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Praxisoranisation

Willkommenskultur einmal anders

Die gynäkologische Praxis als ein Ort der Begegnung

Theresia Wölker

20.8.2026

Wenn es darum geht, Patientinnen an die Praxis zu binden, braucht es keine spektakulären Marketingkonzepte und keine moderne Corporate Identity. Der Schlüssel liegt im Verhalten der Praxisleitung und der Mitarbeitenden. Dieser Beitrag beschreibt den Weg zu einer empathischen Willkommenskultur in der Praxis.

Was versteht man unter Gastfreundschaft? Damit wird ein entgegenkommendes Verhalten einem Besucher/Freund/Gast gegenüber ausgedrückt, das sich u. a. in freundlicher Aufnahme, Investition von Zeit und Aufmerksamkeit, großzügiger Bewirtung sowie in Zuwendung, Fürsorglichkeit und Gewährung von Schutz zeigt.

Das Gefühl, willkommen zu sein, schafft die Basis für soziale Bindungen in der Menschenführung einer ärztlichen Praxis. Ein schützender Raum mit Ruhe und Zugewandtheit ist das A und O für das Wohlbefinden kranker und bedürftiger Frauen. Denn der Besuch einer Gynäkologie-Praxis ist immer ein besonderes Ereignis. Bestenfalls ein „Place to be“ mit verständnisvoller, mitfühlender und kompetenter Begleitung in allen Lebensphasen des Frauseins: von der Pubertät, über Partnerschaft- und Sexualthemen, über Schwangerschaft, Impfversorgung, „heiße Jahre“, Menopause bis hin zur gynäkologischen Betreuung der älteren Frau.

Ein schützender Raum mit Ruhe und Zugewandtheit

Eine besondere Bedeutung hat der Versorgungsbereich der an Krebs erkrankten Patientinnen sowie der Komplex der palliativen gynäkologischen Onkologie. Diese Betreuung und Begleitung berührt sämtliche Bereiche ärztlicher Zuwendung und stellt therapeutisch, philosophisch, sozial und ethisch hohe Anforderungen an das gesamte Team.

Entscheidungen werden emotional getroffen

Die meisten Lebensentscheidungen werden emotional getroffen. So auch die Wahl der Gynäkologin oder des Gynäkologen, der oder die im Idealfall die Frau ein Leben lang leitet und begleitet. Frauenweisheit lebte schon immer davon, dass Frauen zusammenkommen, einander zuhören und sich gegenseitig bestärken.

Frauenärztliche Praxen sind „Hüter dieser Frauenweisheit – und der Frauengesundheit“. Sie können wunderbare Orte der Begegnung sein, in dem Patientinnen nicht nur Empfangende sind, sondern ebenbürtige, autonome Gesprächspartner auf Augenhöhe. Die wohlwollende und kompetente gynäkologische Fürsorge schafft die Vertrauensbasis für ein Gefühl des Angenommenseins.

Wie entlastend ist es – und die wichtigste Hilfe im Erstkontakt – das ehrliche Interesse und die Aufmerksamkeit eines anderen Menschen, der sich Zeit für sie (die Patientinnen) nimmt, Gelegenheit zum Sich-Aussprechen und Angehört-Werden gibt und der Schwierigkeiten und Gefühle ernst nimmt. Das löst oft Staunen, Überraschung und Wärme aus: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich es sein.“

Die emotionale Erlebniswelt

Hervorgerufen wird das unmittelbare Erleben von Empfindungen wie:

  • Ich fühle mich verstanden und willkommen
  • Ich bin angenommen
  • Ich fühle mich verbunden
  • Ich bin beschützt
  • Ich werde professionell versorgt
  • Ich bin hier wichtig
  • Ich werde bestärkt
  • Ich kann mich entspannen
  • Ich werde respektiert
  • Ich spüre Menschenfreundlichkeit und Mitgefühl

All das gehört zum sozialen Konzept für eine tragfähige kontinuierliche Beziehung – gerade auch im Hinblick auf Selbstzahlerinnen und Privatpatientinnen. Diese Wertschätzung beginnt schon beim ­ersten Telefonat, beim ersten Blickkontakt sowie beim Erstgespräch. Diese Momente sollten in jedem Fall eindrucksvoll sein: persönlich, radikal freundlich, emotional. Sie müssen sich für die betroffene Frau gut anfühlen. Eine liebenswürdige freundliche Begegnung – gerade beim Erstkontakt – ist das komplette Gegenteil zum derzeit florierenden G­robi­anismus.

Wer eine gewisse Leichtigkeit, Sanftheit und Milde in die Begegnung bringen kann, nimmt sofort mögliche Ängste und Unsicherheiten beim Gegenüber. Solche Formen sozialer und empathischer Kommunikation ist nicht nur gutes Benehmen, sie bringt vor allem Nahbarkeit und gelingende Beziehungen.

