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Sonderredaktion

Sonderbericht

Transzervikale RF-Ablation mit dem Sonata®-System

15.10.2020

Die transzervikale Radiofrequenzablation ermöglicht die Entfernung von Myomen mit minimalem Trauma für den Uterus. Das schnittfreie Verfahren eignet sich zur Therapie aller nicht gestielten Myome und erlaubt kurze Liegedauern.

Uterine Myome treten mit einer Inzidenz von 25–30 % auf. Sie können mit Blutungsstörungen, Dyspareunie, druckbedingten Symptomen und Störungen der Fertilität einhergehen.[1] Neben den operativen Standardtherapien (Hysterektomie, Myomenukleation per Laparotomie oder per Laparoskopie sowie operativ-hysteroskopische Resektion) stehen der MRT-gesteuerte fokussierte Ultraschall (HIFU) sowie die uterine arterielle Embolisation (UAE) als interventionell-radiologische Verfahren zur Verfügung. Die medikamentöse Therapie mit Ulipristalacetat wird aktuell nicht empfohlen.

Die transzervikale Radiofrequenzablation (RF-Ablation) mit dem Sonata®-System (Fa. Gynesonics) kombiniert eine miniaturisierte hochauflösende intrauterine Ultraschallsonde (IUUS-Sonde) und ein Radiofrequenzablationshandstück zu einem kompakten Behandlungsgerät. Die transzervikale Durchführung umgeht die Peritonealhöhle und erfordert keine Allgemeinanästhesie, sie kann auch in Regionalanästhesie oder unter Sedierung vorgenommen werden.[2] Das System eignet sich zur Therapie aller nicht gestielten Myome der FIGO-Typen 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 2–5. Lediglich gestielte Myome der Typen 0 und 7 sind der operativ-hysteroskopischen Resektion bzw. der laparoskopischen oder laparotomischen Enukleation vorbehalten.

Die grafische Steuerungssoftware (SMARTGuide) ermöglicht eine exakte Bestimmung der volumetrischen Ablationszone, die unter Echtzeitultraschalldarstellung während der Prozedur kontinuierlich kontrollierbar bleibt, sowie der Sicherheitszone (Abb. 1). Das System (Durchmesser 8,3 mm) wird nach ­Dilatation der Zervix bis Hegar acht transzervikal eingebracht. Nach intrauterin-sonografischer Darstellung des Zielmyoms wird die Ablationszone ausgerichtet. Eine Rundum-Sicherheitskontrolle gewähr­leistet die Beschränkung der Ablation auf das Myom und die Schonung des umgebenden Myometriums und des ggf. angrenzenden Endometriums sowie der Nachbarorgane.

Radiofrequenzenergie und Ablationsdauer werden durch die Steuerungssoftware determiniert. Nach Fixierung des zu abladierenden Myoms mit einem zentralen Dorn („introducer“) werden die Elektroden in den Befund eingebracht und die Eindringtiefe der Elektroden bestimmt. Nach einer erneuten ­Sicherheitsprüfung und Auslösung des automatisierten Ablationsvorganges durch den Operateur ­erfolgt die thermische Koagulation des Myoms.

Auch für tiefere Myome geeignet

Das Sonata®-System kann größere / tiefere Myome behandeln als diejenigen, die für die operative Hysteroskopie geeignet sind. Die Ablationen sind skalierbar von 1,25 cm bis 5 x 4 cm (42 cm3). An den Elektrodenspitzen wird eine Temperatur bis 105 °C erzeugt, die in Abhängigkeit von der Myomgröße über einen Zeitraum von 1,5–7 Minuten appliziert wird. Nach Extraktion des Instrumentes verbleibt das koagulierte Myom in situ. Durch das schnittfreie Vorgehen sind kurze Liegedauern und schnelle Rückkehr zur normalen Tätigkeit möglich. Durch die Ablation ­resultiert eine Nekrose des Myomgewebes, der eine Granulation und entzündungsähnliche Gewebereaktion folgt, die schließlich zur Fibrose und Regression mit Volumenreduktion führt.[3] Die Abschwemmung des nekrotischen Materials erfolgt über den venösen Abfluss und über die Menstruationsblutung, die daher in den ersten postoperativen Zyklen durchaus nochmals verstärkt sein kann.

Eine Indikation zur transzervikalen RF-Ablation symptomatischer Myome ist die Hypermenorrhoe. In der FAST-EU-Studie[2,4] zeigte sich die Menstruationsstärke im „menstrual pictogram score“ um 53,8 % erniedrigt, bei 79,2 % „Respondern“ im Sinne einer klinisch relevanten Reduktion des menstruellen Blutverlustes. Der SSS (Symptom Severity Score) und der HRQoL (Health Related Quality of Life)-Score als Maßskalen des subjektiven Schweregrads der Symptomatik waren signifikant verbessert. Die SONATA-Studie verzeichnete eine Reduktion des menstruellen Blutverlustes von mindestens 50 % bei 64,8 % der Patientinnen nach zwölf Monaten, 99,3 % der Patientinnen erfuhren in diesem Zeitraum keine chirurgische Reintervention.[5] Auch die 2-Jahresdaten zeigen eine signifikante klinische Verbesserung und eine geringe Inzidenz an Reinterventionen (Abb. 2).[6]

Die Behandlung von Patientinnen mit Kinderwunsch ist mit der RF-Ablation nach sorgfältiger Aufklärung möglich. Erste postoperativ spontan konzipierte Schwangerschaften führten zu unkomplizierten Lebendgeburten einschließlich eines Spontanpartus.[7]

[1] Rabe T et al., J Reprod Med Endocrinol 2017; 14: 158–170
[2] Brölmann H et al., Gynecol Surg 2016; 13: 27–35
[3] Toub DB, Curr Obstet Gynecol Rep 2017; 6: 67–73
[4] Garza-Leal JG, J Gynecol Surg 2019; 35: 19–23
[5] Chudnoff S et al., Obstet Gynecol 2019; 133: 13–22
[6] Miller CE et al., J Gynecol Surg 2020; in press
[7] Bends R et al., Int J Womens Health 2018; 10: 367–369

Impressum
Bericht/Konzept/Redaktion: Dr. Reinhard Merz
MiM Verlagsgesellschaft mbH (Neu-Isenburg)
Mit freundlicher Unterstützung der Gynesonics Inc., Redwood City, CA, USA

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