Eine große prospektive Kohortenstudie mit 91292 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der UK Biobank zeigt, dass für das Krebsrisiko nicht nur die gesamte Sitzdauer, sondern auch das Muster der Sitzzeiten eine Rolle spielt. Die Studie wertete akzelerometrisch gemessene Bewegungsdaten über einen medianen Nachbeobachtungszeitraum von 12,4 Jahren aus und untersuchte erstmals systematisch den Zusammenhang zwischen längeren ununterbrochenen Sitzphasen und verschiedenen Krebsendpunkten.
Als prolongiertes Sitzen definierten die Autoren zusammenhängende Sitzphasen von mindestens 30 Minuten, während derer mindestens 90 % der Zeit sitzend verbracht wurden. Jede zusätzliche Stunde dieser ununterbrochenen Sitzzeit pro Tag war mit einem um rund 10 % erhöhten Risiko für die Krebssterblichkeit assoziiert (HR 1,09; 95%-KI 1,06–1,11). Dagegen war jede zusätzliche Stunde unterbrochenen Sitzens – also kürzerer oder durch Bewegung unterbrochener Sitzphasen – mit einem um 19 % niedrigeren Sterberisiko verbunden (HR 0,82; 95%-KI 0,78–0,86). Auch für die Krebsinzidenz zeigten sich entsprechende, wenn auch schwächere Zusammenhänge: Pro zusätzlicher Stunde prolongierten Sitzens stieg das Erkrankungsrisiko um 3 %, während unterbrochenes Sitzen mit einer Risikoreduktion von 6 % assoziiert war. Ähnliche Zusammenhänge fanden sich auch bei adipositas- und Typ-2-Diabetes-assoziierten Tumoren, darunter Karzinome des Ösophagus, der Leber, der Niere, der Brust und des Kolons.
„Unsere Daten zeigen, dass Sitzen von mehr als 30 Minuten am Stück besonders stark mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden ist“, erklärte Co-Autor Dr. Frederick Ho von der University of Glasgow. „Die gute Nachricht ist, dass das Unterbrechen der Sitzzeit durch etwas so Einfaches wie einen kurzen Spaziergang bereits schützend wirken könnte.“
Nutzen zusätzlicher Bewegung
Auch die Substitutionsanalysen sprechen für einen Nutzen zusätzlicher Bewegung. Bereits der Ersatz von einer Stunde prolongierten Sitzens durch leichte körperliche Aktivität – etwa langsames Gehen oder Hausarbeit – war mit einem um 12 % niedrigeren Risiko für die Krebssterblichkeit assoziiert (HR 0,88; 95%-KI 0,79–0,99). Ebenso war der Austausch von 30 Minuten Sitzen gegen moderat intensive körperliche Aktivität mit einer Risikoreduktion verbunden. Für intensive körperliche Aktivität zeigte sich ebenfalls ein numerischer Vorteil, der aufgrund geringer Fallzahlen für die Krebssterblichkeit jedoch statistisch nicht signifikant war.
Zu den Limitationen zählen der Beobachtungscharakter der Studie mit der Möglichkeit eines Residualkonfoundings, etwa durch allgemeine Gebrechlichkeit oder Begleiterkrankungen, die gesündere und sozial besser gestellte Stichprobe der UK Biobank sowie die auf sieben Tage begrenzte Aktivitätsmessung. Zudem ließ sich weder der Kontext des Sitzens – etwa Fernsehen oder Bildschirmarbeit – noch die optimale Dauer und Häufigkeit von Bewegungspausen bestimmen. Die Autoren und Autorinnen betonen daher, dass Interventionsstudien erforderlich sind, um kausale Zusammenhänge und konkrete Empfehlungen abzuleiten. Die Ergebnisse sprechen jedoch dafür, längere Sitzphasen möglichst regelmäßig durch kurze Bewegungseinheiten zu unterbrechen.
Zhou Z et al.: Accelerometry-measured prolonged and interrupted sedentary behavior and cancer incidence and mortality: A cohort study of 91,292 UK Biobank participants. PLoS Med. 2026 Jul 2;23(7):e1004767 (DOI 10.1371/journal.pmed.1004767).