Kontinuierliche Beziehungspflege

Klar ist auch: Die kontinuierliche Patientinnenpflege sowie -bindung sind für den Praxiserfolg enorm wichtig. Solche Beziehungen sind keine Zufallsprodukte, sie werden nicht einfach mal eben so ge- oder beschlossen. Warum? Die Welt dreht sich gefühlt immer schneller und viele Frauen fühlen sich gehetzt und überflüssig: „Noch jemand, der was von mir will.“ Und Patientinnen können wählen und wechseln, wenn der Funke der Menschlichkeit nicht überspringt.

Gute Harmonie im Arztgespräch fühlt sich leicht an – ist aber eine große Kunst.

Zu einer dauerhaften Verbundenheit helfen ehrliches Interesse an der Person, aufgeschlossene Zuwendung, ein gemeinsames Lächeln, zumindest ein gewisser Freundlichkeitsquotient, der dem Ganzen – auch wenn es schwer ist – eine gewisse Lässigkeit (man könnte auch sagen Eleganz, Anmut und Entspanntheit) gibt. Gute Harmonie im Arztgespräch fühlt sich leicht an, manchmal sogar federleicht. Ist aber eine große Kunst.

Warum? All diese Bemühungen um eine gewisse Eleganz des Gespräches nimmt mögliche Irritationen vorweg, erleichtert Diagnostik und Therapie, oft auch die Schwere einer Diagnose. Und stärkt somit ein gutes Miteinander und das Gefühl des Aufgehobenseins. „Nur der ist froh, der geben mag“ wusste bereits Goethe zu sagen. Idealerweise nährt eine gelungene Begegnung alle Beteiligten, macht sie zufriedener, sicherer und glücklicher. Im Gehirn entsteht ein Aha-Moment. Aus der Freude und der positiven, heilsamen Wirkung einer emotionalen Kommunikation.

Check aus der Perspektive einer Patientin

Versetzen wir uns in die Lage einer Patientin, die möglicherweise Schmerzen hat, sich unwohl fühlt, ­Ängste und Unsicherheiten verspürt, depressiv oder frustriert ist oder einfach nur einen Ort der Begegnung, des Gespräches sucht. Stellen Sie sich die Fragen, die sich eine solche Patientin stellen würde:

  • Wie viel Freude und „Willkommenskultur“ vermittelt der Anmelderaum in der Praxis?
  • Gibt es Wohlfühl-Faktoren, die beruhigen und den Stresslevel minimieren?
  • Ist es ein Ort, an dem ich erstmal zur Ruhe kommen kann?
  • Ist die Begrüßung fürsorglich, persönlich, warmherzig und liebevoll, professionell?
  • Werde ich als Mensch, als Frau oder als Kranke wahrgenommen?
  • Bekomme ich Raum, Zeit und Nähe?
  • Spüre ich mitmenschliche Aufmerksamkeit, Ruhe und Wohlwollen?
  • Fühle ich mich umsorgt und geschützt?
  • Kann ich vielleicht sogar ein wenig ausruhen und zu mir kommen?
  • Spüre ich echte Sorge um meine Gesundheit?
  • Werde ich verstanden in meiner gegenwärtigen Situation (in den verschiedenen Phasen meines Frau-Seins)?
  • Gibt es „das Herz“ für mich als Patientin, nicht nur „das Händchen für die wirtschaftliche Seite der privatärztlichen Zuwendung“?

Neben diesen Soft Skills spielen natürlich die ­Themen Sicherheit, Modernität, Kompeten und ­Umwelt eine erhebliche Rolle bei der Festigung von Patientinnenbindungen.

Entscheidungen sind ein integraler Bestandteil des täglichen Lebens, sei es im Beruf, in persönlichen Angelegenheiten oder beim Einkaufen. Aber Entscheidungen werden nicht immer rational getroffen, sondern auch oder gar vorwiegend emotional. Auch das Ergebnis, einer Frauenarztpraxis treu zu bleiben, ist ein Zusammenspiel von rationalen Überlegungen und emotionalen Impulsen. Die Zufriedenheit mit der geglückten Verbindung zur Gynäkologin oder zum Gynäkologen des Vertrauens ist ein bedeutendes Signal für das emotionale Gehirn. Dabei geht es weniger um spektakuläre Marketingkonzepte oder moderne Corporate Identity. Was zählt, ist eine „neue Medizin der Emotionen“ (D. Servan-Schreiber), die Kompetenz, Sicherheit und Ruhe gibt sowie Herzensqualitäten wie Verständnis und Mitgefühl vermittelt.

Vielen Patientinnen ist kein Weg zu weit, wenn sie spüren: In dieser Facharztpraxis finde ich ­Resonanz und fachärztliche Begleitung für meine mentale und körperliche Stabilität und Wiederherstellung, für Lebenskrisenzeiten und für Fragen zur Salutogenese. Fürsorglichkeit ist auf das Wohl des Gegenübers bedacht – und vermittelt das wunderbare Gefühl: Hier bin ich richtig.

Die Autorin

Theresia Wölker
Beraterin und Fachreferentin im Gesundheitswesen
(Schwerpunkte QM, ­Kommunikation, Stressbewältigung und Resilienz)

www.theresia-woelker.de

Bildnachweis: privat

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