Am 5. Februar 2026 hat die US-Regierung TrumpRx.gov freigeschaltet. Das Portal ermöglicht es Patienten und Patientinnen, verschreibungspflichtige Markenpräparate zu reduzierten Preisen zu erwerben – sofern sie die Kosten selbst tragen und ihre Krankenversicherung nicht in Anspruch nehmen.
Grundlage sind „Most-Favored-Nation“-Vereinbarungen (MFN, siehe Infokasten unten) mit bislang 16 großen Pharmakonzernen. Im Gegenzug zur Vermeidung angedrohter Importzölle verpflichteten sich die Unternehmen, ausgewählte Arzneimittel zu Preisen anzubieten, die sich am niedrigsten Niveau anderer Industrienationen orientieren.
TrumpRx.gov fungiert nicht als Online-Apotheke, sondern als Vermittlungsportal. Nutzer werden zu Direktvertriebsseiten der Hersteller oder zu kooperierenden Apotheken weitergeleitet. Technisch basiert das Angebot auf dem Apothekenpreisvergleicher GoodRx (www.goodrx.com/).
Zum Start umfasst das Angebot 43 Markenpräparate. Besonders deutlich sind die Preisreduktionen bei GLP-1-Präparaten (Inkretinmimetika zum Abnehmen):
Auch Fertilitätsmedikamente wie Gonal-F oder Cetrotide werden drastisch günstiger.
Wer profitiert?
TrumpRx richtet sich explizit an Selbstzahler. Käufe über TrumpRx gelten als reine Selbstzahlung: Die Beträge werden weder auf den jährlichen Selbstbehalt noch auf die maximale Eigenbeteiligung angerechnet, nach deren Erreichen die Versicherung vollständig zahlt. Da rund 85 % der US-Amerikaner über eine Arzneimittelversicherung verfügen, kann die Nutzung des Portals für Versicherte finanziell nachteilig sein. Entsprechend findet sich auf jeder Produktseite der Hinweis, zunächst die eigene Zuzahlung zu prüfen.
Gesundheitsökonomen bezweifeln daher, dass TrumpRx zu flächendeckenden Einsparungen führt.
Ökonomische Implikationen
Für die Industrie eröffnet TrumpRx einen zusätzlichen Direktvertriebskanal außerhalb des üblichen, stark rabatt- und zwischenhändlerbasierten US-Erstattungssystems. Selbst rabattierte Selbstzahlerpreise können für Hersteller attraktiver sein als komplexe Erstattungsrabatte. Beobachter sehen daher erhebliche wirtschaftliche Vorteile für die beteiligten Unternehmen.
Auffällig ist zudem, dass viele extrem hochpreisige Onkologika nicht Teil des Portals sind – also jene Arzneimittel, die maßgeblich zur Kostenbelastung von Versicherungen und Arbeitgebern beitragen.
Politische Dimension
TrumpRx ist Teil einer umfassenderen Strategie, US-Arzneimittelpreise international anzugleichen. Präsident Trump fordert vom Kongress die Verabschiedung seines „Great Healthcare Plan“, der das MFN-Prinzip dauerhaft im Bundesrecht verankern und damit über freiwillige Vereinbarungen hinaus verpflichtend machen soll und eine Anrechnung von TrumpRx-Käufen auf Versicherungsleistungen ermöglichen soll.
Demokratische Abgeordnete stellten die Transparenz der Preisbildung infrage und verwiesen auf mögliche Interessenkonflikte im Umfeld von BlinkRx (US-Digitalunternehmen, das Infrastruktur für den Direktvertrieb verschreibungspflichtiger Medikamente bereitstellt, www.blinkrx.com). Das Weiße Haus bestreitet finanzielle Beteiligungen an den Transaktionen.
Hintergrund: Was bedeutet „Most-Favored-Nation“ (MFN)?
Das MFN-Prinzip („Meistbegünstigte Nation“) sieht vor, dass US-Preise für bestimmte Arzneimittel an den niedrigsten Preis gekoppelt werden, der in vergleichbaren Industrieländern gezahlt wird. Ziel ist es, die internationale Preisdifferenz zulasten amerikanischer Patienten zu verringern. Derzeit beruhen die MFN-Preise auf administrativen Vereinbarungen mit Herstellern; eine gesetzliche Verankerung würde sie dauerhaft verpflichtend machen.
Robbins R et al.: Trump‘s Online Drugstore Opens for Business. The New York Times. Feb. 5, 2026 (https://www.nytimes.com/2026/02/05/health/trumprx-online-drugstore-prices.html).