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Suchterkrankungen

Anstieg der Drogentodesfälle im vierten Jahr in Folge

19.5.2022

Die Zahl an Menschen, die an illegalen Drogen sterben, steigt. Und zwar zum vierten Mal in Folge, meldet der Bundesbeauftragte für Sucht- und Drogenfragen. Im Jahr 2017 starben noch 1.272 Menschen. 2021 waren es 1.826.

Die aktuelle Zahl bedeutet einen Anstieg um 15,5% gegenüber dem Vorjahr 2020, in dem 1.581 Menschen starben. Hauptursächlich waren ‒ wie in den vergangenen Jahren ‒ Heroin und andere Opioide allein oder in Verbindung mit anderen Stoffen. Die Zahl der Vergiftungen durch alleinige Überdosierung von Heroin ist um 50% (195 Rauschgifttote) und bei Opioid-Substitutionsmitteln um 167% (88 Tote) gestiegen. Die Zahlen seien schockierend und machen deutlich, dass ein „Weiter so“ in der deutschen Drogenpolitik nicht möglich sei, so der Bundesbeauftragte für Sucht- und Drogenfragen Burkhard Blienert. Auch die Familie, Freunde und Partner von an Drogen verstorbenen Menschen leiden.

„Hilfe und Unterstützung, Behandlung und Beratung müssen schneller und direkter bei den Menschen ankommen. Was wir jetzt brauchen ‒ und zwar schnell ‒ ist ein Grundsatzgespräch mit den Ländern.“ Es dürfe nicht sein, dass Menschen, die schwer suchtkrank sind, gar nicht erreicht und mit ihrer Erkrankung sowie deren sozialen Folgen alleine gelassen werden. „Aus Abhängigkeitskrankheiten findet praktisch niemand alleine wieder heraus. Daher müssen Hilfe, Beratung und der Schutz dauerhaft und verlässlich finanziert werden.“

Lebensrettende Maßnahmen müssen ausgebaut werden

Auch die Zahl der alleinigen Vergiftungen an Amphetamin (92 Rauschgifttote, +149%), Amphetaminderivaten (13 Rauschgifttote, +117%), Methamphetamin (23 Rauschgifttote, +64%) und Kokain (74 Rauschgifttote, +54%) ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. „Den häufig lebensbedrohlichen Risiken gerade durch verunreinigte oder gestreckte Stoffe möchte ich mit Maßnahmen wie Drug-Checking, flächendeckender Substitution und Drogenkonsumräumen entgegentreten“, sagt Blienert, „es ist angesichts dieser tragischen Zahlen doch offensichtlich: Maßnahmen, die Leben retten helfen, müssen ermöglicht und ausgebaut werden.“

Aus Sicht der Deutschen Aidshilfe (DAH) erfordert dieser dramatische Anstieg einen unverzüglichen Politikwechsel hin zu Entkriminalisierung und staatlicher Regulierung. „Um Menschenleben zu retten, sind eine staatlich kontrollierte Abgabe auch sogenannter harter Drogen und die Entkriminalisierung der Drogenkonsumenten erforderlich ‒ und ein Ausbau schadensmindernder Angebote“, sagt Björn Beck vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe. „Die Kriminalisierung von Drogen konsumierenden Menschen zerstört das Leben Hunderttausender, darunter auch derjenigen, die ihnen nahestehen.“ Die Deutsche Aidshilfe fordert deshalb die staatliche Kontrolle der Produktion und die legale Abgabe von Substanzen in jeweils geeigneter Form, etwa über Fachgeschäfte oder das Medizinsystem. Außerdem solle der Gesetzgeber geringfügige Mengen zum Eigenverbrauch festlegen, deren Erwerb und Besitz nicht strafrechtlich verfolgt wird.

Pressemitteilung des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Mai 2022
Pressemitteilung der Deutschen Aidshilfe (DAH), Mai 2022

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