Bei Parkinson können neben motorischen auch kognitive Funktionen beeinträchtigt sein. Eine aktuelle Studie untersuchte, wie dopaminerge Medikation das Abwägen zwischen dem Erkunden neuer und dem Nutzen bereits bewährter Optionen beeinflusst. Dabei zeigte sich: Kurz vor der nächsten Levodopa-Dosis erkundeten Patientinnen und Patienten neue Möglichkeiten übermäßig häufig und nutzten lohnende, bereits bekannte Optionen zu selten.
In einer computergestützten Lernaufgabe wählten Personen mit Parkinson wiederholt Felder auf einem 8-mal-8-Raster, um Punkte zu sammeln. Sie konnten entweder ein unbekanntes Feld aufdecken oder ein bereits erfolgreiches Feld erneut wählen. Verglichen wurden zwei randomisiert zugeteilte Parkinson-Gruppen – nach regulärer Levodopa-Einnahme beziehungsweise unmittelbar vor der nächsten Dosis – sowie 35 altersgematchte Personen mit Polyneuropathie als Kontrollgruppe. Die Auswertung umfasste acht Runden mit jeweils 25 Entscheidungen.
Unter Levodopa erzielten die Parkinson-Patientinnen und -Patienten deutlich höhere mittlere Belohnungen als die Gruppe vor der nächsten Einnahme; die Effektstärke war groß (d = 1,4). Die Gruppe vor der nächsten Levodopa-Dosis wählte deutlich seltener bereits bekannte Felder erneut als die behandelte Gruppe, während die Kontrollgruppe am häufigsten auf bereits erfolgreiche Optionen zurückgriff. Die Leistung der behandelten Gruppe blieb jedoch unter jener der Kontrollgruppe.
Ein computergestütztes Entscheidungsmodell (Gaussian Process Upper Confidence Bound, GP-UCB) erlaubte es, drei Komponenten getrennt zu betrachten: das Übertragen bereits gemachter Erfahrungen auf ähnliche Optionen, die gezielte Suche nach unsicheren Optionen und rein zufälliges Explorieren. Bei Parkinson vor der nächsten Levodopa-Dosis war die Generalisierung räumlicher Regelmäßigkeiten reduziert; zugleich wurde Unsicherheit stärker gewichtet. Die mittlere zufällige Exploration unterschied sich dagegen nicht zwischen den Gruppen. Unter Levodopa lag die unsicherheitsgerichtete Exploration auf einem Niveau, das sich nicht von der Kontrollgruppe unterschied.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Dopamin die zielgerichtete Exploration unter Unsicherheit mitreguliert. Für die klinische Praxis folgt daraus jedoch keine unmittelbare Änderung der medikamentösen Behandlung: Untersucht wurde eine eng definierte Laboraufgabe; ob sich der Effekt auf komplexe Entscheidungen im Alltag übertragen lässt, wurde nicht geprüft. Zudem handelte es sich um einen Gruppenvergleich ohne intraindividuelles On-Off-Crossover. Auch bestand die Kontrollgruppe nicht aus gesunden Personen, sondern aus Menschen mit Polyneuropathie. Diese Einschränkungen benennen die Autoren ausdrücklich.
Pressemitteilung: „Entscheidungsstark trotz Parkinson“. HMU Health and Medical University Potsdam und TU Darmstadt, 18.8.2926 (https://www.tu-darmstadt.de/universitaet/aktuelles_meldungen/einzelansicht_574784.de.jsp).
* Meder B et al.: Dopamine depletion in Parkinson‘s increases directed but not random exploration. Sci Adv. 2026 Aug 7;12(32):eaee6556 (DOI 10.1126/sciadv.aee6556).