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Dermatologie

Studien-Update

Reiseassoziierte Hauterkrankungen

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

21.8.2026

Kutane Larva migrans: nicht nur eine importierte Tropendermatose +++ Mobilitäts- und kontaktassoziierte Dermatophilose bei CIS-Männern +++ Unterschiedliche Spektren importierter Hauterkrankungen +++ Ausbreitung von Mpox Analysiert +++ Importierte s.-aureus-Stämme

Kutane Larva migrans: nicht nur eine importierte Tropendermatose

Die Studie untersuchte retrospektiv das Auftreten der kutanen Larva migrans im US-amerikanischen Military Health System. Ausgangspunkt waren 272 Personen, bei denen zwischen Oktober 2012 und September 2018 ein Diagnosecode für eine Hakenwurminfektion dokumentiert worden war. Nach Prüfung der Krankenakten bestätigte sich bei 72 Patientinnen und Patienten – lediglich 26,4 % der codierten Fälle – klinisch eine kutane Larva migrans. Die ausgeprägte Diskrepanz zwischen Abrechnungscode und bestätigter Diagnose verdeutlicht die begrenzte Aussagekraft rein administrativer Daten für die Surveillance dieser Dermatose.

Bemerkenswert war, dass nur 30,6 % der bestätigten Fälle eine internationale Reise innerhalb der vorausgegangenen 3 Monate aufwiesen. Von diesen Reisen führten rund zwei Drittel nach Lateinamerika oder in die Karibik. Dagegen wurden 69,4 % der Erkrankungen ohne dokumentierte Auslandsreise diagnostiziert; 80 % dieser vermutlich autochthonen Fälle traten in den südlichen US-Bundesstaaten auf. Als typische Expositionen fanden sich Strandaufenthalte, Barfußlaufen und Kontakt zu Hunden.

Fazit: Die Erkrankung sollte bei typischer Morphologie auch ohne Tropenreise berücksichtigt werden.

Crecelius EM et al., Open Forum Infect Dis 2026; 13: ofag129

Mobilitäts- und kontaktassoziierte Dermatophilose bei CIS-Männern

Von 9 Dermatophilosefällen, die zwischen Dezember 2025 und März 2026 in Barcelona diagnostiziert wurden, waren alle Betroffenen cisgeschlechtliche Männer, die Sex mit Männern haben. Davon lebten 4 Patienten mit HIV, 3 nahmen eine HIV-Präexpositionsprophylaxe ein. Eine Exposition gegenüber Nutz- oder Wildtieren – der klassische Übertragungsweg von Dermatophilus congolensis – ließ sich bei keinem Patienten ermitteln. Die Gesamtgenomsequenzierung von 7 Isolaten ergab einen eng verwandten Cluster mit nur 0 – 4 Einzelnukleotid-Varianten. Die vergleichsweise geringe genomische Übereinstimmung mit etablierten Referenzstämmen deutete zugleich auf eine bislang unzureichend charakterisierte Linie oder ein neues Taxon innerhalb der Gattung Dermatophilus hin.

Fazit: Die Arbeit zeigt, wie urbane Mobilität und sexuelle Netzwerke bislang überwiegend zoonotisch eingeordnete Hautinfektionen verändern können. 

