Pflegende Angehörige von Krebspatienten in der häuslichen Palliativversorgung schlafen häufig schlecht – ihre eigene Erholung steht im Versorgungsalltag jedoch selten im Mittelpunkt. Eine randomisierte, multizentrische Studie aus Spanien zeigt nun, dass bereits eine Woche langes abendliches Hören selbst ausgewählter Musik einer Verschlechterung der subjektiven Schlafqualität entgegenwirken und die Tagesmüdigkeit verringern könnte.
In die Studie gingen 76 Angehörige von zu Hause palliativ betreuten Krebspatienten ein (Durchschnittsalter 63 Jahre, durchschnittlich 17,3 Stunden Pflege pro Tag). Alle erhielten die übliche palliativpflegerische Betreuung. Die Interventionsgruppe hörte an sieben aufeinanderfolgenden Abenden jeweils 30 Minuten lang über Kopfhörer selbst ausgewählte Musik, die Wohlbefinden auslösen sollte. Die Kontrollgruppe hörte stattdessen 30-minütige Audioaufnahmen mit pflegerelevanten Schulungsinhalten. Erfasst wurden die subjektive Schlafqualität mit dem Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI), die Tagesmüdigkeit mittels Epworth Sleepiness Scale sowie objektive Schlafparameter durch eine 14-tägige Aktigraphie am Handgelenk.
Der primäre Endpunkt wurde erreicht: Die globale PSQI-Punktzahl verschlechterte sich in der Musikgruppe deutlich weniger als in der Kontrollgruppe (mittlere Veränderung +0,60 vs. +2,05 Punkte; p = 0,006; höhere Werte entsprechen einer schlechteren Schlafqualität). Darüber hinaus berichteten die Teilnehmenden der Musikgruppe über eine längere subjektive Schlafdauer, eine höhere subjektive Schlafeffizienz und eine geringere Tagesmüdigkeit (−2,74 Punkte auf der Epworth-Skala; 95-%-KI −4,11 bis −0,56). In der Aktigraphie zeigte sich lediglich eine deskriptive Abnahme nächtlicher Schlafunterbrechungen (−1,27 Ereignisse; 95-%-KI −2,50 bis −0,01), während objektive Schlafdauer und Schlafeffizienz weitgehend unverändert blieben. Unerwünschte Ereignisse traten nicht auf, die Zufriedenheit mit der Intervention war hoch.
Die Autoren und Autorinnen sehen in der passiven Musikintervention eine gut akzeptierte, nichtmedikamentöse Ergänzung der häuslichen Palliativversorgung, die sich ohne großen Aufwand in den Alltag integrieren lässt und ausdrücklich die Bedürfnisse pflegender Angehöriger adressiert. Ob sich die beobachteten Effekte langfristig bestätigen, in anderen kulturellen Kontexten reproduzieren lassen und über die Etablierung einer beruhigenden Abendroutine hinausgehen, müssen weitere Studien klären.
Valero-Cantero I et al.: Effects of motivational music on sleep quality for caregivers of patients with advanced cancer: a randomized controlled trial. Support Care Cancer. 2026 Aug 3;34(8):824 (DOI 10.1007/s00520-026-11038-6).