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Onkologie

Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC)

Molekulare „Präzisionsmedizin“ bringt gesicherte Behandlungsergebnisse

Dr. Klaus Dallibor

17.5.2022

Aufgrund der europäischen Zulassung steht seit Februar 2022 mit Tepotinib in Europa das erste orale Medikament zur Behandlung erwachsener Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelliges Lungenkarzinom NSCLC zur Verfügung, deren Tumore genetische Mutationen (METex14-Skipping) aufweisen. Nach Chemo- oder Immuntherapie benötigen die Betroffenen eine systemische Medikation(1).

Die Einführung des Tyrosinkinaseblockers beruht auf den Ergebnissen der Phase-II-Studie VISION, der bislang größten Interventionsuntersuchung zu NSCLC. Die Daten der multizentrischen, einarmigen, nichtrandomisierten Multikohorten-Studie mit 275 Patienten im medianen Alter von 72,6 Jahren, die meisten mit Adenokarzinomen, sind online veröffentlicht(2). Die dreimonatige Therapie (2 Tabletten zu 450 mg/die) wurde „im Allgemeinen gut vertragen“ (medianes Überleben: knapp zwei Jahre, keine Heilung).

Die schwer therapierbare und besonders aggressive Krebsform mit   molekularen Subgruppen-Signalwegsveränderungen des mesenchymal-epithelialen Transitionsgens (MET) und Verlust des (codierenden) Genabschnitts Exon 14 („METex14-Skipping“) tritt bei 3% bis 4% aller NSCLC-Fälle auf (3). Der Tumortyp ist mit fortgeschrittenem Krankheitsstadium und schlechter Prognose verbunden. Lungenkrebs gilt in Europa nach Schätzungen als zweithäufigste Tumorart und mit 388.000 Todesfällen im Jahr 2018 als die wichtigste krebsbedingte Todesursache(4).

Molekularer onkogener Treiber bei 50 % der Fälle

Nach Angaben des Pathologen Dr. med. Florian Länger, Medizinische Hochschule Hannover, sind 85% aller Lungenkrebsfälle NSCLC — in Deutschland etwa 57.000 im Jahr, von denen etwa 45.000 jährlich sterben. Bei der Hälfte dieser Patienten liegt ein molekularer onkogener Treiber vor. Diese als Verstärker auftretenden pathologischen Mutationen — für NSCLC sind zwölf identifiziert — lassen sich mit der neuen „Präzisionsmedizin“ über Biomarkertests nachweisen. Als ein Beispiel dafür nannte Länger die MET-Fehlregulierung, deren präzise Charakterisierung im Sinne einer „zeitgemäßen molekularen Diagnostik“ den Schlüssel zum Erfolg biete.  

Länger verwies dabei auf die unterschiedliche Sterblichkeitsentwicklung bei verschiedenen Krebstypen. Während bei Brustkrebs die Behandlungserfolge zwischen 1970 bis 1977 und 2007 bis 2013 von 74,8% auf über 90% gestiegen sind, bleibt die Lungenkrebsprognose noch immer höchst bedenklich – sie hat sich im gleichen Zeitraum von 12,2% nur auf 18,1% erhöht (Pankreas: 2,5% zu 8,2%; Ösophagus: 5% zu 18,8%). Bronchialkrebs-Patienten sind häufig ältere Personen (65 bis 76 Jahre), eher (Ex-) Raucher und vielfach Frauen. Aggressive Verläufe der Krankheit sind die Regel. Als Nebenwirkungen traten meist periphere Ödeme auf.

(1) Virtuelle Pressekonferenz Merck. „Jetzt wird’s persönlich: Neue Entwicklungen in der zielgerichteten Therapie des fortgeschrittenen NSCLC mit METex14-Skipping- Mutation“, 25. Februar 2022.
(2) Paik PK et al. Tepotinib in non-smal-cell lung cancer with MET exon14 skipping mutations. N Engl J Cancer. 2020; 383:931-943.
(3) Reungwetwattana T et al. Lung Cancer. 2017; 103: 27-37. Schrock AB et al. J Thorac Oncol. 2016;11:1493-1502. Tong JH et al. Clin Cancer Res. 2016: 22:3048-3056.
(4) Ferlay J et al. Eur J Cancer. 2018;103: 356-387

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