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Verletzungsmuster

E-Scooter-Unfälle treffen besonders häufig Kopf und innere Organe

5.11.2026

Eine britische Registerauswertung zeigt ein charakteristisches Verletzungsmuster bei schwereren E-Scooter-Unfällen: Kopf, innere Organe und Gefäße sind deutlich häufiger betroffen als bei verunglückten Motorrad- oder Fahrradfahrenden. Die Anfang August 2026 in Scientific Reports publizierte Studie wertete dafür zwei komplementäre Datensätze aus – das nationale Traumaregister für England und Wales (NMTR, 2020–2022) sowie 23.193 freiwillig gemeldete Vorfälle bei mehr als 33 Millionen Leihfahrten des Anbieters Voi (2020–2024).

Im Traumaregister fanden sich 580 E-Scooter-, 7.027 Motorrad- und 7.640 Fahrradfahrende mit mittelgradigen bis schweren Verletzungen. Bei erwachsenen E-Scooter-Verletzten entfielen nach Alterskorrektur rund 36 Schädel-Hirn-Traumata auf 100 registrierte Verletzungen. Ihr Anteil war damit 3,45-mal so hoch wie bei Motorrad- und 1,74-mal so hoch wie bei Fahrradverletzten. Auffällig waren auch Verletzungen innerer Organe und Gefäße: Gegenüber Motorradverletzten waren Organverletzungen 1,46-mal und Gefäßtraumata 3,24-mal so häufig; letztere blieben mit rund acht Ereignissen je 100 Verletzungen allerdings insgesamt selten. Frakturen kamen beim E-Scooter dagegen seltener vor. Wichtig für die Einordnung: Die Zahlen beschreiben das Verletzungsmuster bereits Verunglückter, nicht das Verletzungsrisiko pro Fahrt.

Als plausible Erklärung diskutieren die Autoren und Autorinnen die seltene Helmnutzung und die besondere Sturzkinematik. Nur 5,9 % der E-Scooter-Verunfallten im Traumaregister trugen dokumentiert einen Helm – gegenüber 75,7 % der Motorrad- und 45,0 % der Fahrradfahrenden. Die aufrechte Position mit hohem Schwerpunkt sowie kleine Räder begünstigen bei abruptem Abbremsen oder Hindernissen einen Sturz über den Lenker; der Lenker selbst kann zudem Bauch- und Gefäßverletzungen verursachen. Auffällig ist auch der hohe Anteil Minderjähriger: Insgesamt 16,2 % der E-Scooter-Patienten und -Patientinnen im Traumaregister waren unter 18 Jahre.

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Höheres Verletzungsrisiko bei Frauen

Ein weiterer bemerkenswerter Befund stammt aus den Voi-Daten: Fahrerinnen hatten nach Adjustierung für Alter, Saison und Stadt mehr als doppelt so hohe Odds für schwerere Verletzungen wie Fahrer (OR 2,13; 95%-KI 1,65–2,77). Die Ursachen bleiben offen; diskutiert werden Unterschiede bei Fahrpraxis, Fahrzeugergonomie und Streckenwahl, aber auch ein unterschiedliches Meldeverhalten. Die freiwillig erhobenen Voi-Daten erlauben daher keine Aussage über ein entsprechend erhöhtes absolutes Verletzungsrisiko von Frauen.

Für die Praxis bleibt eine einfache Präventionsbotschaft: Wer E-Scooter fährt, sollte einen Helm tragen – gerade weil bei schwereren Unfällen Kopfverletzungen überproportional häufig sind. Zu berücksichtigen ist, dass die klinischen Daten aus den Jahren 2020–2022 einschließlich der Pandemiezeit stammen und nur mittelgradige bis schwere Traumata erfassen. Die ergänzenden Voi-Daten beziehen sich ausschließlich auf Leihroller und beruhen auf freiwilligen Meldungen. Die Studie kann zudem keine Kausalzusammenhänge belegen.

Hintergrund: E-Scooter-Unfälle in Deutschland
Auch hierzulande steigt die Zahl der E-Scooter-Unfälle deutlich. 2025 registrierte die Polizei 16.496 Unfälle mit Personenschaden, 38,1 % mehr als 2024 und mehr als siebenmal so viele wie 2020. Dabei starben 38 Menschen, 1.895 wurden schwer und 16.184 leicht verletzt. Mehr als die Hälfte der verunglückten E-Scooter-Fahrenden war jünger als 25 Jahre.
Die Zahl der Todesopfer stieg gegenüber 27 im Jahr 2024 um 41 %. Von den 38 Getöteten waren 33 selbst mit einem E-Scooter unterwegs. Insgesamt entfielen 82,4 % der Verunglückten auf E-Scooter-Fahrende selbst. rb

Kungwengwe G et al.: E-scooter riders sustain more head and internal injuries than motorcyclists and cyclists in England and Wales. Sci Rep. 2026 Aug 6;16(1):23470 (DOI 10.1038/s41598-026-59829-5).

* Pressemitteilung: „38,1 % mehr E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden im Jahr 2025“. Statistisches Bundesamt (Destatis), Wiesbaden, 16.7.2026 (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_N049_462.html).

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