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COVID-19

Sinus-Venenthrombosen nach Impfung

24.11.2021

Eine als Preprint publizierte Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zeigte, dass es nach Impfung mit dem COVID-19-AstraZeneca-Impfstoff (ChAdOx1) zu signifikant mehr zerebralen Sinus- und Hirnvenenthrombosen (CVT) kam als nach Impfung mit den mRNA-Impfstoffen. Nach der ersten Impfung war die Rate der Ereignisse um mehr als neunmal höher als nach Impfung mit den mRNA-Impfstoffen. Für weibliche Geimpfte war sie mehr als dreimal erhöht.
Alle Fälle von CVT sowie ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen, die innerhalb eines Monats nach einer COVID-19-Impfung aufgetreten waren, sollten mittels eines webbasierten Fragebogens gemeldet werden.
Insgesamt gingen 87 Meldungen ein. Bei 62 wurde ein möglicher Zusammenhang mit der Impfung bestätigt. In 95,2% der Fälle traten unerwünschte Ereignisse nach der Erstimpfung auf: in 45 Fällen zerebrale Venenthrombosen, in neun Fällen ischämische Schlaganfälle, in vier Fällen Hirnblutungen und in vier Fällen andere thrombotische Ereignisse. Das mittlere Alter lag bei 46,7 Jahren; 77,4% der Betroffenen waren unter 60 Jahre alt. Insgesamt traten 85,5% der Fälle nach Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin ChAdOx1 auf und 14,5% nach Impfung mit dem Impfstoff von BioNTech BNT62b2. Es wurden keine Ereignisse nach Gabe des Impfstoffes mRNA-12783 von Moderna beobachtet. Jedoch wurden hier nur 1,2 Mio. Dosen verabreicht, im Gegensatz zu BioNTech mit 16,2 Mio. und AstraZeneca mit 4,6 Mio. Dosen (bis Mitte April). Etwa 82,2% der Fälle einer CVT waren nach Impfung mit ChAdOx1 gemeldet worden, acht Fälle nach BNT62b2. Von den neun nach Impfung gemeldeten ischämischen Schlaganfällen waren acht nach dem Impfstoff mit ChAdOx1 und ein Fall nach BNT62b2 aufgetreten. Die vier Fälle intrazerebraler Blutungen waren nach Impfung mit ChAdOx1 beobachtet worden. Ungefähr 75,8% waren bei Frauen aufgetreten. Bei den Fällen mit CVT waren 77,8% weiblich, wovon 80% unter 60 Jahre alt waren. Bei Frauen unter 60 Jahren, die eine Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff erhalten hatten, betrug die Ereignisrate für Sinus- und Hirnvenenthrombosen innerhalb eines Monats nach der Erstimpfung 24,2/100.000 Personenjahre, bei gleichaltrigen Männern 8,9/100.000, lag damit also deutlich niedriger. Bei unter 60-Jährigen, die den BioNTech-Impfstoff erhalten hatten, betrug die Ereignisrate 3,6/100.000 Personenjahre bei Frauen und 3,5/100.000 bei Männern. Über 60-jährige Frauen wiesen nach Impfung mit BioNTech eine sehr geringe Ereignisrate von 0,8/100.000 Personenjahre auf, bei Männern über 60 Jahre gab es keine Ereignisse, egal mit welchem Impfstoff sie geimpft worden waren.
„Bis dahin haben uns die Daten nicht überrascht. Allerdings haben wir ein neues Sicherheitssignal gesehen“, erklärt Prof. Dr. Dr. Tobias Kurth, Direktor des Instituts für Public Health an der Charité-Universitätsmedizin. „Die Inzidenzrate der Hirnvenenthrombosen bei Frauen unter 60 nach Gabe des AstraZeneca-Impfstoffs betrug 24,2/100.000 Personenjahre, die von Frauen über 60 nach Gabe des gleichen Impfstoffs 20,5/100.000 Personenjahre. Unsere Daten zeigen also: Auch ältere Frauen haben ein erhöhtes Risiko, Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach Gabe des AstraZeneca-Vakzins zu erleiden. Ob dies zu einer Änderung der Empfehlung für die Impfung mit ChAdOx1 führt, sollte mit den vorliegenden Daten in einer Risiko-Nutzen-Analyse schnell bewertet werden.“
Warum die Vakzin-induzierte immunogene thrombotische Thrombozytopenie (VITT) nicht nach Impfung mit mRNA-Impfstoffen auftritt, antwortet Prof. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN: „Wir vermuten, dass die Antikörper gegen PF4 nicht mit dem Spike-Protein von SARS-CoV-2 kreuzreagieren, sondern die Impfkomplikation mit dem adenoviralen Vektor im Zusammenhang steht. Das muss weiter untersucht werden.“ Es konnten etwa 57,8% der gemeldeten Fälle von Hirnvenenthrombosen auf eine solche VITT zurückgeführt werden. Auch bei fünf von neun Patienten mit ischämischem Schlaganfall und bei zwei der vier Fälle einer Hirnblutung lag derselbe Mechanismus vor.

Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Mai 2021

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