stunden geschätzt.

{ Fazit Mit sublingualem Tofacitinib kann eine deutlich längere Halbwertszeit erreicht werden. }
Int J Dermatol 2021 May 18; doi: 10.1111/ijd.15657

Hautaktivität bei PSS

In einer aktuellen Studie wurden Prävalenz und ­Bedeutung von dermatologischen Störungen beim primären Sjögren-Syndrom (pSS) anhand von zwei pSS-Kohorten (aus den Studien ASSESS und diapSS) sowie der Ausgangsdaten der TEARS-Studie bestimmt. Hautmanifestationen, die in den EULAR-Sjögren-Syndrom-Krankheitsaktivitätsindex (ESSDAI) aufgenommen wurden, waren in der ASSESS-Kohorte selten (4,1 %), aber sie waren mit Aktivität in anderen ESSDAI-Domänen assoziiert (peripher-neurologisch, muskulär, hämatologisch, biologisch, Anam­nese von Arthritis, Splenomegalie sowie höhere ­Gamma-Globulin-Werte). In der diapSS-Kohorte wiesen die pSS-Patienten mit dermatologischer Konsultation im Vergleich zu pSS-Patienten ohne dermatologische Konsultation signifikant mehr kutane Beteiligung außerhalb des ESSDAI-Scores auf (38,2 % vs. 15,9 %). Die TEARS-Studie zeigte eine hohe Prävalenz kutaner Trockenheit (48,2 %) und belegte, dass Patienten mit trockener Haut auch höhere VAS-Scores für Schmerzen aufwiesen.

{ Fazit ESSDAI-Hautaktivität ist selten und geht mit Hypergammaglobulinämie und ESSDAI-Aktivität einher. }
Joint Bone Spine 2021 Feb 19; 88: 105162

Kaltes atmosphärisches Plasma bei Vitiligo

Kaltes atmosphärisches Plasma (KAP) kann eine Verbesserung der derzeitigen Therapieoptionen bei Vitiligo darstellen. In der vorliegenden Studie stellte die topische Behandlung vitiligoähnlicher Läsionen auf der Haut von Mäusen mittels KAP die Verteilung von Melanin in Hautbiopsien wieder her. Darüber hinaus reduzierte KAP die Infiltration von CD11c+ dendritischen Zellen, CD3+ T-Zellen und CD8+ T-Zellen und hemmte die Freisetzung von Chemokin (C-X-C-Motiv)-Ligand 10 und des Zytokins Interferon-gamma. KAP verbesserte auch die zelluläre Resistenz gegen oxidativen Stress sowie eine übermäßige Immunantwort, indem die Expression des Transkriptionsfaktors Nrf2 gesteigert und die Aktivität der induzierbaren NO-Synthase gedämpft wurde. In der randomisierten und kontrollierten Studie erzielte die Behandlung bei 80 % eine partielle und bei 20 % eine vollständige Repigmentierung der Läsionen, ohne dass es zu einer Hyperpigmentierung oder anderen unerwünschten Ereignissen kam.

{ Fazit KAP stellt eine vielversprechende Option für die Behandlung von Vitiligo dar. }
J Invest Dermatol 2021 May 21; S0022-202X(21)01237-9

Sklerodermie

Bei der Pathogenese der Sklerodermie spielen Th17-Zellen und proinflammatorische Zytokine eine wichtige Rolle. Da Metformin immunregulatorische Funktionen aufweist, wurde seine therapeutische Funktion bei Sklerodermie im Mausmodell untersucht. Die histologische Beurteilung zeigte protektive Effekte von Metformin: Es verringerte die Expression von proinflammatorischen Faktoren in dermalem Gewebe sowie in den Lymphozyten und verringerte sowohl in vivo als auch in vitro die mRNA-Expression von proinflammatorischen Zytokinen sowie Fibrose-induzierenden Molekülen. Um zu untersuchen, wie Metformin den Entzündungsprozess in Hautfibroblasten moduliert, wurde die mTOR-STAT3-Signalübertragung in Hautfibroblasten gemessen; dabei zeigte sich, dass die phosphory­lierte mTOR- und phosphorylierte STAT3-Proteinexpression verringert wurden.

{ Fazit Metformin besitzt das Potenzial zur Behandlung der Sklerodermie. }
J Transl Med 2021 May 4; 19: 192

Differenzialdiagnose stellen: HLP und SCC

Die Unterscheidung eines hypertrophen Lichen ­planus (HLP) von einem Plattenepithelkarzinom (SCC) kann aufgrund sich überschneidender klinischer und histopathologischer Merkmale diagnostisch schwierig sein. Die Autoren vorliegender Studie verglichen 12 histopathologische Merkmale von 15 HLP- und 11 SCC-Biopsien. Anschließend wurden 16 Fälle überprüft, die als atypische SCC-Proliferationen diagnostiziert wurden. Ein auf signifikanten Unterschieden basierendes Scoring-System wurde entwickelt, um die Klassifizierung schwieriger Fällen zu erleichtern. Ein „unbestimmtes“ Ergebnis erhielten 56 % der schwierigen Fälle. Ein Score, der HLP begünstigte, hatte eine Sensitivität von 44 % und eine Spezifität von 71 %. Das System war nicht in der Lage, anhand der histopathologischen Merkmale schwierige Fälle zu unterscheiden, da viele dieser Fälle histologische Merkmale aufwiesen, die aufgrund der oberflächlichen Natur der Biopsie nicht ausgewertet werden konnten.

{ Fazit Eine tiefe Keil- oder Stanzbiopsie kann die Differenzialdiagnose von HLP und SCC erleichtern. }
Am J Dermatopathol 2021 May 1; 43(5): 349–355

Bildnachweis: Jobalou (iStockphoto)

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