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Neurologie

Morbus Parkinson: Warum Ausdauersport die Progression verlangsamt

14.1.2022

Ausdauersport verbessert entsprechend neuerer Studien die funktionelle und strukturelle Plastizität der für die Planung, Ausführung und Kontrolle von Bewegungen zuständigen Hirnregionen und wirkt so dem progredienten Abbau motorischer und kognitiver Funktionen bei Morbus Parkinson entgegen, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Pressemitteilung.

Jetzt vorgelegte Daten niederländischer Forscher liefern erstmals einen Erklärungsansatz dieser positiven Effekte von aerobem Training. Sie zeigen, dass es dabei zu einer stärkeren funktionellen Vernetzung sowohl zwischen vorderem und hinterem Putamen und dem sensomotorischen Kortex kommt als auch im rechten frontoparietalen Netzwerk.

Bisherige Studienergebnisse zur Verlangsamung motorischer Defizite bei M. Parkinson im Frühstadium durch Ausdauersport deuten an, dass „wir von einer hohen klinischen Evidenz ausgehen können und raten Betroffenen, die mit der Diagnose Parkinson konfrontiert werden, daher immer zu regelmäßigem Ausdauersport“, erklärt Parkinsonexperte Prof. Dr. med. Lars Timmermann, stellvertretender DGN-Präsident und Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Marburg (UKGM).

Stärkere funktionelle Vernetzung

Die niederländische Arbeitsgruppe verglich 56 Patienten, die randomisiert entweder Ausdauersport oder Stretching absolvierten. Zum Studieneinschluss und nach sechs Monaten wurden bei allen eine funktionelle Magnetresonanztomografie durchgeführt und die Befunde mittels Voxel-basierter Morphometrie (VBM) ausgewertet, der Grad der Hirnatrophie erfasst, sowie freies Wasser im hinteren Teil der Substantia nigra. Unmittelbar nach dem MRT-Scan mussten die Teilnehmenden eine validierte Aufgabe zur Überprüfung des okulomotorischen und kognitiven Zusammenspiels durchführen: Sie wurden gebeten, einen farbigen Punkt zu fixieren und je nach dessen Farbe eine Sakkade (=ruckartige Augenbewegung) zu oder weg von einem Zeichen im Hintergrund durchzuführen. Außerdem wurden verschiedene klinische Tests zur Bewertung der kognitiven Funktion (MOCA-Test), der motorischen Symptome und der Aufmerksamkeitsleistung durchgeführt. Es zeigte sich, dass Ausdauertraining zu einer stärkeren funktionellen Vernetzung zwischen vorderem und hinterem Putamen und dem sensomotorischen Kortex führt. Das Putamen als Teil der grauen Substanz ist für die Kontrolle von Bewegungsabläufen zuständig. Die Fehlerrate im okulomotorischen Test war in der Ausdauersportgruppe signifikant geringer, das heißt, die Fähigkeit zur kognitiven Kontrolle von (ungewollten) Bewegungen höher. Darüber hinaus beschrieb das Forscherteam bei den Ausdauersporttreibenden eine stärkere funktionelle Vernetzung im rechten frontoparietalen Netzwerk, die mit der Verbesserung des Fitnessgrads korrelierte und einen geringeren Grad der Hirnatrophie.

„Ausdauersport hat also eine messbare Wirkung auf das Gehirn. Indem er die funktionelle und strukturelle Plastizität der für die Planung, Ausführung und Kontrolle von Bewegungen zuständigen Hirnregionen verbessert, kann er dem Abbau motorischer und kognitiver Funktionen bei Morbus Parkinson entgegenwirken“, erklärt Timmermann.

Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Januar 2022
Johansson ME et al., Ann Neurol 2021 Dec 24; DOI 10.1002/ana.26291, PMID 34951063

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