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Gynäkologie

Stillzeit

Stillen reduziert das kardiovaskuläre Risiko

Dr. rer. nat. Christine Reinecke

17.5.2022

Es ist nicht nur gesund für das Kind, sondern auch für die Mutter: Das Stillen ist mit einem niedrigeren Risiko für zukünftige kardiovaskuläre Ereignisse verbunden. Das zeigte eine Metaanalyse mit über einer Million Frauen.

Die ersten sechs Monate ausschließlich zu stillen, das empfiehlt die WHO, dann bis zum zweiten Lebensjahr weiter zu stillen oder zufüttern. Eine globale Metaanalyse zeigte jedoch, dass nur 37% der Kinder unter sechs Monaten in ärmeren Ländern voll gestillt werden; in den entwickelten Ländern werden nur 20% der Kinder mit zwölf Monaten noch gestillt. Einzelne Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen dem Stillen und einem reduzierten kardiovaskulären Risiko hin, der sich mit der Stilldauer erhärtet. Die American Heart Association konstatierte 2021, dass „Laktation und Stillen das spätere kardiovaskuläre Risiko erniedrigen kann“. Dennoch gibt es Widersprüche über die Stärke der Assoziation und der Dosis-Wirkungsbeziehung. Daher untersuchte eine Forschungsgruppe aus Innsbruck, Österreich und Cambridge, Großbritannien, systematisch die Evidenz einer solchen Assoziation. Dazu nahmen die Forscher acht prospektive Studien mit 1.192.700 stillenden Frauen unter die Lupe. Diese waren bei Studienbeginn durchschnittlich 51,3 Jahre alt und 24,6 Jahre bei der ersten Geburt; die mittlere Anzahl der Geburten betrug 2,3.

Geringeres Risiko über ein Jahr    

982.566 Frauen (82%) hatten jemals gestillt, mit einer mittleren lebenslangen Dauer von 15,6 Monaten. Während des medianen Follow-up von 10,3 Jahren traten 54.226 kardiovaskuläre Erkrankungen, 26.913 koronare Herzerkrankungen, 30.843 Schlaganfälle und 10.766 tödliche kardiovaskuläre Ereignisse auf. In der Zufallseffekt-Metaanalyse wurde der gepoolte adjustierte Risikoquotient von Frauen, die geboren und jemals gestillt hatten und von Frauen, die geboren und niemals gestillt hatten, verglichen: 0,89 für kardiovaskuläre Erkrankung (95% Konfidenzintervall, KI, 0,83–0,95; I2=79,4%), 0,86 für koronare Herzerkrankung (95% KI, 0,78–0,95; I2=79,7%), 0,88 für Schlaganfall (95% KI, 0,79–0,99; I2=79,6%) und 0,83 für tödliche kardiovaskuläre Ereignisse (95% KI, 0,76–0,92; I2=47,7%). Die relative Risikoreduktion betrug damit 11% (95% CI, 5% ‐17%) für kardiovaskuläre Ereignisse, 14% (5% ‐22%) für koronare Herzereignisse, 12% (1% ‐21%) für Schlaganfallereignisse und 17% (8% ‐24%) für tödliche kardiovaskuläre Ereignisse. Die Forscher fanden außerdem eine progressive Risikoreduktion aller kardiovaskulären Ereignisse bei einer lebenslangen Stilldauer von null bis zwölf Monate. Bei einer längeren Stilldauer war die Assoziation unsicher.

Vorteile besser kommunizieren

Stillen ist mit einem reduzierten mütterlichen Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert, vermutlich weil der gesamte Stoffwechsel durch die Laktation zurückgesetzt wird. Schon länger bekannt ist eine Verknüpfung mit Brustkrebs, Eierstockkrebs und Typ 2-Diabetes. Der Vorteil für gestillte Kinder: weniger häufige Atemwegsinfekte und ein weniger wahrscheinlicher Tod durch Infektionserkrankungen.

Tschiderer L et al.: Journal of the American Heart Association. 2022;0:e022746 Originally published11 Jan 2022 https://doi.org/10.1161/JAHA.121.022746

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