Descalzo V et al., Emerg Infect Dis 2026; 32: 964–9

Unterschiedliche Spektren importierter Hauterkrankungen

Eine retrospektive multizentrische Studie analysierte die zwischen 2009 und 2024 im spanischen +REDIVI-Netzwerk erfassten kutanen Erkrankungen. Verglichen wurden klassische Reisende, Migranten und Migrantinnen sowie Personen, die Freunde oder Verwandte besuchten – sogenannte Visiting-Friends-and-Relatives-Reisende (VFR). Ziel war es, Unterschiede im dermatologischen Diagnosespektrum zwischen diesen Gruppen zu identifizieren.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Abhängigkeit der Diagnosen vom Mobilitätsmuster. Die kutane Larva migrans wurde überwiegend bei klassischen Reisenden festgestellt: Sie betraf 13,33 % dieser Gruppe, gegenüber 4,8 % bei VFR-Reisenden und 1,6 % bei Zugewanderten. Der Unterschied war statistisch signifikant. Damit bestätigt die Studie die enge Assoziation der kutanen Larva migrans mit kurzfristigen touristischen Expositionen, beispielsweise dem Barfußlaufen oder Liegen auf kontaminiertem Sand in tropischen sowie subtropischen Regionen. Ein gegenläufiges Muster zeigte sich bei der Skabies. Sie wurde bei Migrantinnen und Migranten mit 12,0 % erheblich häufiger diagnostiziert als bei Reisenden mit 3,4 % und bei VFR-Reisenden mit 5,8 %.

Fazit: Der Begriff „reiseassoziierte Dermatose“ bezeichnet keine einheitliche Krankheitsgruppe. Die Reiseanamnese sollte deshalb nicht nur Zielregion und Aufenthaltsdauer erfassen. 

Gayoso-Cantero D et al., Travel Med Infect Dis 2026; 103010

Ausbreitung von Mpox Analysiert

Diese Studie analysierte die internationale Ausbreitung von Mpox-Erkrankungen durch das Monkeypox-Virus der Klade Ib. Grundlage waren Meldungen an die Weltgesundheitsorganisation über die International Health Regulations und ergänzende publizierte Informationen. Insgesamt führten 25 reiseassoziierte Indexfälle zu 34 dokumentierten Sekundärinfektionen. Unter den erwachsenen Sekundärfällen wurde bei 60 % eine sexuelle oder wahrscheinlich sexuelle Übertragung angenommen. Die Übertragung erfolgte jedoch nicht ausschließlich im sexuellen Kontext: Ein erheblicher Anteil betraf Frauen und Kinder aus dem familiären oder häuslichen Umfeld männlicher Indexfälle. Die mittlere serielle Zeitspanne zwischen Erkrankungsbeginn bei Index- und Kontaktperson betrug 12 Tage. Die geschätzte sekundäre Erkrankungsrate lag bei sexu­ellen Kontakten bei 73 %, bei Haushaltskontakten dagegen bei 17 %.

Fazit: Die Studie zeigt, wie rasch eine regional zirkulierende Virusvariante durch internationale Mobilität in neue Übertragungsketten gelangen kann. 

Laurenson-Schafer H et al., Emerg Infect Dis 2026; 32: 225–8

Importierte s.-aureus-Stämme

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin untersuchte S.-aureus-positive Erkrankte der tropenmedizinischen Ambulanz, der Dermatologie und – als Vergleichsgruppe – des gesamten Universitätsklinikums. In der tropenmedizinischen Ambulanz wurde eine Mupirocin­resistenz bei 3,1 % der Erkrankten nachgewiesen, in der Dermatologie waren es 1,1 % und im gesamten Klinikum 0,5 %. In der Tropenmedizin nahm der Anteil mupirocinresistenter Isolate mit einem Inzidenzratenverhältnis von 1,64 pro Jahr signifikant zu (Dermatologie 1,37; Gesamtklinikum 1). Die Zunahme war nicht mit einem parallelen Anstieg methicillinresistenter S.-aureus-Stämme verbunden. Nur 4,2 % der Mup-RSA-Isolate aus der Tropenmedizin und 4,3 % der Isolate aus der Dermatologie waren zugleich MRSA (Gesamthospital 22,5 %). Mupirocinresistenz ist im reisemedizinischen Kontext somit überwiegend ein Problem methicillinsensibler S.-aureus-Stämme.

Fazit: Bei Infektionen nach Tropenreisen sollte neben der Methicillinresistenz auch die gegenüber Mupirocin geprüft werden. 

Moreno-del Castillo MC et al., N Microb N Infect 2026; 71: 101740

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