Die Technologie des digitalen Zwillings hat den Sprung von der Theorie in die messbare Praxis geschafft: Das VasioCore®-System liefert einen präzisen Bericht über Arterieneigenschaften und Herzinsuffizienz-Risiko – mit interessanten Abrechnungsmöglichkeiten in der Privatpraxis und im Selbstzahlerbereich.
Ein zentrales Defizit der Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen liegt in der limitierten funktionellen Beurteilbarkeit von Herz und Gefäßen im asymptomatischen Stadium. Screening-Verfahren wie Blutdruckmessung oder die isolierte Pulswellengeschwindigkeit erfassen komplexe hämodynamische Zusammenhänge nur unzureichend. Vor diesem Hintergrund adressiert VasioCore® ein diagnostisches Gap durch die KI-gestützte Rekonstruktion eines individuellen Kardiovaskulären Zwillings auf Basis multipler Pulsdruckwellenmessungen.
Physiologische und methodische Grundlagen
Die Pulsdruckwelle spiegelt das integrative Zusammenspiel von myokardialer Kontraktilität, arterieller Elastizität, Flusswiderstand und Blutrheologie wider. Während etablierte Verfahren der Pulswellenanalyse primär Surrogatmarker wie die Pulswellengeschwindigkeit nutzen, ermöglicht VasioCore® eine modellbasierte Funktionsdiagnostik. Grundlage ist ein weiterentwickeltes Multikompartment-Kreislaufmodell nach Westerhof/Noordergraaf, das mithilfe moderner Software-Simulation von ursprünglich 121 auf 711 Windkessel-Elemente erweitert wurde. Dadurch können realistische Pulswellenformen entlang des gesamten Arterienbaums reproduziert werden [1]. Mittels KI-basierter Technologie wird dieses Modell patientenspezifisch angepasst, bis die simulierten Pulsdruckkurven nahezu vollständig mit den gemessenen Referenzsignalen übereinstimmen. Das Ergebnis ist ein digitaler Kardiovaskulärer Zwilling, der zentrale und periphere Druckverhältnisse, Gefäßsteifigkeit, Flusswiderstände und kardiale Performance funktionell abbildet.
Klinische und wissenschaftliche Evidenz
Die Validität oszillometrischer Mehrpunktmessungen zur Beurteilung vaskulärer Funktion wurde in klinischen Studien belegt. Der Ankle-Brachial-Index (ABI) zur Früherkennung von Durchblutungsstörungen, kombiniert mit intuitiv nachvollziehbaren Visualisierungen, besitzt einen hohen diagnostischen Wert und ist untersucherunabhängig einsetzbar [2]. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass modellbasierte, nichtinvasive Abschätzungen des zentralen Blutdrucks invasiven Referenzmessungen mindestens ebenbürtig sind, auch bei Patienten mit Diabetes oder Arrhythmien [3].
Funktionelle Muster in der Pulswelle
Nicht nur die Gefäße bestimmen die Eigenschaften einer Pulskurve, sondern auch der Zustand des Herzens. Während der isolierte Blick der Pulswellengeschwindigkeit insbesondere bei Herzinsuffizienz fehlschlägt, vermeidet das systemische Funktionsprinzip von VasioCore® irreführende Aussagen. Für die Praxis bedeutet dies, dass pathophysiologische Veränderungen visuell und funktionell beschrieben werden – ein erheblicher Vorteil für Patientenkommunikation und Therapieadhärenz [4].
Nutzen für die Privatpraxis
Der VasioCorder® [4] verfügt über drei Messmodi:
Die Messungen sind problemlos delegierbar, der Patient muss für die Messung liegen. Zentral- und Periphermodus lassen sich vollautomatisch ohne Anwendereingriff starten und durchführen. Dazu werden 6 Manschetten (beidseitig an Oberarmen, Handgelenken, Knöcheln) vorab angelegt. Die Messprozedur läuft dann ohne Unterbrechung in einem Durchgang von ca. 12 Minuten ab. Zur GOÄ-Abrechnung können u. a. die Ziffern 1, 7, 637 (2 ×), 639, 643 und 648 angesetzt werden.

Das VasioCore®-System ermöglicht ein delegierbares, nichtinvasives Screening mit 10–15 Minuten Messdauer und liefert ein strukturiertes kardiovaskuläres Funktionsprofil. Für die Privatpraxis ergeben sich mehrere Vorteile: frühzeitige Identifikation subklinischer Risiken, differenzierte Therapiekontrolle, Positionierung im Bereich Prävention und Longevity-Medizin sowie eine höhere Wertschöpfung durch innovative Diagnostik.

Impressum
Bericht I Redaktion I Konzept: Dr. rer. nat. Reinhard Merz
MiM Verlagsgesellschaft mbH (Neu-Isenburg)
Mit freundlicher Unterstützung der inmediQ GmbH (Butzbach)